Gemischtes

Übertragung durch die Luft: Pflanzen-Gift in Bio-Produkten nachgewiesen

In Bio-Produkten aus Deutschlands größtem Öko-Anbaugebiet wurden massive Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Eine Studie belegt nun, dass die Gifte aus der Luft stammen: Der Einsatz von Herbiziden auf kilometerweit entfernten Nachbarhöfen hat ganze Landstriche so belastet, dass ein Bio-Anbau nicht mehr möglich ist.
02.11.2015 13:11
Lesezeit: 1 min

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Zunächst glaubten betroffene Öko-Bauer an eine bewusste Sabotage-Aktion gegen die Ernte: Fenchel und Grünkohl aus dem mit 10.000 Hektar größten zusammenhängenden Bio-Anbaugebiet Deutschlands in der Brandenburger Schorfheide wurden positiv auf Rückstände der Herbizidwirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb getestet. In der Region gibt es neben dem Öko-Landbau ein Bio-Spären-Reservat, Spritzmittel werden nirgends verwendet.

Die Landes-Behörden ließen daraufhin erstmals weiträumig die Herbizid-Verbreitung in der Luft, den Bäumen und Pflanzen untersuchen. Das Ergebnis ist nun in einer Studie belegt: „Es war eine allgemeine regionale Belastung. Wir müssen davon ausgehen, dass das gesamte Gebiet der Bundesrepublik dabei wirkstoffrelevant ist. Sie werden das überall nachweisen können.“

Die Studie im Auftrag des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) Brandenburg führt erstmals den Nachweis, dass die Unkrautvernichtungsmittel Pendimethalin und Prosulfocarb sehr weiträumig über den Wind verbreitet werden. Die Gutachter sprechen von einer „unerwünscht weiträumigen und anhaltenden Verbreitung“. Die festgestellte Belastung liegt 100- bis 1000-fach höher als die Grundbelastung in unbelasteten Referenzgebieten der Nord- und Ostsee. Pendimethalin steht auf der Liste der TOP 10 der meist verkauften Pestizide in Deutschland.

Diese „wesentliche und weiträumige“ Belastung bedeutet, dass der Bio-Anbau wegen der Kontaminierung durch die benachbarte konventionelle Landwirtschaft unmöglich wird: Die strengen Bio-Standards können nicht erfüllt werden. Finanzielle Schäden sind die Folge, langfristig steht die Existenz der Bio-Bauern auf dem Spiel.

Die Studie zeigt auch, die Belastung durch den Ferntransport von Herbiziden betrifft ganz Deutschland offenbar schon seit Jahren – denn gesetzlich muss beim Herbizid-Einsatz lediglich ein Sicherheitsabstand von 50-Metern zu Bio-Feldern eingehalten werden. Bisher hat es offenbar nur niemand nachmessen wollen: Ein umfassendes Monitoring von Pestizidwirkstoffen in der Luft wurde 2003 an Luftmessstationen des Bundes und der Länder eingestellt.

Die Bauern und auch der große Bio-Produzent Bioland fordert nun ein generelles Verbot der Herbizide Pendimethalin und Prosulfocarb. Grünkohl-Belastungen mit Pendimethalin seien seit Jahren bekannt, ebenso lange werde diskutiert, dass Fernverwehungen dafür die Ursache sein könnten. Konsequenzen seien daraus jedoch nie gezogen worden, stattdessen wurde das Problem über die Anhebung von Grenzwerten angegangen, so die Kritik von Bioland. „Es handelt sich sehr wahrscheinlich um ein Problem, das schon seit Jahren besteht und bisher von den Behörden ignoriert wurde“, so Bioland-Präsident Plagge.

Neben dem Verbot fordert Bioland die Einführung einer Pestizidabgabe nach dem Verursacherprinzip. „Die Pestizidindustrie muss endlich an den externen Kosten des chemisch-synthetischen Pflanzenschutzes beteiligt werden.“, so Plagge. Gemeint sind versteckte Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...