Politik

Steinmeier drängt auf mehr gemeinsame Rüstungsprojekte in Europa

Bei seinem Besuch in Lettland hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für mehr Zusammenarbeit in der europäischen Rüstungsproduktion geworben. Gemeinsam mit dem lettischen Präsidenten Edgars Rinkēvičs betonte er die Bedeutung gemeinsamer Verteidigungsanstrengungen angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland. Der Besuch unterstreicht die sicherheitspolitische Bedeutung des baltischen Raums für Deutschland und Europa.
08.07.2025 17:30
Aktualisiert: 08.07.2025 18:00
Lesezeit: 2 min
Steinmeier drängt auf mehr gemeinsame Rüstungsprojekte in Europa
Bundespräsident Steinmeier ruft in Lettland zu gemeinsamer Rüstungsproduktion in Europa auf (Foto: dpa). Foto: Dirk Waem

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der Bedrohung durch Russland eine engere Zusammenarbeit Europas bei der Rüstungsproduktion und -beschaffung verlangt. „Wir müssen mehr in die Verteidigungsindustrie investieren“, sagte er bei einer Pressekonferenz mit dem lettischen Staatspräsidenten Edgars Rinkevics in Riga.

„Wir brauchen eine noch viel engere, noch viel bessere Zusammenarbeit bei der Produktion und auch bei der Beschaffung in Europa, um militärische Fähigkeitslücken, die es gibt, zu schließen.“ Man habe im Laufe des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gemerkt, dass mehr Kapazitäten notwendig seien – „mehr Kapazitäten auch in unseren Nachbarstaaten, auch hier im Baltikum“. An einem Mittagessen beider Präsidenten mit ihren Delegationen nahmen anschließend auch Vertreter deutscher Rüstungskonzerne teil.

Rinkevics betonte in der Pressekonferenz, sein Land suche nach Möglichkeiten, Produktionsstätten für Rüstungsgüter und auch Munition aufzubauen. „Das ist ein ernsthaftes Thema.“

Lettland sieht Deutschland als wichtigen Verbündeten

Der lettische Präsident dankte seinem deutschen Kollegen für die Stärkung der Sicherheit Lettlands. „Lettland sieht Deutschland als wichtigen Nato-Verbündeten zur Sicherung der Ostsee-Sicherheit und als Partner in der EU.“ Rinkevics wies unter anderem auf die Stationierung einer deutschen Panzerbrigade im Nachbarland Litauen hin, die auch die Sicherheit Lettlands erhöhen werde. Die bilateralen Beziehungen seien „wirklich hervorragend“.

Präsidenten besuchen Korvette „Braunschweig“

Beide Präsidenten besuchten die Korvette „Braunschweig“ der Deutschen Marine, die gerade in direkter Nähe zum Präsidentenpalast in Riga festgemacht hat. Das Kriegsschiff nimmt an der Nato-Mission „Baltic Sentry“ teil, die zu mehr Sicherheit im Ostseeraum führen soll. Zu seinen Aufgaben gehört es, ein Lagebild über den Schiffsverkehr und mögliche Gefahren für kritische Infrastruktur wie Datenkabel, Pipelines oder Windkraftparks auf See zu erstellen.

Auslöser war die Beschädigung mehrerer Seekabel durch Schiffe, die Russland zugerechnet wird. Ihnen gegenüber sollen die Nato-Schiffe einschließlich der deutschen Korvette eine erhöhte Präsenz zeigen.

Steinmeier: Deutsche Marine in der Ostsee nicht nur Symbolik

Steinmeier betonte, beim Einsatz der Korvette „Braunschweig“ in der Ostsee handele es sich um weit mehr als Symbolik. Sein lettischer Kollege habe ihm berichtet, dass „die auffälligen Ereignisse signifikant zurückgegangen sind“, seitdem die Nato-Schiffe die Unterwasser-Infrastruktur überwachten. „Das ist genau das, was wir wollten, und das ist nicht nur Symbolpolitik.“

Es sei wichtig, dass Deutschland auch bei diesen Aufgaben Verantwortung übernehme, betonte Steinmeier. Die Korvette sei nur ein Beispiel für das wachsende deutsche Engagement zum Schutz der Nato-Ostflanke.

Lettischer Präsident begrüßt größere Rolle Deutschlands

Rinkevics hatte es schon vor der Ankunft Steinmeiers als angemessen und richtig bezeichnet, dass Deutschland angesichts der geopolitischen Konfrontation mit Russland mehr Verantwortung in EU und Nato übernehmen will. „Deutschland ist eine europäische Großmacht und wirtschaftliches Zentrum. Daher ist es folgerichtig, dass Deutschland eine größere Rolle in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik übernimmt. Das ist zu begrüßen“, sagte Rinkevics der Deutschen Presse-Agentur in Riga.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 41: Die Woche im Rückblick – KW 36
04.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie: Milliardenübernahme von Hugging Face stärkt KI-Geschäft
04.09.2026

Die Nvidia-Aktie rückt nach der Übernahme von Hugging Face erneut in den Fokus. Der Chiphersteller kauft die führende...

DWN
Politik
Politik Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt und stürzt Koalition in Krise
04.09.2026

Der Streit im BSW eskaliert: In Thüringen wollen weitere Abgeordnete die regierungstragende Fraktion und die Partei verlassen. Unter ihnen...

DWN
Technologie
Technologie Elektroschrott: Milliardenwerte bleiben in Europas Schubladen liegen
04.09.2026

In alten Smartphones, Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik stecken Rohstoffe im Wert von mehr als 65 Milliarden Euro. Eine neue...

DWN
Technologie
Technologie IFA: KI und Roboter rücken in den Mittelpunkt
04.09.2026

Die IFA in Berlin ist für das Publikum geöffnet. Mehr als 1.900 Aussteller zeigen neue Elektronikprodukte, smarte Küchentechnik,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundeshaushalt: Rechnungshof warnt vor Schuldenfalle
04.09.2026

Der Bundestag startet nach der Sommerpause direkt mit den Haushaltsberatungen. Der Bundesrechnungshof warnt die schwarz-rote Koalition vor...