Österreich: Osteuropa-Engagement gefährdet Kreditwürdigkeit

 

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23.08.2012 00:30
Österreichs Banken sind zu einseitig aufgestellt: Ihre Geschäfte konzentrieren sich auf Osteuropa und periphere Eurostaaten. Dies könnte Österreich sein letztes Triple-A bei der Ratingagentur Fitch kosten.
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Österreichs Kreditwürdigkeit wird vom Engagement auf zwei europäischen Märkten massiv bedroht. Auf der einen Seite ist das Engagement der österreichischen Banken in den osteuropäischen Ländern eine Gefahr für das Rating der Republik.

„Die größte Sorge in Bezug auf den österreichische Finanzsektor ist sein Engagement in Zentral-, Ost-und Südosteuropa (CESEE). Da viele der CESEE-Länder große Auslandsschulden angehäuft haben, die in der Regel über einen ausländischen Bankensektor aufgenommen werden, ist die Finanzierung von lokalen Tochtergesellschaften eine wesentlicher Schwachpunkt. Dies wird auch für eine lange Zeit so bleiben, weil die inländische Anpassung ein langsamer, schleichender Prozess ist“, schreibt die Ratingagentur Fitch in einem Bericht über die Österreichische Bonität. Dies zeigt, dass die Probleme der österreichischen Banken in Ost- und Südosteuropa noch lange nicht beseitigt sind, wie es die Banken selbst gerne darstellen.

Die Einschätzung der österreichischen Bankrisiken könnte schon bald Folgen haben. Denn Fitch ist die letzte Rating-Agentur die Österreich mit einem Triple-A bewertet. Im Januar und Februar hatten Standard & Poor's sowie Moody's Österreich herabgestuft.

Die Belastungen durch Osteuropageschäfte machen Fitch zufolge etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus: Insgesamt müssen die Banken dort 110 Milliarden Euro auslegen. 50 Milliarden Euro davon entfallen auf Kredite für Unternehmen und Privatkunden. Für die Finanzierung von Tochterunternehmen fallen 44 Milliarden Euro an. Und weitere 18 Milliarden Euro müssen an Eigenkapital für die Niederlassungen in Osteuropa bereitgestellt werden.

Zu den gefährdeten Kreditgeschäften in osteuropäischen Ländern kommt die wirtschaftliche Abhängigkeit vom angeschlagenen Italien. Manche Beobachter halten diese sogar für schädlicher als die Osteuropageschäfte der Banken: „Die Auslagen im aufstrebenden Europa sind höher aber die Auswirkungen der Eurozone könnten ernster sein. Österreich ist beispielsweise stark mit Italien verbunden. Betrachtet man die Größe Italiens, wäre ein Ausfall wie ihn Griechenland gezeigt hat verheerend“, sagte Jennifer McKeown, Ökonomin beim Beratungsunternehmen Capital Economics dem US-Fernsehsender CNBC.

Dazu kommt, dass die Bankengeschäfte wenig diversifiziert sind. Sie konzentrieren sich auf Osteuropa. In stabilen Euroländern wie Deutschland oder den Niederlanden sind die österreichischen Banken kaum tätig. Dies würde in der aktuellen Situation allerdings Entspannung bedeuten, weil die Kernstaaten als deutlich stabiler gelten.

Der einzige Grund, warum Österreich bei Fitch seine Top-Bonität noch erhalten konnte, ist dass die Ratingagentur davon ausgeht, dass sich die Wirtschaften in Osteuropa weitgehend stabilisiert haben. Daher erwartet Fitch vorerst keine zusätzlichen Belastungen für den Staat Österreich. Doch dies kann sich ebenso schnell ändern.


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