Finanzen

Amazon-Aktie: Warum Anleger zwischen Chance und Risiko abwägen

Amazon prägt den globalen Technologiemarkt, bleibt an der Börse zuletzt jedoch hinter anderen Konzernen zurück. Handelt es sich dabei um eine kurzfristige Schwäche oder ist das ein Signal für tiefer liegende Risiken bei der Amazon-Aktie?
08.01.2026 15:26
Aktualisiert: 08.01.2026 16:02
Lesezeit: 3 min
Amazon-Aktie: Warum Anleger zwischen Chance und Risiko abwägen
Die Amazon-Aktie steht trotz starker Cloud- und KI-Investitionen wegen Wettbewerbsdruck, schwachem Cashflow und hoher Bewertung zunehmend in der Kritik (Foto: dpa) Foto: Peter Steffen

Warum die Amazon-Aktie im Tech-Sektor derzeit gemieden wird

Amazon zählt zu den prägenden Konzernen der globalen Digitalwirtschaft und spielt sowohl im Onlinehandel als auch bei Cloud-Diensten eine zentrale Rolle. An den Kapitalmärkten blieb der Konzern zuletzt jedoch deutlich hinter der Entwicklung anderer US-Technologiewerte zurück.

Während Aktien von Alphabet oder Nvidia im vergangenen Jahr kräftig zulegen konnten, verzeichnete die Amazon-Aktie lediglich einen Kursanstieg von rund fünf Prozent und notiert derzeit bei etwa 230 Dollar. Diese schwache Entwicklung wirft die Frage auf, ob es sich um eine vorübergehende Kaufchance oder um ein Warnsignal für strukturelle Schwächen handelt.

AWS als tragende Säule mit wachsendem Wettbewerbsdruck

Um Amazon einzuordnen, ist eine Betrachtung der Konzernstruktur sinnvoll. Das Unternehmen vereint faktisch drei Geschäftsmodelle unter einem Dach. Die wichtigste Ertragssäule ist das Cloud-Geschäft Amazon Web Services. AWS gilt als zentrale Gewinnquelle, mit der der übrige Konzern finanziert wird.

Im vergangenen Quartal steuerte AWS lediglich 18 Prozent zu den rund 180 Milliarden Dollar Umsatz bei, erwirtschaftete jedoch rund 66 Prozent des operativen Ergebnisses von insgesamt 17,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck zu. Microsoft und Google verfügen zwar über geringere Marktanteile, wachsen mit ihren Cloud-Diensten jedoch seit mindestens sechs Quartalen schneller als AWS und holen schrittweise auf.

Handel und Werbung wachsen, bleiben aber kapitalintensiv

Rund ein Drittel des operativen Ergebnisses entfällt auf den Einzelhandel und das Werbegeschäft, die zugleich einen Großteil der Umsätze generieren. Besonders das Werbegeschäft entwickelte sich zuletzt dynamisch und wuchs im vergangenen Quartal um 24 Prozent. Branchenbeobachter schätzen die Margen hier auf 50 bis 70 Prozent.

Auch im klassischen Einzelhandel mit traditionell niedrigen Margen versucht Amazon, die Profitabilität zu steigern. Durch den Einsatz von Robotik und Automatisierung strebt der Konzern mittelfristig zweistellige Margen an. Diese Strategie erfordert jedoch hohe laufende Investitionen und bindet erhebliche finanzielle Ressourcen.

KI-Investitionen belasten den freien Cashflow spürbar

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den freien Cashflow. Amazon investiert aggressiv in künstliche Intelligenz und den Ausbau von Rechenzentren. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich diese Investitionen auf mehr als 100 Milliarden Dollar. Dadurch ist der frei verfügbare Mittelzufluss weitgehend versiegt.

Zwar stehen auch andere Technologiekonzerne vor ähnlichen Herausforderungen, doch fällt die Belastung bei Amazon stärker aus. Microsoft und Alphabet erwirtschaften selbst nach umfangreichen Investitionen weiterhin hohe freie Cashflows. Meta und Oracle finanzieren Teile ihrer KI-Strategie über Schulden, was kurzfristig den Cashflow schont, langfristig jedoch die Risiken erhöht.

Amazon verfolgt einen vergleichsweise konservativen Ansatz und finanziert seine Investitionen nahezu vollständig aus dem laufenden Geschäft. Dies stärkt die Bilanz, lässt aber kaum Spielraum für Dividenden oder Aktienrückkäufe. Nahezu der gesamte erwirtschaftete Cashflow fließt in neue Projekte, in der Erwartung, diese langfristig mehrfach zu amortisieren.

Bewertung bleibt trotz schwacher Kursentwicklung anspruchsvoll

Hinzu kommt das Risiko neuer Handelszölle, das insbesondere den Einzelhandel treffen könnte. Da dieser Bereich weiterhin das Fundament des Konzerns bildet, stellen handelspolitische Unsicherheiten einen zusätzlichen Belastungsfaktor dar, der zu Jahresbeginn noch wenig Beachtung fand.

Auch die Bewertung der Aktie liefert kaum Argumente für einen günstigen Einstieg. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 28 und damit auf dem Niveau von Alphabet sowie nur leicht unter dem von Microsoft mit etwa 30. Auf Basis vergangener Gewinne liegt Amazons KGV sogar bei etwa 33. Trotz des schwachen Jahres 2025 erscheint die Aktie damit nur begrenzt attraktiver als vergleichbare Technologietitel.

Welche Bedeutung Amazons Entwicklung für Anleger in Deutschland hat

Für Anleger in Deutschland stellt sich Amazon derzeit weniger als günstige Gelegenheit, sondern eher als Titel mit erhöhten Unsicherheiten bei gleichzeitig hoher Bewertung dar. Im Vergleich zu anderen US-Technologiekonzernen bietet die Aktie aktuell weder einen klaren Bewertungsvorteil noch verlässliche Ausschüttungen.

Für deutsche Investoren mit Fokus auf Stabilität, planbare Cashflows und geringere Abhängigkeit von globalen Handelsrisiken könnten Alternativen im Technologiesektor oder stärker diversifizierte Anlageansätze derzeit attraktiver sein.

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