Politik

Lageso: Chef der Berliner Flüchtlings-Behörde tritt zurück

Lesezeit: 1 min
10.12.2015 00:06
Der Chef der Berliner Flüchtlingsbehörde ist wegen der chaotischen Zustände in der Einrichtung zurückgetreten. Eine Besserung kann allerdings nur erwartete werden, wenn massiv neue Mitarbeiter angestellt werden.
Lageso: Chef der Berliner Flüchtlings-Behörde tritt zurück

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das seit Monaten andauernde Chaos bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Berlin hat zu personellen Konsequenzen geführt. Der Präsident des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert, ist zurückgetreten. Das teilte ein Sprecher von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Mittwochabend mit.

In einer Erklärung Czajas hieß es: «In Anbetracht der massiven persönlichen Kritik an Franz Allert hat dieser mich gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu freizustellen. Ich werde dieser Bitte entsprechen und respektiere diesen Schritt.»

Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Czaja aufgefordert, Allert abzulösen. «Wir brauchen hier eine neue Spitze im Lageso, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt», sagte er in der RBB-«Abendschau» am Mittwoch. «Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir nicht mehr länger warten können.»

Das Lageso ist die erste Anlaufstelle für neu ankommende Flüchtlinge in Berlin. Es ist zuständig für die Registrierung der Asylbewerber, für ihre medizinische Erstversorgung, das Zuweisen in Notunterkünfte und die Ausgabe von Taschengeld. Die Behörde bekommt diese Aufgaben seit Monaten nicht in den Griff. Das Gelände ist hoffnungslos überfüllt. Hunderte Flüchtlinge stehen tagelang draußen in der Kälte oder in beheizten Zelten an.

Allert, aber auch sein Vorgesetzter Czaja stehen wegen der katastrophalen Zustände seit Wochen in der Kritik. Müller kündigte an, die untragbaren Zustände vor dem Lageso in den nächsten Tagen spürbar zu verbessern. Die Wartezelte sollen für Flüchtlinge geöffnet und das Zugangssystem optimiert werden.

Vor seinem Rücktritt hatte Allert im RBB-Kulturradio eingeräumt, dass sich die Zustände am Lageso noch nicht grundlegend gebessert hätten. «Es ist noch keine wirklich befriedigende Situation, trotz der erheblichen Veränderungen und Bemühungen, die hier schon seit Monaten laufen.»

Ein anonymer Mitarbeiter sagte der B.Z.: „Früher machten uns die Erstanmeldungen zu schaffen, jetzt sind es diejenigen, die mit Rechnungsübernahmen, Krankenschein- oder Sozialleistungsanträgen kommen.“ Auf die Frage, ob das Problem mit einem neuen Chef gelöst werde, sagte der Mitarbeiter: „Nur wenn er mindestens 100 zusätzliche Mitarbeiter mitbringt

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Schwere Eskalation im Streit zwischen EU-Kommission und Polen

Der Feldzug der EU-Kommission stößt in Warschau auf entschlossenen Widerstand. Von „Oligarchie“, „Imperialismus“ und einer...

DWN
Politik
Politik Lindner will Steuerentlastung: Topverdiener profitieren am meisten

Der Finanzminister hat angesichts der hohen Preise eine Steuersenkung angekündigt. Jetzt legt er seine Pläne vor. Kritik gibt es auch...

DWN
Politik
Politik Aufschrei nach FBI-Razzia: Republikaner stellen sich hinter Trump

Nach der umstrittenen Razzia des FBI stellen sich die Republikaner hinter Trump – und seine Kandidaten gewinnen erneut Wahlen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Öl-Durchfluss durch Druschba-Pipeline gestoppt

Der Durchfluss durch die Süd-Route der wichtigen Druschba-Pipeline wurde gestoppt. Die Gründe sind derzeit unklar.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Umverteilung von Nord nach Süd nimmt Fahrt auf

Die EZB hat erneut viele Milliarden Euro in die hoch verschuldeten Staaten im Süden der Eurozone gepumpt. Dies geschieht auf Kosten von...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trotz Energie-Notstand: Deutscher Versorger liefert Gas nach Marokko

Der zweitgrößte Energieversorger Deutschlands liefert Gas nach Marokko. Angesichts der gegenwärtigen Umstände ist der Deal politisch...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Insider: Großbritannien leitet kontaminiertes Gas in die EU

Großbritannien liefert verschmutztes, teilweise radioaktiv kontaminiertes, Gas in die EU. Es droht die Schließung wichtiger Pipelines.

DWN
Politik
Politik Wahlkampf in Italien: „Gott, Vaterland und Familie“

In Italien hat mittlerweile nach dem Sturz der Regierung von Mario Draghi der Wahlkampf begonnen. Schon jetzt zeigt sich, dass schwere...