Schweizer Unternehmen baut Häuser aus Altpapier

Eine Firma aus der Schweiz hat eine Methode entwickelt, um tragende Wände aus Altpapier herzustellen. Eine Wabenstruktur soll die Wände stabil genug machen, durch die Verwendung des Recycling-Materials sollen zudem Gewicht, Kosten und Klimabelastungen beim Bau eines Hauses massiv reduziert werden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die spezielle Wabenstruktur macht das Material extrem stabil. (Foto: ecocell)

Die spezielle Wabenstruktur macht das Material extrem stabil. (Foto: ecocell)

Stabile Häuser müssen nicht unbedingt aus schwerem Beton oder Stein sein. Ein Unternehmen in der Schweiz hat ein Verfahren entwickelt, um aus Altpapier tragende Wände zu bauen. Möglich macht dies ein spezielles Wabensystem. Ursprünglich hat das Unternehmen namens Ecocell aus Papier nur Isolier- und Füllmaterial hergestellt (siehe Video). Nun hat das Unternehmen daraus eine spezielle Wabenbauweise weiterentwickelt, die für die nötige Stabilität sorgt, um selbst tragende Wände zu bauen. Recyceltes Altpapier und Holz sind der Rohstoff für diese Waben.

Dafür greift das Unternehmen nach eigenen Angaben fast ausschließlich auf nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Fasern sowie Rohpapier aus dem Recyclingkreislauf von Altpapier und Kartonagen zurück.

Das hat mehrere Vorteile gegenüber der konventionellen Bauweise: Zum einen sind die Wände sehr leicht – bis zu zehnmal leichter als Betonwände und immerhin noch dreimal leichter als Massivholz, was bei Transport und Aufbau wiederum Kosten spart.

Zudem spart das System Zeit: Die Häuser aus Altpapier können durch die kompakten Bauelemente im Schnellbauverfahren errichtet werden, sodass ein Rohbau bereits nach einer Woche steht. Daher bietet Ecocell auch den Bau von Notunterkünften für Flüchtlinge mit Anschlussnutzung an.

Drittens ermöglicht Ecocell einen deutlich klimafreundlicheren Hausbau: Die Emissionen, die beim Bau eines konventionellen Hauses entstehen, könnten laut Unternehmen durch das wiederverwertete Material und die leichte Bauweise um ein Drittel reduziert werden.

Zwar bildet das Papier den Kern des Materials,  allerdings kommt auch ein Ecocell-Haus nicht komplett ohne weitere Materialien aus: Erst im Verbund mit einer Beplankung aus Holz oder einem anderen Werkstoff in Form eines Sandwich wird daraus das Ecocell Bausystem. Eine spezielle zementbasierte Beschichtung der gesamten Waben-Oberfläche sorgt zudem für die sehr hohe Belastbarkeit und den Brandschutz, so das Unternehmen. So können die Wände extrem hohe Belastungen von bis zu 240 Tonnen pro Quadratmeter tragen.

Das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Uttwil baut und betreut Immobilien, die mit dem Ecocell Bausystem gebaut wurden. Für diese Erfindung wurde das Unternehmen 2016 in der Kategorie Bauen mit dem GreenTec Award ausgezeichnet. In der Schweiz hat Ecocell bereits eine Zulassung und soll in den kommenden Jahren bei der Errichtung von rund 400 Wohnungen verwendet werden.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***