Finanzen

Börse: Stresstest belastet Italien, Dax schließt ein Prozent im Minus

Lesezeit: 2 min
27.10.2014 18:33
Die Anleger fokussieren sich auf Italien, nachdem neun Banken des Landes durch den EZB-Stresstest fallen. Dazu bringt der zweite Ebola-Fall in New York die Märkte unter Druck. Bis ein Gerücht vorerst einen weiteren Abverkauf verhindert.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die überraschend schwache Entwicklung der deutschen Konjunktur hat am Montag an den europäischen Börsen die Erleichterung der Anleger über den glimpflichen Verlauf des EZB-Bankenstresstests überschattet. Der Dax verlor ein Prozent auf 8902,61 Punkte, der EuroStoxx50 büßte ebenfalls ein Prozent ein. Auch an der Wall Street gaben die Kurse nach. „Der Konjunkturmotor in Deutschland läuft nach wie vor nicht rund“, sagte Marktanalyst Niall Delventhal von DailyFX. Eine Verkaufswelle, die den Dax bis zum Jahrestief von 8354 Punkte drücken könnte, sei möglich. „Denn die schlechten Zukunftsaussichten der deutschen Unternehmer lassen auch nur eher maue Gewinne für das vierte und letzte Quartal erwarten.“

Die Stimmung der Top-Manager hatte sich im Oktober den sechsten Monat in Folge verschlechtert und ist nun so mies wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. „Die Konjunkturentwicklung ist derzeit unsere Hauptsorge“, sagte ein Händler. Negative Überraschungen beim EZB-Bankenstresstest waren nach Einschätzung der Bayern LB dagegen ausgeblieben. Dies trieb Dax und EuroStoxx zeitweise je um gut ein Prozent in die Höhe. Insgesamt waren 25 der 130 untersuchten wichtigsten Geldhäuser bei dem Test durchgefallen.

Die anfängliche Erleichterung hob die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank zeitweise an, bewahrte beide Titel aber nicht vor Gewinnmitnahmen nach der Veröffentlichung des ifo-Index. Mit 11,75 Euro schlossen Commerzbank unverändert, während Deutsche Bank 1,5 Prozent einbüßten.

Der Bankenindex für die Euro-Zone verlor 2,3 Prozent. Für Verstimmung im Sektor sorgte vor allem das schlechte Abschneiden der italienischen Banken, von denen neun durch den Test rasselten: Das größte Loch in der Bilanz hätte in der simulierten Wirtschaftskrise die Krisenbank Monte dei Paschi mit 2,1 Milliarden Euro. Die Aktien rutschten um 21,5 Prozent auf 0,78 Euro ab. Der italienische Leitindex verlor 2,4 Prozent.

Größter Dax-Verlierer waren BASF mit einem Abschlag von 3,1 Prozent. Wie die Logistikbranche hängt auch die Chemiebranche von der Konjunktur ab, und BASF hatte mit seinem Ausblick am Freitag die Anleger enttäuscht. Analysten äußerten sich entsprechend kritisch.

Positiv nahmen die Anleger den Beginn des Pfandbrief-Kaufprogramms der EZB im Volumen von 1,7 Milliarden Euro auf. Das zeige, dass die EZB entschlossen sei, den Banken noch mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen, sagte ein Händler. Der Euro stieg um mehr als einen Viertel US-Cent auf 1,2715 Dollar.

An der Wall Street notierten Dow-Jones - und S&P -Index zum Handelsschluss in Europa 0,2 und 0,3 Prozent im Minus. „Viele sind verunsichert, das zeigt auch die hohe Schwankungsbreite von fast 250 Punkten heute im Dax“, sagte ein Händler. Viele wollten nun abwarten, was die US-Notenbank auf ihrer am Mittwoch beginnenden Zinssitzung beschließen werde. Auch die nun Fahrt aufnehmende Bilanzsaison in Europa werde mit Argusaugen verfolgt.

Mit einer Verkaufswelle reagierten die Anleger an der brasilianischen Börse auf die Wiederwahl der in der Wirtschaft unbeliebten Präsidentin Dilma Rousseff. Der Leitindex an der Börse in Sao Paolo verlor 4,4 Prozent.


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Wo steht die deutsche Landwirtschaft
15.07.2024

Die deutsche Landwirtschaft kämpft an vorderster Front gegen tiefgreifende Veränderungen: Während Bauernproteste die Dringlichkeit ihrer...

DWN
Politik
Politik Attentat auf Trump: Was wir wissen und was noch unklar ist!
14.07.2024

Das Attentat auf den Ex-Präsidenten Trump hat die USA tief erschüttert. Die Ereignisse überschlagen sich, und viele Fragen bleiben...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinswende: Wo gibt es noch Zinsen von über 4 Prozent?
14.07.2024

Die Geschäftsbanken senken bereits seit Monaten die Tages- und Festgeldzinsen. Wo erhalten Sparer noch die höchsten Renditen für relativ...

DWN
Politik
Politik Trump-Attentat: Schüsse bei Wahlkampfauftritt und die Sorge vor einer Gewaltspirale
14.07.2024

Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Pennsylvania. Plötzlich fallen Schüsse, am Ohr des Ex-Präsidenten ist Blut, ein Attentat! Die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Big Tech in der Cloud
14.07.2024

Die digitale Transformation hat in den letzten Jahren einen enormen Schub erfahren, und die Cloud-Technologie spielt dabei eine zentrale...

DWN
Panorama
Panorama Schutz vor Vogelgrippe: Wie gut ist Deutschland auf die nächste Pandemie vorbereitet?
14.07.2024

Virologen sehen das Vogelgrippevirus H5N1 als potenziellen Pandemie-Kandidaten. Was das für Deutschland bedeutet und warum Experten...

DWN
Politik
Politik Der letzte Diktator Europas? Lukaschenko feiert 30 Jahre im Amt und 70. Geburtstag
14.07.2024

Seit drei Jahrzehnten lenkt Alexander Lukaschenko, der als letzter Diktator Europas gilt, die Geschicke von Belarus. In diesem...

DWN
Technologie
Technologie Der schwierige Verzicht auf chinesische Technologie im 5G-Netz - eine Kurzanalyse
14.07.2024

Die Bundesregierung und die deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben sich nach langen Diskussionen auf einen umfassenden Ausschluss...