Politik

Chinesen vor Angebot für High-Tech-Unternehmen Kuka

Lesezeit: 1 min
18.05.2016 00:03
Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgerätehersteller Midea will am Mittwoch offenbar eine Übernahmeofferte für den Augsburger Roboter-Hersteller Kuka vorlegen. Die Augsburger sehen die Übernahme als Chance, auf dem chinesischen Markt zu reüssieren.
Chinesen vor Angebot für High-Tech-Unternehmen Kuka

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgerätehersteller Midea will seine Beteiligung am Roboterbauer Kuka mit einem öffentlichen Übernahmeangebot kräftig aufstocken. Der Augsburger Konzern erwarte die Offerte aller Voraussicht nach schon am Mittwoch, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Dienstagabend der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Wall Street Journal" berichtete, Midea wolle gut 114 Euro je Aktie bieten. Das wäre ein Aufschlag von 35 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Kuka würde damit mit rund 4,4 Milliarden Euro bewertet. Das Augsburger Unternehmen betrachte die überraschende Offerte als Chance, in China zu expandieren, und nicht als feindliche Attacke, hieß es in Finanzkreisen.

Kuka wollte sich dazu nicht äußern, Midea war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Kuka -Aktie schoss am Dienstag im nachbörslichen Handel um zwölf Prozent nach oben auf 97 Euro. Insidern zufolge waren Midea-Vertreter über das Wochenende bei Kuka vorstellig geworden und hatten für ihren Plan zur Aufstockung des Anteils geworben. Die Chinesen waren im August zunächst mit fünf Prozent bei Kuka eingestiegen und Anfang Februar mit 10,2 Prozent zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. Schon damals hatte Midea angekündigt, den Anteil weiter aufstocken zu wollen und einen Platz im Kuka-Aufsichtsrat zu beanspruchen. Chinesische Konzerne haben es zuletzt verstärkt auf deutsche Technologie abgesehen. Ein besonderes Augenmerk haben sie dabei auf den Maschinenbau und Umwelttechnik gerichtet.

Kuka-Vorstandschef Till Reuter hatte im Frühjahr Gespräche über eine Zusammenarbeit mit den Chinesen bestätigt. So könnten die 100 Logistikzentren von Midea mit Kuka-Robotern stärker automatisiert werden. China spielt eine wichtige Rolle beim Plan von Kuka, den Umsatz bis 2020 auf 4,0 bis 4,5 (2015: 2,97) Milliarden Euro zu schrauben. Allein im Reich der Mitte will Reuter eine Milliarde Euro umsetzen.

Dem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge strebt Midea eine Beteiligung an Kuka von mehr als 30 Prozent an, habe es aber nicht unbedingt auf eine Mehrheit abgesehen. Größter Kuka-Aktionär ist bisher mit 25,1 Prozent der schwäbische Anlagenbauer Voith. Er war bei Kuka eingestiegen, um dem Automatisierungstrend "Industrie 4.0" stärker Rechnung zu tragen. Das Familienunternehmen gilt aber als zu kapitalschwach, um sich eine Komplett-Übernahme leisten zu können. Der Verkauf des Industrieservice-Geschäfts an den Finanzinvestor Triton spült allerdings knapp 300 Millionen Euro in die Voith-Kassen.. Wie verkaufswillig der mit zehn Prozent an Kuka beteiligte hessische Unternehmer Friedhelm Loh wäre, ist offen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Westeuropas Automarkt stürzt auf 30-Jahres-Tief

Dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge wird auch 2021 ein rabenschwarzes Jahr für Europas Autobranche.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verfassungsrechtler und Banker warnen: Green Deal der EU nur mit Ökodiktatur möglich

Ein Ex-Bundesverfassungsrichter warnt davor, dass Deutschland und Europa in eine „Öko-Diktatur“ abgleiten könnte. Doch auch Analysten...

DWN
Politik
Politik Merkel stellt Verbindung zwischen Pandemie und Umweltschutz her – drohen uns nun Klimabeschränkungen?

Angela Merkel zufolge erhöht die Zerstörung der Natur die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern wie das Corona-Virus. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Opposition: Bundesregierung will Mitsprache des Bundestags bei Corona in speziellem Gremium „versenken“

Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisieren Pläne der Bundesregierung zur Bildung eines speziellen Gremiums.

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Finanzen
Finanzen Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe...

DWN
Finanzen
Finanzen City of London fürchtet Abzug des billionenschweren Derivategeschäfts in die EU

In der City of London liegen die Nerven blank. Den Verlust kleinerer Märkte an den Kontinent nahm man noch hin, nun droht mit einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz Brexit: RWE bringt in Großbritannien Schlüsselprojekt für Windenergie voran

Viele deutsche Industrieunternehmen stehen zwar wegen des Brexits unter Druck. Doch nicht so der Energiekonzern RWE, für den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wird die OPEC+ die Ölproduktion erhöhen?

Es gibt einige Hinweise darauf, dass die OPEC+ am Donnerstag die Ölproduktion ankurbeln wird. Russland unterstützt dieses Vorhaben,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Held von Hanoi: Mann rettet Mädchen nach Sturz aus dem 12. Stockwerk

Vietnam feiert einen Lastwagenfahrer, der einem aus einem Hochhaus stürzenden Kind das Leben gerettet hat.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker - Vorbild Israel: EU arbeitet an „Grünem Pass“ für Geimpfte

Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz zur Einführung eines „Grünen Passes“, der geimpften Bürgern offenbar Vorteile gegenüber...