Politik

Euro-Krise: Frankreich meldet erneut Rekord-Arbeitslosigkeit

Lesezeit: 1 min
28.07.2015 01:27
Die Arbeitslosigkeit ist in Frankreich erneut angestiegen. Präsident Francois Hollande will dieser Entwicklung entgegenwirken. Es ist zu erwarten, dass er das Defizit erneut deutlich überschreiten will, um die EU davon zu überzeugen, dass nur auf diesem Weg der Vormarsch des Front National gestoppt werden könne.
Euro-Krise: Frankreich meldet erneut Rekord-Arbeitslosigkeit

Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Frankreich waren im Juni so viele Menschen arbeitslos gemeldet wie noch nie. Allerdings schwächte sich die Zunahme ab, wie das Arbeitsministerium am Montag mitteilte. Die Zahl legte im Vergleich zum Mai um 1300 auf insgesamt 3,55 Millionen Personen zu. Davor war sie noch um 16.200 gestiegen. Damit lässt eine Entspannung am Arbeitsmarkt trotz der Erholung der Wirtschaft weiter auf sich warten. Anfang des Jahres war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone um 0,6 Prozent gewachsen. Das Statistikamt Insee prognostizierte Mitte Juni, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte in einem Maß anzieht, dass ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit gestoppt werden kann.

Frankreichs Präsident François Hollande hat eine erneute Kandidatur für das Amt des Staatschefs bei der Präsidentschaftswahl 2017 von einem «glaubwürdigen Rückgang der Arbeitslosigkeit» abhängig gemacht. Diese Umkehr müsse im Jahr 2016 erfolgen, sagte Hollande am Montag während eines Abendessens mit dem Verband der Präsidentenpresse in Paris. Die Arbeitslosigkeit müsse langfristig ausreichend sinken, damit dieser Rückgang glaubhaft sei.

Hollande, der sich weiterhin nicht festlegte, ob er erneut antreten will, hat eine mögliche erneute Kandidatur bereits mehrfach mit der Entwicklung der Arbeitslosigkeit verknüpft. Es gebe dabei viele Unsicherheiten, räumte Hollande am Montag ein. «Wenn es kein Ergebnis gibt, kann eine Kandidatur nicht glaubwürdig sein», sagte Hollande.

Hollande möchte mit dieser Ankündigung offenbar auch die EU dazu bewegen, auf weitere Diskussionen über das französische Haushaltsdefizit zu diskutieren. Frankreich hat bis 2017 die Erlaubnis, die Defizitgrenzen von Maastricht zu verletzen. Die französische Regierung plant, in den kommenden Wochen einen Vorschlag zur Neuordnung der Euro-Zone vorzulegen. Darin dürften umfassende Transferzahlungen innerhalb der Euro-Zone vorgeschlagen werden. Außerdem haben Frankreich und Italien signalisiert, dass sie die von Deutschland vertretene Austeritätspolitik nicht für die beste Lösung für den Euro halten.

Die EU und auch Bundeskanzlerin Merkel fürchten, dass der Font National von Marine Le Pen die Sozialisten aus der Stichwahl für die Präsidentschaft werfen könnte. Wie schon in Griechenland setzen die Euro-Retter auf kooperationswillige Regierungen. Es ist anzunehmen, dass aus diesem Grund auch Deutschland einer fiskalpolitischen Erleichterung in Frankreich nicht grundsätzlich abgeneigt sind.

Die Ankündigung des französischen Statistikamtes, dass in Zukunft alles besser werde, erinnert stark an die Taktik der griechischen Regierung der CDU-Schwesterpartei Nea Dimokratia: Diese hatte die EU überzeugt, dass es im Jahr 2014 einen zarten Aufschwung zu beobachten gäbe. Tatsächlich ist Griechenland bereits im Herbst 2014 in die Rezession zurückgefallen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Finanzen
Finanzen Weniger Administration, mehr Fokus: Mit digitaler bAV-Verwaltung den nächsten Schritt gehen

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Politik
Politik EILMELDUNG: Serbien entsendet Truppen an Grenze zum Kosovo – Nato und EU sind alarmiert

Serbien hat Truppen und Polizeieinheiten an die serbisch-kosovarische Grenze entsandt. Die Truppen befinden sich in Alarmbereitschaft. Ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft „Untragbar“ - Mittelstand warnt vor ausufernden Energiepreisen

Mehrere Verbände der mittelständischen Wirtschaft warnen vor den stark steigenden Energiepreisen.

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-SPEZIAL: Finanzielle Repression wird Bürger in die Armut stürzen

Einem Bericht zufolge wird nach der Merkel-Ära in Frankreich und Italien Staatsschulden-Krisen ausbrechen. Dann wird in der EU die...

DWN
Finanzen
Finanzen Das globale Geldsystem basiert auf Vertrauen … und Macht

Die Deutschen lieben Bargeld. Jedoch macht dieses nur einen kleinen Teil der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus, rund 90 Prozent...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Top-Ökonom spricht von Putschversuch gegen die Chefin des IWF

Der renommierte Ökonom Joseph Stieglitz hat einen großen Putschversuch gegen die IWF-Chefin Kristalina Georgiewa ausgemacht. Der Chef der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Kryptowerte nach Pekings Verbot auf Talfahrt

Das chinesische Verbot sämtlicher Aktivitäten rund um Bitcoin & Co setzt der dortigen Kryptowährungsbranche zu.

DWN
Politik
Politik Lagebericht Mali: Russland weitet Einfluss mithilfe von Söldnern aus

Die malische Regierung versucht, russische Söldner im Kampf gegen Islamisten anzuheuern. Während europäische Truppen ihr Engagement in...

DWN
Deutschland
Deutschland Internationale Pressestimmen zur Bundestagswahl: „Wie soll man bloß eine Mutter austauschen?“

Die internationale Presse reagiert auf verschiedene Art und Weise auf den Ausgang der Bundestagswahl. Einige Medien behaupten, dass die...