Vertrauensverlust: Nicht nur die Deutsche Bank wankt

 

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27.09.2016 01:10
Die Deutsche Bank ist aber beileibe nicht die einzige, sondern nur eine gut sichtbare exponierte Bank in Schwierigkeiten. Am Markt sind Anzeichen eines aufziehenden Vertrauensverlusts zu erkennen. Die Credit Default Swap Spreads weiten sich wieder aus.
Vertrauensverlust: Nicht nur die Deutsche Bank wankt
Systemische Risikobeziehungen unter den global systemrelevanten Banken (Grafik: Internationaler Währungsfonds)

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Der Aktienmarkt eskomptiert seit über einem Jahr eine rapide, ja dramatische Verschlechterung der Gewinn- und Eigenkapitalaussichten der Deutschen Bank. Die Aktie ist im freien Fall. Hiobsbotschaften häufen sich. Die Deutsche Bank ist aber beileibe nicht die einzige, sondern nur eine gut sichtbare exponierte Bank in Schwierigkeiten. Am Markt sind Anzeichen eines aufziehenden Vertrauensverlusts vorhanden. Die Credit Default Swap Spreads weiten sich wieder aus. Dennoch geben sich die deutsche Politik und das Bank-Management nach Außen hin entspannt – eine gefährliche und unangemessene Attitüde.

Auszugehen ist zunächst davon, dass die neuen Verantwortlichen der Deutschen Bank wie die nationalen und internationalen Aufseher inzwischen genau wissen, in welcher Lage das Institut sich wirklich befindet. Alles andere wäre verantwortungslos. Der Internationale Währungsfonds ist diesen Sommer in erstaunlich offener Weise vorgeprellt und hat das Institut als anscheinend grössten Netto-Beiträger zu systemischem Risiko unter den global systemrelevanten Banken charakterisiert. Viel deutlicher kann man nicht warnen, ohne grob unhöflich zu werden.

Die Bank ist seit Jahren drastisch unterkapitalisiert. Sie ist, gemessen an der Bilanzsumme, eine der grössten Banken der Welt. Sie fährt überdies ein gigantisches Ausserbilanzgeschäft, das zweitgrösste nach JP Morgan. Sie vereint ungefähr 10% des global ausstehenden Derivatevolumens auf sich. Dennoch ist ihr Eigenkapital gerade mal ein Bruchteil desjenigen der amerikanischen Grossbanken. Sie ist von Tausenden von Rechtsfällen, Prozessen und gewaltigem Reputationsverlust angeschlagen. Was ihr überdies wie vielen anderen Banken schadet, ist die Negativ- und Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Damit vermiest die EZB den Banken die Zinsmarge. Sie operiert in Märkten mit Überkapazität, so dass die Erträge auch deswegen wegbrechen. Eine neue Strategie der neuen Bankleitung ist für Aussenstehende nicht ohne weiteres erkennbar. Keine Mission, keine Strategie, kein klar refokussiertes Business Modell, sondern primär Krisenmanagement auf Tagesbasis.

Unterkapitalisierung, Ertrags- und Perspektivlosigkeit sind angesichts der systemischen Bedeutung der Grossbank nicht alleine Sache der Aktionäre oder des Managements. Die Bank steht sowohl im deutschen wie im globalen Kontext geradezu im Mittelpunkt eines fein tarierten Spinnennetzes von Beziehungen, die sie systemrelevant machen. Der Internationale Währungsfonds hat sie in seinem Financial System Stability Assessement vom Juni 2016 folgendermassen graphisch dargestellt:

Der Bericht schreibt hierzu: Im Inland sind die grössten deutschen Banken und Versicherungs-Gesellschaften hoch verbunden. Die stärksten Verknüpfungen bestehen zwischen Allianz, Münchner Rück, Hannover Rück, Deutscher Bank, Commerzbank und Aareal Bank. Die Allianz trägt im Inland den grössten Nettobeitrag zu Systemrisiko bei. Sowohl Deutsche Bank wie Commerzbank sind Quellen von Übertragungseffekten nach Aussen zum Rest des deutschen Finanzsektors.

Im internationalen Kontext sind deutschen Banken zusammen mit solchen aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA die wichtigsten Überträger potentieller Schocks nach Außen. Die Deutsche Bank leistet dabei vor der HSBC und der Credit Suisse den grössten Beitrag zum globalen Systemrisiko.

Die Deutsche Bank steht dabei im Mittelpunkt eines ganzen Geflechts. Sie stellt für eine ganze Reihe großer europäischer Banken sowie abgeschwächt für einige amerikanische Großbanken ein bedeutendes Risiko dar (Grafik am Anfang des Artikels).

Angesichts dieser überragenden Rolle der Deutschen Bank erstaunt die öffentlich vorgetragene Gelassenheit von Politik und Management. Selbstverständlich muss die Bank rasch und massiv ihr Eigenkapital vergrössern. Im gegenwärtigen Umfeld dürfte dies schwerfallen. Erweist sich dies als nicht möglich, wäre der Fall für eine Rekapitalisierung mit öffentlichen Geldern gegeben. Die bisherigen Aktionäre gehören enteignet, hingegen sollte auf den ganzen Bail-in von Obligationären und Depositären tunlichst verzichtet werden. Bei einer Derivatebank sind Staatsanleihen neben Cash die wichtigste Form von Sicherheiten bei Ausgleichszahlungen im Settlement. Ein Bail-in könnte einen Crash des Obligationenmarktes auslösen.

Genau wie bei Volkswagen haben es Regierung und Aufsicht jahrelang versäumt, dem Treiben durch Überwachung, Kontrolle und Einschreiten frühzeitig ein Ende zu setzen. Von daher könnte, auch wenn es einen erheblichen Gesichtsverlust im Wahljahr bedeutet, eben eine Verstaatlichung unabdingbar werden. Es darf zu keiner Zeit geringste Zweifel an der Solidität einer so extrem wichtigen Bank geben. Längerfristig könnte eine Verstaatlichung nach einer Sanierung und grundlegenden Restrukturierung auch ohne oder ohne große Verluste für den Staat abgehen.

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