Steuerverschwendung: EU verschenkt Websites an Unternehmen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
KMU  
EU  
Unternehmen  
Spanien  
Steuern  
Belgien  
 
Lesezeit: 2 min
18.10.2013 02:22
Die EU fördert die Einrichtung von Websites für Unternehmen aus Steuergeldern. Brüssel überweist jedem, der es will, satte 10.000 Euro für einen Internet-Auftritt. Auf dem freien Markt kostet eine Website zwischen 500 und 2.000 Euro. Mit minimalen Kenntnissen kann man eine Website sogar ohne Kosten errichten. Die Steuerverschwendung zeigt, wie wenig Ahnung die EU-Technokraten von der Wirklichkeit haben.
Steuerverschwendung: EU verschenkt Websites an Unternehmen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
KMU  
EU  
Unternehmen  
Spanien  
Steuern  
Belgien  

Die Europäische Kommission hat ein Gutscheinkonzept zur Förderung des Wachstums kleiner und kleinster regionaler Unternehmen vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung digitaler Technologien, die Finanzmittel sollen mittels Innovationsgutschein im Wert von 10.000 Euro ausgegeben werden. In einigen spanischen Regionen wurde das Gutscheinprogramm schon erprobt und habe sich bewährt, sagt die EU.

Das ist bemerkenswert: Auf dem freien Markt kostet eine normale Website, wenn sie gut ausgestattet ist, unter 500 Euro. Lässt man sich eine Website von einer Agentur bauen, kostet sie maximal 2.000 Euro. (für die Kommission zum Nachlesen - hier). Ist man einigermaßen bewandert, kann man sich jede Menge Freeware herunterlanden, etwa über Wordpress (hier).

Vermutlich hat die EU-Kommission jedoch eine andere Kalkulation: Entweder sie glaubt, man müsse 30 Kilo Kabel, 5 Kilo EU-Glühbirnen und einen kleinen atombombensicheren Raum kaufen, damit man im Internet gefunden wird.

Oder sie geht davon aus, dass man eine Website nur mit 10 Kilogramm Zigarren, 23 Litern Rotwein (portugiesisch) oder einem kalten Büffet für 40 Leute (Einweihungs-Party) bauen kann.

Selbst dann bleiben von den 10.000 Euro noch jede Menge übrig.

Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, sagt: „Kleine Unternehmen, die digitale Dienste nutzen, verzeichnen ein doppelt so schnelles Wachstum, exportieren doppelt so viel und schaffen doppelt so viele neue Arbeitsplätze. Was in Murcia und Extremadura in Spanien getan wird, sollte für alle möglich werden.“

In Deutschland konnten 93 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen mit aktiver Internetpräsenz innerhalb von drei Jahren zusätzliche Arbeitsplätze schaffen; bei den Unternehmen ohne Internetpräsenz waren es nur 50 Prozent. In den G-20-Ländern verzeichnen kleine Unternehmen, die an das Internet angebunden sind, um 22 Prozent höhere Umsatzzuwächse als Unternehmen, die das Internet nicht oder kaum nutzen, heißt es in eine Mitteilung der Europäischen Kommission.

Der EU-Kommissar für Regionalpolitik, Johannes Hahn, dazu: „Ein erleichterter Zugang zu digitalen Technologien ist eine der zahlreichen Möglichkeiten, wie Regionalpolitik dazu beitragen kann, dass kleine Unternehmen wettbewerbsfähiger werden.“ Die regionalen Programme würden es kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Gutscheine gegen Dienste wie Webseiten-Entwicklung, Schulungen zu elektronischem Geschäftsverkehr oder Lieferketten- und Kundenbeziehungsmanagement einzulösen.

Europäische Unternehmen führen IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) im Durchschnitt nur langsam ein: zwischen 2010 und 2012 stieg der Anteil der europäischen Unternehmen, die über eine Webseite verfügen, nur um 6 Prozent; auch der Zuwachs an Unternehmen, die begannen, Informationen auf elektronischem Wege mit anderen Unternehmen auszutauschen, lag ebenfalls bei nur 6 Prozent.

Für den Zeitraum 2007‑2013 sind für IKT-bezogene Strukturfondsinvestitionen Mittel in Höhe von 14,2 Milliarden Euro vorgesehen, wovon über drei Milliarden Euro den KMU für den Ausbau ihres elektronischen Geschäftsverkehrs und in der IKT direkt zufließen sollen. Gefördert wurden bislang mehr als 20.000 IKT-Projekte, allen voran in Spanien, Ungarn und Portugal.

Das ist alles löblich.

Doch warum muss das der europäische Steuerzahler berappen? Vor allem aber: Wie lange muss ein Malermeister arbeiten, bis er diese Kosten wieder eingespielt hat?

Fazit: Wir haben es mit einem eklatanten Fall von Steuer-Verschwendung zu tun. Der Grund für diese hanebüchenen Förderungen: Die EU-Technokraten können Papiere schreiben und Sitzungen abhalten. Sie haben jedoch keine Ahnung vom wirklichen Leben - und seinen Möglichkeiten.

Der beste Beweis dafür sind die Websites der EU: Sie sind der Inbegriff der Unübersichtlichkeit, überladen, unfreundlich für den Benutzer, schlechtes Design. Von den Inhalten nicht zu reden - man findet vor allem Propaganda.

Doch eines sich sie sicher gewesen: Teuer.

Und vom Steuerzahler finanziert.

Hinweis für Herman Van Rompuy: Auf dem freien Markt kostet der Betrieb einer Website 20 Euro.

Die EU-Websites dürften etwas darüber liegen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die neue Weltmacht: Der digital-finanzielle Komplex

Die Zeiten, in denen das Wirtschaftsleben des Westens vom militärisch-industriellen Komplex dominiert wurde, sind vorbei. Mit dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Großraumbüro ist out – und der Hype um die Heimarbeit entpuppt sich als Falle

Im Zuge der Corona-Krise findet ein fundamentaler Wandel in der Arbeitsorganisation nahezu aller Unternehmen statt. Doch die Fokussierung...

DWN
Finanzen
Finanzen USA im Schuldenrausch: Neuschulden werden drastisch angehoben

Das US-Finanzministerium wird im laufenden Quartal deutlich mehr Neuschulden am Anleihemarkt aufnehmen, als ursprünglich geplant....

DWN
Politik
Politik Corona-Krise: Hunderte Belgier verklagen Bill Gates und Regierung

240 Belgier haben eine Klage gegen Bill Gates, die belgische Regierung und einen Epidemiologen eingereicht. Ihr Anwalt argumentiert, dass...

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman droht Merkel im Streit um Nord Stream 2

Der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman kritisiert in einem Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten den Umgang der...

DWN
Finanzen
Finanzen Russland und China bilden kein Militär- oder Handelsbündnis, sondern eine Finanzallianz

Viele hatten erwartet, dass Russland und China im geopolitischen Streit mit den USA ein Militärbündnis oder ein Handelsbündnis bilden...

DWN
Politik
Politik Machtvolle Symbolik: US-Sanktionsdrohung trifft direkt Merkels Wahlkreis

Die Sanktionsdrohung aus den USA gegen den deutschen Ostseehafen Sassnitz-Mukran wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 hat einen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter sollen künftig aufgebrachte Kunden beruhigen

Viele Kunden benehmen sich beim Kontakt mit den Unternehmen alles andere als höflich, wenn sie nicht sofort bedient werden. Eine KI soll...

DWN
Deutschland
Deutschland Pandemie schiebt Logistikmarkt für E-Commerce nach vorne

Viele Branchen werden durch die Corona-Krise erschüttert. Es gibt nur ein paar, die sogar davon profitieren. Dazu gehört der E-Commerce.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Explosion im Hafen von Beirut ist ein Schlag gegen Chinas Seidenstraße

Der Hafen von Beirut sollte aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle beim Aufbau der Neuen Seidenstraße und beim Handel mit Europa...

DWN
Deutschland
Deutschland Nordstream 2: US-Senatoren bedrohen Fährhafen Sassnitz in Mecklenburg-Vorpommern

Mehrere US-Senatoren drohen der Stadt Sassnitz mit schweren Sanktionen, falls sie weiterhin als Drehkreuz für das Pipeline-Projekt...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiche wollen denkmalgeschützte Nazi-Bauten in Luxus-Oasen umbauen

In einem Hamburger Villenviertel wurde ein denkmalgeschützter NS-Bau zur Luxus-Wohnanlage umgebaut. Dafür gibt es Kritik von Experten....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktien der Schweizer Notenbank springen auf Rekord-Stand

Die Schweizer Notenbank hat im zweiten Quartal weiter US-Aktien gekauft und hält nun einen Rekordwert von 118,3 Milliarden Dollar....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Exporte ziehen an: Hoffnung auf Schub für Weltwirtschaft

Die Exporte Chinas sind zu Beginn des zweiten Halbjahres überraschend gestiegen und nähren Hoffnungen auf eine Belebung der...

celtra_fin_Interscroller