Finanzen

Banken-Krise: Lage bei Banken in Italien angespannt

Lesezeit: 2 min
01.10.2016 03:02
Die Situation bei den italienischen Banken bleibt angespannt. Mit verschiedenen Strategien versuchen die Institute derzeit, ihre hohen Bestände an faulen Krediten abzubauen. Auch Staatshilfe ist im Gespräch.
Banken-Krise: Lage bei Banken in Italien angespannt

Mehr zum Thema:  
Banken >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Banken  

Die Situation im italienischen Bankensystem bleibt angespannt. Am Freitag verzeichneten die Aktien aller großen Banken des Landes an der Mailänder Börse Verluste. Titel von UniCredit lagen deutlich über 3,5 Prozent im Minus, ebenso wie die Papiere von Intesa Sanpaolo (minus 2 Prozent) und Banca Monte dei Paschi di Siena (minus 2,8 Prozent).

Die UniCredit plant, Vermögenswerte und Beteiligungen in großem Stil zu verkaufen, um schnell an frisches Eigenkapital zu kommen. Sie will eine notwendige Kapitalerhöhung durch zahlreiche Anteilsverkäufe möglichst klein halten. Bis zu zehn Milliarden Euro sollen zusammenkommen, indem Beteiligungen abgestoßen oder verringert werden, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Durch die eigentliche Kapitalerhöhung – die Ausgabe neuer Aktien – sollten dann noch fünf bis sechs Milliarden Euro eingenommen werden. Zum Verkauf stünden unter anderem Beteiligungen am Online-Broker Fineco, der polnischen Bank Pekao und dem Vermögensverwalter Pioneer. Italiens größte Bank wird am 13. Dezember ihren neuen Entwicklungsplan vorstellen, berichtet der Kurier aus Österreich.

UniCredit ist Italiens größte Bank und leidet wie viele Rivalen unter der jahrelangen Rezession der italienischen Volkswirtschaft. Die Mutter der Münchner HypoVereinsbank hat ein kleineres Kapitalpolster als viele Konkurrenten. Es dürfte zudem durch den geplanten Verkauf von faulen Krediten weiter geschwächt werden, weil solche Darlehen meist unter Buchwert abgestoßen werden und somit zu Verlusten führen.

Die angeschlagene italienische Bank Monte dei Paschi di Siena erwägt hingegen durch die Umwandlung von Anleihen in Aktien, die Höhe einer geplanten Kapitalerhöhung zu drücken. Insider erklärten, statt wie bislang fünf Milliarden Euro würden dann nur noch etwa drei Milliarden Euro von potentiellen Investoren eingesammelt werden müssen. Bis zum 24. Oktober soll offenbar ein konkreter Plan erstellt und bis Ende November eine Aktionärssitzung einberufen werden.

Auch eine Beteiligung des Staates und damit der Steuerzahler wird offenbar erwogen. Eine „vorbeugende Rekapitalisierung durch den italienischen Staat“ könne ein Weg sein, um eine etwaige Lücke bei der geplanten Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro zu schließen, sagte ein Insider. Zuvor hatte der Chef der EU-Bankenregulierungsbehörde EBA Italiens Geldhäusern zur Bewältigung ihrer Probleme mit faulen Krediten Staatshilfe ans Herz gelegt. Das Problem müsse bald gelöst werden, sagte Andrea Enria der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ vom Donnerstag. „Wenn staatliche Hilfe ein Teil der Lösung ist, lasst sie uns nutzen“, erklärte er mit Blick auf die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi.

Wie viele italienische Bankhäuser leidet Monte Paschi unter einer ungewöhnlich großen Zahl fauler Kredite. Die 1472 gegründete Bank hatte beim jüngsten Stresstest der EU so schwach abgeschnitten wie kein anderes Institut in Europa, ihr Aktienwert beträgt derzeit etwa 18 Cent.

UniCredit -Chef Jean-Pierre Mustier befürchtet bei der geplanten Kapitalerhöhung keine Konkurrenz durch Monte dei Paschi di Siena. „Ich mache mir gar keine Sorgen, ich arbeite an einem strategischen Plan für UniCredit, den wir bis Jahresende vorstellen wollen“, sagte der Chef der HypoVereinsbank-Mutter.

Einen anderen Weg will die Banca Carige gehen. Insiderinformationen zufolge will sie mit Hilfe von Staatsgarantien faule Kredite loswerden. Ziel sei der Verkauf von Darlehen im Wert von 900 Millionen Euro, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Insider. Die in Genua ansässige Bank arbeite mit der Banca IMI als Berater an dem Verkauf dieser Kredite, deren Rückzahlung als gefährdet gilt. Carige hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 206 Millionen Euro verbucht, nachdem riskante Darlehen im Wert von 345 Millionen Euro abgeschrieben werden mussten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Banken >

DWN
Politik
Politik Putins Generalstabschef: Russland kämpft in Ukraine gegen den „kollektiven Westen“

Russlands Generalstabschef gibt Einblicke in den neuen Armeeplan des Kreml. Neben dem Umbau des Militärs geht es dabei um mögliche...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Große Solarparks könnten das Energieproblem lösen – und die Erde aufheizen

Forscher behaupten seit Jahren, dass große Solarparks in einem Teil der Sahara ausreichen, um die gesamte Welt mit Strom zu versorgen....

DWN
Finanzen
Finanzen Nach Krisenjahr: Steht der Kryptomarkt 2023 vor der Gesundung?

Im Jahr 2022 gab es auch Fortschritte und Erfolgsmeldungen in der Kryptobranche. Doch das wurde durch Skandale wie den um die Kryptobörse...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Gewerbe-Immobilienmärkte stehen vor einer massiven Schuldenspirale

Der weltweite Immobilieneinbruch hat den Sektor für Gewerbeimmobilien getroffen. Der Rückgang bei Transaktionen wird wirtschaftliche...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schuldenfalle: US-Bürger kämpfen mit der Zahlung ihrer Autokredite

Die Nachwehen der Inflation setzen den Bürgern in Amerika weiter zu. Immer mehr von ihnen können ihre Autokredite nicht mehr zahlen. Joe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Frauenquote: Mehr Frauen führen Deutschlands Topunternehmen

Bei den 40 börsennotierten DAX-Firmen stehen immer mehr Frauen im Top-Management. Doch in bestimmten Branchen geht der Wandel nur langsam...

DWN
Politik
Politik Auf dem Weg in den Dritten Weltkrieg

Selenskyj kennt nur eine Lösung des Krieges: die vollständige Vertreibung russischer Truppen und die Rückeroberung der Krim. Doch ohne...

DWN
Politik
Politik US-General sagt für 2025 Krieg der USA mit China voraus

Ein Vier-Sterne-General der US-Luftwaffe erwartet, dass der Konflikt um Taiwan im Jahr 2025 zu einem Krieg der USA mit China führen wird....