Technologie

Microsoft-Lobbyisten treiben die EU-Kartellklage gegen Google an

Das Kartellverfahren gegen Google wird maßgeblich von dessen Konkurrenten Microsoft vorangetrieben. Alle drei Hauptbeschwerdeführer sollen Verbindungen zu dem Software-Konzern haben, so ein bericht der NYT. Microsoft nutze demnach das Misstrauen der Europäer gegen die Übermacht von Google – und stecke alle finanziellen Mittel in die Lobbyarbeit, um die Politik im Kampf gegen den Konkurrenten einzuspannen.
22.04.2015 13:26
Lesezeit: 2 min

Google ist fest im europäischen Fadenkreuz: Die Kartellbehörden werfen dem Unternehmen vor,  seine Marktmacht zu missbrauchen. Vor nicht allzu langer Zeit war Microsoft von den europäischen Kartellbehörden angeklagt. Es wurde insgesamt vier Mal verurteilt und erst nach einer Zahlung von mehr als 3 Milliarden US-Dollar von  Europa in Ruhe gelassen. Nun hat Microsoft von der Rolle des Angeklagten in die des Klägers gewechselt – und steckt alle finanziellen Mittel in den Lobby-Kampf gegen Google.

Wie die New York Times berichtet, hat Microsoft dafür mehr Geld für Lobbyarbeit ausgegeben als jedes europäische Unternehmen und zusätzlich ein ganzes Netzwerk an Lobbygruppen gegründet oder gefördert:. Die prominenteste Organisation daraus ist demnach die Initiative für einen wettbewerbsfähigen Online-Marktplatz - genannt Icomp. Diese habe eine unerbittlichen PR-Kampagne zur Förderung Beschwerden gegen Google geführt und dazu Webinare, Diskussionsrunden und Pressekonferenzen gegeben. Icomp führte sogar eigens eine Studie durch, die die von Google vorgeschlagenen Änderungen zur Beschwichtigung der Regulatoren als  Augenwischerei entlarven sollte. Microsoft war der Zeitung zufolge ein Hauptsponsor von Icomp.

Microsoft habe zudem Verbindungen zu allen drei Haupt-Beschwerdeführern, welche die kartellrechtliche Untersuchung gegen Google ausgelöst haben. Die New York Times nennt die beiden Unternehmen gar die Kain und Abel der amerikanischen Technologie und schildert, wie Microsoft sich in die Politik einmischt und versucht, die Regulierungsbehörden auf die Konkurrenz anzusetzen. So soll ein Treffen mit einem Botschafter dazu genutzt worden sein, um die US-Politik davon abzubringen, Google in dem europäischen Kartellverfahren zu helfen. Google hat seine Ausgaben für Lobbyarbeit seit 2010 seinerseits verdreifacht, gebe jedoch immer noch nur ein Drittel von dem aus, was Microsoft in die Lobbyarbeit steckt.

„Microsoft tut sein Bestes, um Probleme für Google zu schaffen“, sagte EU-Parlamentarier Manfred Weber der NYT. „Es ist schon  interessant. Vor zehn Jahren war Microsoft ein großes und starkes Unternehmen. Jetzt sind sie der Außenseiter.“

Margrethe Vestager, die Europäische Wettbewerbskommissar eröffnete zunächst wegen dem Vorwurf der Bevorzugung der Google-eigenen Shopping-Dienste in der Suchmachine ein Wettbewerbsverfahren. Inzwischen läuft auch eine Untersuchung darüber, wie Google mit Wettbewerbern in seinem Android-Betriebssystem für Mobiltelefone umgeht.

Die Untersuchung begann jedoch bereits im Jahr 2010 auf Beschwerde dreier Unternehmen:

Die deutsche Shopping-Vergleichsseite Ciao, die von Microsoft gekauft wurde, noch bevor das Unternehmen die Klage einreichte. Der britischen Online-Marktplatz Foundem, mitbegründet von Shivaun Raff, der 2011 als Berater zu Icomp ging und seither um die Welt reist, um die Praktiken von Google bei Behörden anzuprangern. Die dritte Beschwerdeführerin, die französische Ejustice.fr, wurde von dem Brüsseler Lobbyisten Jacques Lafitte beraten, der zuvor als Top Corporate Affairs Beamter für Microsoft tätig war.

Microsoft zufolge gebe es jedoch keinen orchestrierten Angriff. Auch Herr Lafitte leugnete gegenüber der NYT jede aktuelle Verbindung zu Microsoft.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Finanzen
Finanzen Saab-Aktie: Neue Drohnenkiller-Rakete Nimbrix soll den Markt revolutionieren
31.08.2025

Saab hat eine neue Waffe entwickelt, die Drohnen und ganze Schwärme zerstören soll. Mit dem Projekt „Nimbrix“ hofft der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Stagnation und Rezession: Was es konkret heißt, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft
31.08.2025

Deutschlands Wirtschaft steckt weiter fest: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft stärker als erwartet, die Rezession dauert an. Während...

DWN
Immobilien
Immobilien House Flipping: Wie Sie mit sanierungsbedürftigen Objekten Geld machen können
31.08.2025

Der USA-Trend findet auch hierzulande immer mehr Anklang: Beim House Flipping geht es darum, möglichst günstig Immobilien zu erwerben,...

DWN
Technologie
Technologie Fachkräftemangel? Roboter bauen schon heute Häuser – schneller, günstiger, sicherer
31.08.2025

Die Baustelle der Zukunft: Roboter, Drohnen und autonome Helfer übernehmen Aufgaben rund um den Bau – präzise, effizient und 24 Stunden...

DWN
Politik
Politik Was will Trump, der „amerikanische Erdogan“?
31.08.2025

Donald Trump greift die Fed und Amerikas Institutionen frontal an – mit Folgen, die weit über die USA hinausreichen. Droht Europa ein...

DWN
Politik
Politik Trump-Krise: Rebellion im Herzen der MAGA-Bewegung
31.08.2025

Donald Trump sieht sich mit der größten internen Rebellion seiner Amtszeit konfrontiert. Der Epstein-Skandal droht, seine Machtbasis in...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienerwerb: Umfrage offenbart Wissenslücken beim Immobilienkauf
31.08.2025

Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung kann schnell Hunderttausende Euro kosten, doch viele Menschen kennen wichtige Bedingungen nicht....

DWN
Finanzen
Finanzen Polen setzt auf Atomenergie: Orlen verspricht den Bau des ersten SMR-Reaktor Europas
31.08.2025

Polen baut Europas ersten Small Modular Reactor (SMR) vom Typ BWRX-300. Während Warschau auf Kernkraft setzt, könnte Deutschland bald...