Finanzen

60 Milliarden Euro fehlen: Bank of England warnt vor neuer Bankenkrise

Die Bank of England stuft die Lage Banken Großbritanniens kritisch ein. Das Vertrauen der Investoren befinde sich auf einem Tiefpunkt, die Geschäftsbanken können nicht genügend Kapital anziehen. Eine neue Bankenkrise droht - mit Folgen für die ganze Weltwirtschaft.
29.11.2012 22:15
Lesezeit: 1 min

Britische Banken haben aufgrund ihrer äußerst optimistischen Einstellung zu Finanzrisiken nicht genug Rücklagen gegen künftige Gefahren auf dem Finanzmarkt gebildet, teilte die britische Zentralbank Bank of England (BoE) mit. Den Banken könnten wegen fauler Kredite oder Schrottpapieren bis zu 60 Milliarden Euro fehlen. So forderte die BoE, die im kommenden Jahr die Bankenregulierung in Großbritannien leiten wird, von der derzeitigen Aufsicht eine Überprüfung des Bankenkapitals. Die wahre Kapitalausstattung der Banken sei wahrscheinlich viel schlechter als die „gesunden“ offiziellen Zahlen implizieren, so die britische Notenbank.

„Die Banken ziehen nur langsam Kapital an und das Vertrauen der Investoren bleibt gering“, schreibt die BoE in einem Bericht. Die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FPC) warnt schon seit längerem vor diesen Risiken. Die Banken könnten höhere Verluste aus der Kreditvergabe einfahren als sie an Provisionen dafür kassieren. Außerdem hätten sie das Ausmaß an Strafen für früheres Fehlverhalten unterschätzt. Externen Analysten zufolge könnten sich die Kosten dafür auf vier bis zehn Milliarden Pfund belaufen.

Auch das System, mit dem die Banken die Risiken bewerten, sei komplex und undurchsichtig. Das verunsichere die Investoren, fügte die BoE hinzu. Die Zentralbank zeigt sich besorgt, dass Banken weiterhin britischen Unternehmen und Haushalten Kredite leihen, während sich die Wirtschaft des Landes nur schleppend entwickelt. „Die Finanzmarktaufsichtsbehörde  muss sicherstellen, dass Unternehmen entweder selbst Kapital anziehen oder ihre Firmen restrukturieren”, heißt es in dem Bericht. Ansonsten kann es dazu kommen, dass sich Zombie-Unternehmen herausbilden, die ohne die Banken nicht mehr überleben können (mehr hier).

Unterdessen fürchtet der Vize-Gouverneur der BoE, Charlie Bean, um die Stabilität der Eurozone: „Europa bleibt das größte Risiko für Großbritannien. Es besteht immer die Möglichkeit, dass sich die Eurozone ungeordnet auflöst“, so Bean. Am Dienstag ernannte die BoE den ehemaligen Goldman Sachs-Banker Mark Carney zum neuen Gouverneur der Bank (hier).

Weitere Themen:

EU-Gericht: EZB-Deal mit Goldman und Athen muss geheim bleiben

Barroso will EU-Bundesstaat schon im kommenden Jahr schaffen

Börsen-Chaos in Stockholm wegen Monster-Order

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Technologie
Technologie Europas Energie aus dem All: Die Sonne könnte 80 Prozent liefern
30.08.2025

Forscher sehen eine radikale Lösung für Europas Energiekrise: Solarkraftwerke im All sollen bis 2050 vier Fünftel des Bedarfs decken –...

DWN
Technologie
Technologie Retro-Revival: Warum die Kassette ein Comeback erlebt
30.08.2025

Retro ist wieder in – und die Musikkassette steht dabei im Mittelpunkt. Einst totgeglaubt, erlebt sie heute ein überraschendes Comeback....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu viele Tools, zu wenig Schutz: Wie Unternehmen ihre Cyberabwehr selbst sabotieren
30.08.2025

Je mehr Sicherheitslösungen, desto sicherer? Das Gegenteil ist der Fall: Tool-Wildwuchs, inkompatible Systeme und überforderte Teams...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland rüstet auf: Digitale Waagen gegen Brummi-Sünder
30.08.2025

Überladene Lkw ruinieren Straßen und bedrohen die Sicherheit. Deutschland setzt jetzt auf digitale Hightech-Waagen – und erklärt den...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungslos trotz Job: Wohnungsnot betrifft in Deutschland zunehmend Erwerbstätige
29.08.2025

Die Wohnungslosenzahlen steigen in Deutschland rasant: 474.700 Menschen gelten aktuell als wohnungslos – das sind 8 Prozent mehr als...

DWN
Politik
Politik Friedensgespräche: Putin und Selenskyj – weshalb die Gegner nicht zusammenfinden
29.08.2025

Die Erwartungen an neue Friedensgespräche zwischen Putin und Selenskyj sind groß, doch Hindernisse bleiben massiv. Misstrauen,...

DWN
Finanzen
Finanzen BYD-Aktie bricht ein: Gewinnserie beim chinesischen E-Autobauer reißt – Preiskrieg belastet den Marktführer
29.08.2025

BYD legt Halbjahreszahlen vor – und überrascht mit einem Rekordumsatz, aber auch dem ersten Gewinneinbruch seit Jahren. Anleger fragen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Drohnen-Start-up aus Bayern: Donaustahl erhöht Tempo bei Produktion und Finanzierung
29.08.2025

Das Drohnen-Start-up Donaustahl hat seinen Umsatz 2024 verdoppelt und will ab 2026 in Bayern eigene Drohnenmotoren fertigen. Rückenwind...