Politik

CDU-Politiker: „Heilfroh“ dass Deutsche ihren Bundespräsidenten nicht direkt wählen

Lesezeit: 1 min
22.05.2016 16:17
Bundestagspräsident Lammert sagt, er sei „heilfroh“, dass der deutsche Bundespräsident nicht direkt vom Volk gewählt werde. Hintergrund ist der Zweikampf eines Grünen und eines FPÖ-Mannes in Österreich. Eine Umfrage zeigt allerdings, dass ein Grüner in Deutschland einen Erdrutschsieg gegen einen AfD-Kandidaten erringen würde.
CDU-Politiker: „Heilfroh“ dass Deutsche ihren Bundespräsidenten nicht direkt wählen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte im Deutschlandfunk, er fühle sich auch nach den jüngsten Entwicklungen in Österreich sehr in seiner Zurückhaltung bestätigt, was die vermeintliche Überlegenheit plebiszitärer Wahlverfahren gegenüber repräsentativen Verfahren betreffe. «Oder mit anderen Worten: Ich bin heilfroh, dass wir in Deutschland den Bundespräsidenten in einer eigens zu diesem Zweck zusammengerufenen Bundesversammlung wählen und nicht in einer Direktwahl.»

Verständlich ist diese Sorge des CDU-Mannes vor den Wählern nicht: Nach einer Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» würden 60 Prozent der Bürger den Bundespräsidenten gern direkt vom Volk wählen lassen. Stünden wie in Österreich am Sonntag ein rechter Politiker und ein Grünen-Politiker zur Wahl, würden sich demnach 68 Prozent für den Grünen-Politiker und nur 15 für den AfD-Kandidaten entscheiden.

Norbert Lammert (CDU) stößt mit einem Vorstoß für eine Reform der Amtszeit des Bundespräsidenten auf Ablehnung. Er hatte vorgeschlagen, dass das deutsche eine Amtszeit von sieben Jahren ohne Möglichkeit der Wiederwahl bekommen soll. Aus Union und SPD hieß es jedoch, die gegenwärtige Regelung - fünf Jahre, eine Wiederwahl möglich - habe sich bewährt und sollte nicht geändert werden. Der nächste Bundespräsident wird im Februar kommenden Jahres gewählt. Amtsinhaber Joachim Gauck hat noch nicht erklärt, ob er weitere fünf Jahre Staatsoberhaupt bleiben will.

Lammert hatte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt: «Für das besondere Amt des Bundespräsidenten hielte ich persönlich eine einmalige Amtsperiode von sieben Jahren für angemessen.» Begründung: «Eine solche Regelung würde für den gewählten Präsidenten wie die Öffentlichkeit klare Verhältnisse schaffen, und würde dem jeweiligen Amtsinhaber Spekulationen um eine Wiederwahl und mögliche Rücksichten auf dafür erforderliche Mehrheiten ersparen.» Auf die Frage, ob er sich wünsche, dass Gauck weitermache, sagte der CDU-Politiker: «Ja hoffentlich.»

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), sagte den Funke-Zeitungen, eine siebenjährige Amtszeit würde sich an einer Präsidialdemokratie wie in Frankreich und den USA orientieren. Diese gehe jedoch von einer anderen Stellung des Präsidenten als in Deutschland aus. «Die Präsidenten dort werden direkt gewählt und haben weitergehende Befugnisse. Der Bundespräsident soll aber kein Ersatzkanzler werden, und folglich ist das aktuelle Wahlverfahren durchaus praktikabel und angemessen.»

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Wird der Lockdown bis Ende März 2022 andauern? Und was wusste Schäuble?

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte im April 2020 den Lockdown scharf kritisiert. Er sagte, dass man nicht alles über zwei Jahre...

DWN
Politik
Politik WHO lehnt Impfpässe ab: „Corona-Pandemie ist in 10 Monaten vorbei“

Die WHO hat sich gegen die Einführung von Impfpässen ausgesprochen. Diese seien nicht zielführend, zudem sei die Pandemie bald vorbei....

DWN
Politik
Politik „Nie dagewesene Nachfrage“: Corona-Pandemie beflügelt Pharma-Riesen Merck

Eine hohe Nachfrage nach seinen Produkten in der Corona-Pandemie gibt Merck Rückenwind.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin in Gefahr: Es drohen Hackerangriffe, Preisverfall und das endgültige Verbot

DWN-Finanzexperte Andreas Kubin analysiert die Zukunft des Bitcoin.

DWN
Finanzen
Finanzen Finanz-Skandal zieht Kreise: Stadt Osnabrück hat Millionen bei Pleite-Bank Greensill

Die niedersächsische Stadt Osnabrück hat nach eigenen Angaben 14 Millionen Euro bei der behördlich geschlossenen Greensill Bank. Wie...

DWN
Politik
Politik Wagenknecht: Daimler sparte 700 Millionen Euro durch Kurzarbeitergeld, schüttet 1,4 Milliarden Euro an Dividende aus

Die Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht kritisiert, dass während der Pandemie Großkonzerne vom Staat massiv unterstützt werden, während...

DWN
Politik
Politik Gutachten: Berliner Senat muss Pädophilen-Netzwerk offenlegen

Über Jahrzehnte haben die Berliner Jugendämter Kinder an Pädophile vermittelt. Aus einem Gutachten geht hervor, dass es in Berlin ein...

DWN
Politik
Politik DWN-EXKLUSIV - Marine-Manöver im Mittelmeer: Türkei bereitet sich auf möglichen Krieg vor

Die Türkei führt im Mittelmeer und in der Ägäis aktuell ein groß angelegtes Marinemanöver durch. Das Land bereitet sich auf einen...