Finanzen

Manipulations-Verdacht: Deutsche Bank beurlaubt Mitarbeiter

Nach internen Untersuchungen suspendiert die Deutsche Bank mehrere Devisenhändler. Die Mitarbeiter stehen in Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank hatte ihren Händlern im vergangenen Jahr den Austausch elektronischer Nachrichten mit Mitarbeitern anderer Banken verboten.
15.01.2014 15:48
Lesezeit: 2 min

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Die weltweite Affäre um die Manipulation von Devisenkursen holt die Deutsche Bank nun doch ein. Nach einer internen Untersuchung sind einem Insider zufolge mehrere Händler in New York und womöglich auch anderswo auf dem amerikanischen Kontinent vom Dienst suspendiert worden. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank habe die „Kommunikation über eine Reihe von Währungen“ untersucht, sagte die mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die Welt berichtete, die Bank habe vorsorglich einen Händler beurlaubt, der mit dem argentinischen Peso gehandelt habe. Noch sei aber unklar, ob sich der Mann tatsächlich etwas habe zuschulden kommen lassen.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu Einzelfällen äußern. Sie gehört zu den größten Devisenhändlern der Welt. Der Markt ist riesig. Pro Tag werden weltweit Währungen im Wert von mehr als fünf Billionen Dollar umgesetzt. Eine Sprecherin bestätigte nur, dass die Bank Anfragen von Aufsichtsbehörden erhalten habe, die den Devisenhandel unter die Lupe nehmen. „Die Bank unterstützt diese Untersuchungen und wird in begründeten Fällen disziplinarische Maßnahmen gegen einzelne Mitarbeiter ergreifen“, sagte sie.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin gab sich zugeknöpft: Man habe das Thema seit dem Sommer im Blick und untersuche den Sachverhalt zusammen mit ausländischen Aufsichtsbehörden. „Zum Stand der Untersuchungen oder möglichen Maßnahmen gegenüber einzelnen Instituten kann sich die BaFin nicht äußern“, sagte ein Sprecher. Der oberste BaFin-Bankenaufseher Raimund Röseler, hatte noch im Dezember gesagt, es gebe keine Anhaltspunkte, dass Händler einer deutschen Bank in Manipulationen verwickelt seien. Das hat sich offenbar geändert. Der Welt zufolge wurden bei dem Peso-Händler verdächtige Emails gefunden, die auf Manipulationsversuche hindeuten könnten.

Aus Angst vor einem weiteren Manipulations-Skandal hatte die Bank ihren Händlern im vergangenen Jahr den Austausch elektronischer Nachrichten mit Mitarbeitern anderer Banken verboten. Über solche „Chatrooms“ werden Milliardensummen bewegt.

Die Deutsche Bank ist nicht die erste, deren Händler unter Verdacht geraten sind. In Großbritannien hatten Institute wie Barclays, RBS und Citigroup bereits Händler suspendiert. Insgesamt nimmt die Regulierungsbehörde dort rund 15 Banken unter die Lupe, die um Informationen mit Blick auf mögliche Manipulationen gebeten wurden.

Die weltumspannende Untersuchung möglicher Manipulationen der Referenzkurse verschiedener Währungen läuft schon seit dem Frühjahr. Der am meisten genutzte Kurs ist das „WM/Reuters“-Fixing, das täglich um 16.00 Uhr Londoner Zeit errechnet wird.

Dazu nutzt der Informationskonzern Thomson Reuters die Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem Reuters-System und von Konkurrenten wie EBS. Dabei werden alle Kurse innerhalb einer „Fixing“-Minute erhoben. Die State-Street-Tochter WM errechnet daraus den Mittelwert als Referenzkurs. Je seltener eine Währung gehandelt wird, desto leichter lässt sich der Preis innerhalb der kurzen Zeitspanne von einzelnen Marktteilnehmern bewegen. Investoren und Unternehmen verwenden die Referenzkurse zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolien, sie sind aber auch die Grundlage zur Errechnung vieler Aktien- und Bond-Indizes.

Absprachen über das Devisen-Fixing sind nicht der erste Fall von Manipulationen wichtiger Indizes. Im Skandal um den Interbanken-Referenzzins Libor haben Investmentbanken bereits Milliardenbeträge bezahlt. Auch hier steht die Deutsche Bank im Fokus: Die EU hat sie Ende 2013 zu einer Rekordstrafe von 725 Millionen Euro verdonnert, eine Einigung mit den US-Behörden wird für das laufende Jahr erwartet.

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