Politik

Krise fordert Menschenleben: Folgen eines mörderischen Plans

Lesezeit: 2 min
04.08.2013 23:19
Die finanziellen Folgen für viele Bürger in den südeuropäischen Ländern haben dramatische Auswirkungen. So ist in Italien die Zahl der Selbstmorde im ersten Quartal dieses Jahres um 40 Prozent gestiegen. In Griechenland starb eine Lehrerin, nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass sie auf der Liste jener steht, die gekündigt werden müssen.
Krise fordert Menschenleben: Folgen eines mörderischen Plans

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Euro-Krise bringt viele Europäer in existentielle Probleme.

Nach Griechen, Iren, Spaniern und Portugiesen bekommen nun die Italiener zu spüren, wie schwierig die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist.

Zwar unterliegt Italien noch keinem Bailout-Programm, doch die Folgen der Rezession sind jetzt schon gravierend. 15 Millionen Italiener sind von akuter Armut bedroht (hier). Diese Situation hat dramatische Auswirkungen, wie der aktuelle Bericht Global Rights 2013 zeigt. Demnach hat ich die Selbstmordrate im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresquartal um 40 Prozent erhöht.

In Italien ist die Selbstmordrate vor allem bei Unternehmen von kleinen und mittleren Betrieben auffallend hoch. Viele Unternehmen sehen keinen Ausweg aus der Schuldenfalle und sind daher zum Äußersten entschlossen.

Bei fast der Hälfte der Selbstmorde wird die wirtschaftliche Situation als Grund angegeben, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Bericht. Der Verlust der Arbeit wurde in 28,1 Prozent der Fälle angegeben. In den vergangenen 15 Monaten begingen 121 Menschen in Italien Selbstmord – allein 32 davon in den ersten drei Monaten des Jahres 2013, so Sergio Segio, der für die Studie zuständige Analyst.

In Griechenland sind durch das Bailout-Programm ebenfalls sehr viele Bürger von Schicksalsschlägen betroffen. Erst jüngst winkte das Parlament die geforderte Massenentlassungen im Öffentlichen Dienst durch (hier). Wie hoch die Belastung ist, zeigt sich an der kürzlich verstorbenen Kleopatra Kapsahati. Sie war Lehrerin für Krankenpflege an der Technischen Hochschule von Tyrnavos in Larissa. Sie verstarb am 27 Juli.

Kleopatra Kapsahati hatte kurz zuvor gebeten, aus dem Mobilitäts-Programm ausgenommen zu werden. Das Mobilitäts-Programm hätte bedeutet, neun Monate lang nur 75 Prozent des normalen Gehalts und im Anschluss daran die Kündigung zu erhalten. Ihre Bitte, nicht in das Programm gesteckt zu werden, wurde jedoch abgelehnt. Keeptalkinggreece.com, berichtet, dass die Lehrerin wenig später verstarb. Vor eineinhalb Jahre musste sie sich einer Bypass-Operation unterziehen. Kleopatra Kapsahate war eine von insgesamt 121 Lehrern der Technischen Hochschule, die in das Mobilitäts-Programm transferiert werden sollte.

Anfang Juli hatte sich ein griechischer Fernseh- und Theaterregisseur das Leben genommen. Er war 55 Jahre alt und es gelang ihm in den vergangenen Jahren nicht mehr, auch nur einen Vertrag an Land zu ziehen. Einen Tag zuvor erhängte sich eine 39-jährige Mutter von zwei Kindern. Eine weitere Frau, die sich mit Tabletten das Leben nehmen wollte, konnte am selben Tag noch im letzten Moment gerettet werden, so keeptalkinggreece.com. 2011 stieg die Selbstmordrate in Griechenland um 26,5 Prozent. 2010 hatte Griechenland Eurostat zufolge noch eine der niedrigste Selbstmordraten der EU: 2,9 Prozent

In Spanien verloren seit Beginn der Krise über 350.000 Bürger wegen nicht bezahlter Hypotheken ihr Zuhause. Viele begingen Selbstmord. Anfang März starb ein 50-Jähriger Mann in Bilbao, nachdem er aus dem vierten Stock seines Hauses gesprungen war. Seine Wohnung sollte wegen nicht bezahlter Miete zwangsgeräumt werden. In Spanien werden pro Tag 500 Immobilien zwangsgeräumt (mehr hier). Nach dem Selbstmord des Mannes setzte die Regierung die Zwangsräumungen aus.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..
download.macromedia.com] bgcolor="#FFFFFF">admin.brightcove.com"] />c.brightcove.com] />www.macromedia.com] />
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Immobilien
Immobilien Unesco-Sitzung in Neu-Delhi: Deutschland hofft auf Welterbe in Schwerin und Herrnhut
18.07.2024

Die Entscheidungen über neue Welterbetitel stehen an. Auch zwei deutsche Orte hoffen auf die Auszeichnung der Unesco.

DWN
Technologie
Technologie Automobil-Industrie: Mehr als jede zweite Firma plant Stellenabbau
18.07.2024

Der Umbruch in der deutschen Automobil-Industrie ist in vollem Schwange. Jetzt geht es allmählich an den Jobabbau in den deutschen...

DWN
Politik
Politik Bauern prangern Betrug mit Palmöl-Import für Biodiesel an
18.07.2024

Mit gutem Gewissen haben Autofahrer bei jedem Tanken mit einem im Benzinpreis enthaltenen Obolus Umweltprojekte im Ausland unterstützt....

DWN
Immobilien
Immobilien Baugenehmigungen brechen ein – Tiefstand bei Bauland-Käufen
18.07.2024

Die einen raten zum Kauf, die anderen sehen die Talsohle noch nicht erreicht. Jeden Tag schwappen neue Meldungen vom deutschen...

DWN
Politik
Politik Donald Trumps neuer Geschichtenerzähler: J.D. Vance gibt den reichen Hillbilly
18.07.2024

In seiner ersten Rede als Vize von Donald Trump betont J.D. Vance seine Herkunft und Wurzeln in der Arbeiterschicht - und greift damit auf...

DWN
Politik
Politik Wasserstoff-Zukunft in Deutschland bedroht: Strategische Mängel und Abhängigkeiten
18.07.2024

Die Energiewende setzt viel Hoffnung auf grünen Wasserstoff. Experten zufolge läuft es mit dem Ausbau der notwendigen...

DWN
Politik
Politik Rückzugforderungen und nun auch noch Corona - Joe Bidens Kampf im Rampenlicht
18.07.2024

Immer mehr Parteifreunde aus Reihen der US-Demokraten wenden sich von ihm ab. Jetzt auch der einflussreiche Kalifornier Adam Schiff....

DWN
Politik
Politik Deutsche Diplomatin Helga Schmid soll UN-Vollversammlung führen
18.07.2024

193 Länder kommen in der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York zusammen. Künftig soll eine Deutsche das Weltparlament...