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Fukushima: Ärzte attackieren UN wegen Krebs-Verharmlosung

Lesezeit: 2 min
08.06.2014 01:34
Ein internationales Team von Ärzten wirft der UN vor, die gesundheitlichen Folgen des Atom-Unglücks in Fukushima zu verharmlosen. Demnach sei die Anzahl der Schliddrüsen-Erkrankungen unabhängigen Daten zufolge deutlich höher als von der UN angegeben. Diese verlasse sich in ihrem Bericht nur auf Daten der Atom-Lobby.
Fukushima: Ärzte attackieren UN wegen Krebs-Verharmlosung

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Ein Zusammenschluss von Ärzten aus aller Welt wirft den Vereinten Nationen vor, die gesundheitlichen Folgen von Fukushima gezielt zu verharmlosen. Demnach habe sich der wissenschaftliche Ausschuss der UN nur auf Daten von Organisationen gestützt, die „im Sinne der Atomwirtschaft berichten“. Unabhängige Wissenschaftler und kritische Quellen wurden von der Analyse systematisch ausgeschlossen. Die verwendeten Strahlenwerte seien ebenso zweifelhaft wie die Schlüsse, zu denen der UN-Bericht kommt.

Die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) ist ein Zusammenschluss von mehreren Tausend Medizinern aus über 60 Ländern. Sie setzen sich für eine friedliche und atomtechnologiefreie Welt ein. Für ihr Engagement erhielten sie 1985 den Friedensnobelpreis. Ein Vertreter des IPPNW ist der Berliner Kinderarzt Dr. Alex Rosen, der sich intesniv mit den gesundheitlichen Folgen von Fukushima auseinander setzt (mehr hier).

Die Ärzte des IPPNW rechnen in ihrem Bericht mit etwa 1.000 zusätzlichen Schilddrüsen-Krebsfällen und bis zu 16.800 zusätzlichen anderen Krebserkrankungen in Japan als Folge des Atom-Unfalls. Sie werfen dem Wissenschaftsausschuss der UN vor, diese Zahlen gezielt zu verharmlosen.

Das Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen (UNSCEAR) ist ein Gremium der Vereinten Nationen, die sich mit den Folgen von radioaktiver Strahlung wissenschaftlich auseinander setzt. In ihrem Abschlussbericht zu Fukushima kommt UNSCEAR zu dem Schluss, dass die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung überschaubar sind. Das Risiko von Schilddrüsen-Krebs und ähnlichen Erkrankungen sei gering.

Der UNSCEAR-Bericht stützt sich jedoch unter anderem auf Nahrungsmittelproben der Internationalen Atom Energie Behörde (IAEA). Die IAEA ist „eine Behörde, die mit dem Ziel gegründet wurde, weltweit Atomwirtschaft zu fördern“, so das IPPNW. Sie könne deshalb nicht als unabhängig gelten. Die IAEA war es auch, die Tepco kürzlich erlaubte, Tausende Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik abzuleiten (hier).

Darüber hinaus werden die Daten der Japanischen Atom Energie Behörde (NRA) verwendet. Die NRA sei „eine Organisation, die im Verdacht steht durch Kollusion und Korruption den Ereignissen von Fukushima Vorschub geleistet zu haben“. Die NRA war auch an der Vergabe der Olympischen Spiele an Japan beteiligt, die nur aufgrund falscher Strahlungswerte zustande kam (hier).

Und schließlich stützt sich UNSCEAR in der Analyse größtenteils auf die Daten der Betreiberfirma Tepco selbst, die schon unzählige Male dabei erwischt wurde, wie sie Daten verschweigt und die Bevölkerung belügt.

Darüber hinaus kritisieren die Ärzte die Methodik des UNSCEAR-Berichts. So werde beispielsweise die Strahlenempfindlichkeit eines Erwachsenen, eines Kindes und eines Embyos gleichgesetzt. Allein diese Erkenntnis sei seit über 60 Jahren überholt. Tatsächlich deutet vieles auf einen starken Anstieg der Schilddrüsen-Erkrankungen in der Region Fukushima hin (hier).

„Bei 50 japanischen Kinder in der Präfektur Fukushima wurden mittlerweile Schilddrüsenkrebs-Operationen durchgeführt. Das geht aus einem Bericht des Fukushima Health Management vom 19. Mai 2014 hervor. 39 weitere Kinder haben krebsverdächtige Biopsieergebnisse und müssen noch operiert werden. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Krebsfälle weiter steigen wird, da bislang erst für 78% der betroffenen Kinder Ergebnisse publiziert wurden und bei rund 400 Kindern mit verdächtigen Ergebnissen in den ersten Reihenuntersuchungen noch keine Folgeergebnisse vorliegen“, so ein Sprecher der Organisation in einer Stellungnahme.

Und schließlich richtet sich die Kritik gegen die Behörde selbst. Das UN-Gremium werde nur von den Atomstaaten besetzt, also Ländern, die ein starkes Interesse an der Atomwirtschaft hätten. Dabei erhalten nur Wissenschaftler Zugang, die oft viele Jahrzehnte in der Atomwirtschaft tätig waren. Interessenskonflikte werden ignoriert. Und Erkenntnisse wie sie von unabhängigen Wissenschaftlern wie Sebastian Pflugbeil oder Arnie Gundersen vorort gesammelt wurden, finden in dem Gremium keinerlei Beachtung.

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