Bank-Run in Italien: Bürger von Siena retten ihre Ersparnisse

 

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31.03.2013 03:01
Die Banca Monte dei Paschi di Siena muss einräumen, dass ihre Kunden Depots im Wert von mehreren Milliarden Euro aufgelöst haben. Die Italiener wollen damit einer Enteignung bei der ältesten Bank der Welt zuvorkommen.
Bank-Run in Italien: Bürger von Siena retten ihre Ersparnisse

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Die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) hat auf ihrer Website mitgeteilt, dass es in den vergangenen Monaten offenbar eine dramatische Flucht aus der Bank gegeben haben muss. In einem Statement teilte die Bank mit, dass die Derivaten-Skandale und der damit verbundene Verlust der Reputation zum Abzug von „einigen Milliarden aus den Depots“ der Bank geführt haben.

Bernardo Mingrone, CFO der MPS, hatte am Donnerstag die Lage noch verharmlost: Es habe einige Probleme gegeben, der Februar sei nicht so erfreulich gewesen, im März hätte es eine Erholung gegeben. Verräterisch: Mingrone wollte keine Aussage darüber treffen, wie viel Geld genau aus den Depots im ersten Quartal verschwunden ist. Dies ist vor allem für den März von Bedeutung: Offenbar haben die Italiener massiv auf die Ereignisse in Zypern reagiert und sich ihr Geld von der MPS geholt.

Der Fall der MPS zeigt beispielhaft, wie sich die europäischen Banken-Restrukturierung abspielen dürfte: Zunächst ist die Bank gemeinsam von den lokalen Politikern und den Investment-Banken in den Abgrund geritten worden (hier). Die italienische Finanzaufsicht hat unter der Federführung des heutigen EZB-Chefs Mario Draghi kläglich versagt (hier), bestreitet aber jede Verantwortung (hier). Der Goldman-Premier Mario Monti hat die Bank mit vier Milliarden aus Steuergeldern am Leben erhalten (hier).

Keine der Kapitalspritzen hat geholfen. Die MPS gilt immer noch als in ihrer Existenz gefährdet. Daher werden die Italiener besonders aufmerksam verfolgt haben, wie die normalen Bank-Guthaben in Zypern enteignet wurden (hier). Und sie werden noch aufmerksamer vernommen haben, dass zunächst der Euro-Gruppenführer Jereon Dijsselbloem (hier) und dann der niederländische EZB-Banker Klaas Knot (hier) bestätigt haben: Der Fall Zypern ist eine Blaupause für die europäischen Banken-Rettungen.

Die Kunden der MPS dürften schneller reagiert haben als andere Bankkunden. Möglicherweise waren für sie die erst vor kurzem aufgeflogenen Skandale ein Glücksfall: Sie wussten, dass mit ihrer Bank etwas nicht stimmt – auch wenn es sich um die älteste Bank der Welt handelt.

Die Kunden konnten sich ausrechnen, dass ihre Guthaben bei einer ausgewiesen schwachen Bank nicht besonders sicher sind. Und seit Zypern wissen sie: Im Crash-Fall wird jeder Bank-Kunde zur Kasse gebeten, wenn er mehr als 100.000 Euro auf der Bank liegen hat.

Für die meisten europäischen Bank-Kunden ist noch nicht klar, wie die Lage bei jenem Institut ist, dem sie ihr Geld anvertraut haben. Sie wären jedoch gut beraten, sich damit zu beschäftigen.

Sie sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass in Zeiten der schlummernden Derivaten-Bomben im Grunde jede Bank eine Bad-Bank ist.



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