Brasilien schlittert in Richtung Staats-Pleite

Lesezeit: 2 min
13.09.2015 00:36
Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat Brasiliens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Als Grund nannte sie die schrumpfende Wirtschaft des Landes und die Budget-Probleme der Regierung. Brasilien durchlebt derzeit die schwerste Rezession seit 25 Jahren.
Brasilien schlittert in Richtung Staats-Pleite

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bewertung brasilianischer Staatsanleihen auf Ramsch-Niveau gesenkt. S&P bewertet die Kreditwürdigkeit Brasiliens nun mit „BB+“ mit negativem Ausblick und schließt auch eine weitere Abstufung nicht aus. Als Begründung nannte die Rating-Agentur die schlechten Wachstumsaussichten des Landes und das anhaltende Haushaltsdefizit. Somit verliert Brasilien die für institutionelle Investoren so wichtige „Investmentgrade“, ohne die viele von ihnen keine Staatsanleihen halten dürfen. Für Brasilien bedeutet dies, dass es deutlich schlechtere Konditionen akzeptieren muss, um sich neues Kapital zu leihen.

Die brasilianische Währung reagierte am Devisenmarkt mit starken Verlusten. Der Real fiel um 2,3 Prozent auf einen Jahrestief von 3,87 im Vergleich zum Dollar, wie Bloomberg berichtet. Die französische Investmentbank Société Générale geht davon aus, dass der Real in den nächsten acht Wochen noch auf einen Dollar-Kurs von 4,4 fallen wird. Das würde einer 15-prozentigen Abwertung innerhalb von zwei Monaten gleichkommen. Im laufenden Jahr hat Brasiliens Währung bereits 31 Prozent an Wert verloren, der größte Verlust unter allen Schwellenländern. Auch der brasilianische Aktienindex Ibovespa verlor 2,1 Prozent. Größter Verlierer war erneut der staatliche Ölkonzern Petrobas, der seinen Jahresverlust auf 19 Prozent ausweitete. Auf das ganze Jahr betrachtet hat der Aktienindex bereits 37 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Die Rating-Agenturen Moody's und Fitch zögern noch mit einer Abwertung Brasiliens. Moody's knüpfte seine zuletzt positive Einschätzung jedoch daran, dass das Land auf einen Wachstumskurs zurückkehrt und die Haushaltsprobleme in den Griff bekommt. Danach sieht es jedoch nicht aus, denn Brasilien steht vor der schwersten Rezession seit den 30er Jahren. Für dieses Jahr rechnet die Weltbank mit einem Rückgang des Wachstums von 1,3 Prozent. Im zweiten Quartal meldete Brasilien die schlechtesten Wachstums- und Inflationswerte seit über einer Dekade. Und der vorgelegte Haushaltsentwurf für 2016 sieht ein Primärdefizit von 30,5 Milliarden Real (rund 7,2 Milliarden Euro) vor. Das lässt darauf schließen, dass die Regierung um Präsidentin Dilma Rousseff beabsichtigt, einen Teil ihrer Zinsverpflichtungen durch Kreditaufnahme zu finanzieren.

Das brasilianische Finanzministerium sagte eine geplante Auktion von Staatsanleihen ab. Zuvor stiegen die Zinsen auf brasilianische Bonds auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Die Rendite auf Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis 2017 stieg um 0,36 Prozent auf nunmehr 15,29 Prozent. Auf zehnjährige Anleihen werden für Brasiliens Regierung 5,6 Prozent Zinsen fällig. Es ist bereits die zweite abgesagte Auktion von Staatsanleihen binnen einer Woche, wie Zero Hedge berichtet. Die Abwertung durch S&P erhöht den Druck auf Finanzministers Joaquim Levy, Reformen zur Verbesserung der Haushaltslage zu verabschieden. Kurz nach der Abwertung gab Levy bekannt, dass die Regierung dem Parlament nun Sparvorschläge unterbreiten wolle, um im Haushalt 2016 doch noch einen Primärüberschuss zu erreichen.

Zur schlechten Finanzsituation Brasiliens kommt auch noch politische Instabilität hinzu. So liegt die Unterstützung für Brasiliens Präsidentin DilmaRousseff laut einer aktuellen Umfrage bei nur 8 Prozent, wie das Wall Street Journal berichtet. Seit dem Ende der Militärjunta im Jahr 1985 war kein brasilianisches Staatsoberhaupt unbeliebter. Rousseff sieht sich imme rhäufiger mit Massendemonstrationen konfrontiert. Die Demonstranten kritisierten den ihre Verwicklung in den massiven Korruptionsskandal beim staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras und fordern ihren Rücktritt.



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