Deutschland

Google TV: RTL will seine Programme für Internet-Riesen sperren

Lesezeit: 2 min
01.12.2012 01:08
Mit dem Empfangsgerät Google TV will das kalifornische Unternehmen endgültig in das Medien-Segment vorstoßen. Dies stößt jedoch bei manchen Fernsehsendern auf Widerstand: RTL sagt Nein, die ARD hält sich züchtig bedeckt.
Google TV: RTL will seine Programme für Internet-Riesen sperren

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Internetkonzern Google hat angekündigt, in das deutsche TV-Geschäft einzusteigen. Dabei sollen die Kunden mithilfe eines TV-Empfängers von Google auch in der Lage sein, die Medienplattform Google Play zu nutzen. Google TV fungiert dabei als Betriebssystem für Fernsehgeräte. Nutzer können es auf unterschiedliche Weise verwenden: So dient es zum Empfang konventioneller Fernsehsender und kann als Internet-Browser genutzt werden. Schließlich können auch Apps und Online-Computerspiele damit betrieben werden. „Google TV ist ein Betriebssystem, das sich weiterentwickelt", sagte die Google-Sprecherin, Mounira Latrache, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Neben Deutschland werden auch Frankreich und Großbritannien in den Genuss von Google TV kommen.

Allerdings sind die meisten TV-Geräte in Deutschland nicht mit dem neuen Format von Google kompatibel. Lediglich ein Sony-Fernseher spielt Google TV ab. „Wir planen mit weiteren TV-Herstellern zu kooperieren, um Google TV einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Konkrete Pläne stehen aber noch in den Sternen“, so Latrache. Ein entsprechendes Blue-Ray-Gerät von Sony, das mit der Google Software ausgestattet ist, soll Anfang nächsten Jahres auf die genannten Märkte kommen.

Das Empfangsgerät wird, wie ein Android Telefon, von verschiedenen Herstellern produziert, wobei die Software von Google bereitgestellt wird. Mit Google TV will der Internet-Gigant einen weiteren Milliarden-Markt für sich eröffnen. „Mit Google TV wollen wir Nutzern die Möglichkeit bieten, auf sämtliche Medieninhalte auf einmal zugreifen zu können. Unsere Technik ist dabei interaktiv und bietet mehr Inhalte“, so Latrache über die Absichten des Unternehmens. Laut Google gäbe es keine Einschränkungen beim Empfang konventioneller Fernsehkanäle.

Die RTL-Mediengruppe steht dem neuem Google-Angebot dagegen kritisch gegenüber und will seine Inhalte bei Google TV sperren: „Wir scheuen uns nicht vor Wettbewerb, haben aber bekanntlich etwas dagegen, dass Dritte versuchen, die von uns aufwendig erstellten Inhalte auf unsere Kosten zu kommerzialisieren, z.B. indem Sie diese mit eigenen Angeboten überblenden. Deshalb werden wir Google TV unsere Angebote nicht zur Verfügung stellen“, sagte ein Sprecher der Mediengruppe RTL den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

ProSieben Sat.1 sieht unterdessen keine Gefahr für konventionelle Fernsehsender. „Wir stehen dem Start dieser Nischen-Angebote völlig gelassen gegenüber. Im Markt der hybriden TV-Applikationen zählt nicht der technische Service sondern vor allem der Content selbst. Und wo Content King ist, ist alles andere zweitrangig“, sagt Marcus Prosch, Sprecher der ProSieben Sat.1 Medien AG. „Unsere anspruchsvollen -Zuschauer haben auf dem Smart TV den professionell gestalteten Zugang zu rund 50.000 hochqualitativen und legalen Filmen und Serien bei Maxdome und die ebenso professionell um das TV-Erlebnis gestalteten TV-Apps der Sender. Damit sind wir branchenfremden Technik-Unternehmen meilenweit voraus“, so Prosch weiter.

Die Mediengruppe verweist auch auf eine Studie über die steigende Digitalisierung und Sendervielfalt. So konzentrierten sich Fernsehzuschauer nach wie vor auf wenige Sender. Sie nutzen zu 80 Prozent gerade einmal sechs Kanäle, so das Ergebnis der „Relevant Set – Studie 2012“, die ProSieben Sat.1 veröffentlicht hat. Außerdem teilte die Mediengruppe Deutsche Wirtschafts Nachrichten mit, dass sie mit MyVideo einen eigenen Webbasierten Fernsehkanal betreibe.

Die ARD teilte mit, dass es sich bei Google TV um ein kostenpflichtiges Angebot handle. Weiter wollte der Sender Googles Einstieg in das deutsche Fernsehgeschäft nicht kommentieren.

Weitere Themen

Geheimplan: Yahoo und Facebook wollen Google-Suche angreifen

Umfrage: Jeder zweite Microsoft-Kunde will zu Apple wechseln

Marissa Mayer verläßt Google und wird CEO bei Yahoo

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Drei Brennpunkte bedrohen den Frieden: Schickt der Westen nur Berater - oder seine Armeen?

In seinem meinungsstarken Artikel analysiert DWN-Kolumnist Roland Barazon die weltweite Sicherheitslage.

DWN
Deutschland
Deutschland Gesetzes-Verschärfung steht bevor: Regierung will deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen - Bundestag dürfte zustimmen

Die Bundesregierung will mittel einer Gesetzesverschärfung die Einspruchmöglichkeiten der Länder brechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken sprechen von "Verwahrentgelt": In Wahrheit handelt es sich um Strafzinsen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen berechnen ihren Kunden Strafzinsen.

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nord Stream 2: Deutschland gegen Polen, die Ukraine und das Baltikum

Im Streit um das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sind die Fronten verhärtet. Während Deutschland und Russland das Projekt fördern, werden...

DWN
Politik
Politik CDU-Kanzlerkandidatur: Merz kämpft jetzt für Laschet - und gegen Söder

Friedrich Merz hat den möglichen Kanzlerkandidaten Markus Söder (CSU) aufgefordert, doch erstmal die Landtagswahlen in Bayern zu...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dialog statt Sanktionen: Grundlagen einer klugen westlichen China-Politik

Die Sanktionen gegen China sind scheinheilig und wirkungslos. Warum verzichten USA und EU auf einen kritischen Diskurs?

DWN
Finanzen
Finanzen Billiges Gold animiert Bürger zu Rekordkäufen

Die Goldimporte eines Staates, dessen Bürger traditionell große Gold-Liebhaber sind, haben sich im März fast verfünffacht. Die...