Tabak-Deal könnte Deutsche Bank in ruhigere Fahrwasser bringen

Die Deutsche Bank hofft auf eine Verbesserung ihrer Kapital-Basis aus dem operativen Geschäft. Sie soll den Tabakkonzern British American Tobacco bei der geplanten Übernahme des Konkurrenten Reynolds führend beraten.

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Der Deutschen Bank könnte ein wichtiger Etappensieg in ihren Bemühungen zur Stärkung der Kapitalbasis gelungen sein. Offenbar wird sie eine führende Rolle bei der geplanten Übernahme es Tabakkonzerns Reynolds durch British American Tobacco (BAT) spielen, berichtet Bloomberg. Die aus der Übernahme im Umfang von 47 Milliarden Dollar resultierenden Gebühren könnten sich als extrem wertvoll für die angeschlagene Bank erweisen.

Nach Bekanntwerden der Beratungstätigkeit machte die Bank in den entsprechenden Ranglisten Plätze gut. „Der Deal hat die Deutsche Bank um fünf Plätze in der Tabelle europäischer Übernahmen in diesem Jahr auf Platz vier nach oben katapultiert. Im globalen Vergleich machte die Bank einen Platz gut und steht jetzt an neunter Stelle“, schreibt Bloomberg. Bislang sah es so aus, als ob die Deutsche Bank im laufenden Jahr von ihren Konkurrenten aus Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA im Geschäft mit Beratungen abgehängt wird.

Die Deutsche Bank hat British American Tobacco seit mehr als zehn Jahren beraten und hatte die US-Investmentbank JPMorgan im vergangenen Jahr als Broker von BAT abgelöst. An der 66 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Monsanto durch Bayer konnte sie nichts verdienen, weil sie die BASF beraten hatte. Neben der Deutschen Bank werden auch die Schweizer Großbank UBS und das Konsortium Centerview Partners als Berater für BAT tätig werden.

Mit der Übernahme würde BAT zum weltgrößten börsennotierten Tabakkonzern aufsteigen. British American Tobacco ist bereits an Reynolds beteiligt und hat es nun auf die restlichen knapp 58 Prozent abgesehen. Der neue Konzern würde zum US-Marktführer avancieren und Marken wie Pall Mall, Dunhill, Lord, Prince sowie Newport und Rothmans vereinen, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Die Fusion wäre eine der größten in diesem Jahr. Damit schreitet die Konsolidierung der Branche voran, die bereits von wenigen Firmen dominiert wird.

Die Kombination der beiden Unternehmen sei eine Investition in die Zukunft, betonte BAT-Chef Nicandro Durante und fand damit Anklang bei Analysten. Die strategischen Überlegungen ergäben Sinn, sagte Guy Ellison von der Anlagefirma Investec Wealth & Investment. BATkönnte seine US-Position ausbauen, führende Marken unter einem Dach vereinen und zukunftsträchtige Geschäfte – etwa mit E-Zigaretten – vorantreiben.

Reynolds aus North Carolina in den Südstaaten der USA erklärte, eine nicht-bindende Offerte erhalten zu haben und diese nun zu prüfen. Das Unternehmen hatte selbst erst im vergangenen Jahr den Hersteller der Marke „Newport“, Lorillard, übernommen, um so dem „Marlboro“-Produzenten Altria besser Paroli bieten zu können.

Reynolds und Altria dominieren das US-Geschäft und gehören zu insgesamt sechs Konzernen, die auch den Weltmarkt weitgehend unter sich aufteilen. Ein Zusammenschluss von Reynolds und BAT ist eine der wenigen Kombinationen, die noch denkbar ist. Das neue Unternehmen wäre das einzige, das sowohl in den USA als auch im Rest der Welt stark vertreten ist.

Besonders interessant für die Briten dürfte es sein, dass sie die Reynolds-Marke „Camel“ künftig auch in Ländern wie Russland und der Türkei verkaufen können. BAT selbst hat sich bereits auf ähnliche Wachstumsmärkte konzentriert. Dort nimmt die Nachfrage nach teueren Zigaretten aus dem Westen noch zu, während der Absatz in Europa durch höhere Tabaksteuern, ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein, strengere Auflagen und Rauchverbote in der Öffentlichkeit zuletzt einbrach. So verkaufte BAT 2015 nach eigenen Angaben in Westeuropa 23 Milliarden Zigaretten – 17 Prozent weniger als 2011. In Bayreuth stellte der Konzern im Sommer seine Zigarettenproduktion ein und strich 950 Stellen.

BAT bietet den Reynolds-Aktionären 56,50 Dollar je Aktie, was einem Aufschlag von 20 Prozent auf den Schlusskurs von Donnerstag entspricht. Vom Kaufpreis sollen rund 20 Milliarden Dollar in bar überwiesen, die übrigen 27 Milliarden in Form von BAT-Aktien bezahlt werden. Zu denBAT-Beratern gehört auch die Deutsche Bank.

Reynolds-Aktien schossen um fast ein Fünftel nach oben auf gut 56 Dollar. Die Aktien des Londoner Konzerns verteuerten sich um knapp zwei Prozent. Infolge des Brexit-Votums hatte die BAT-Aktie zuletzt massiv zugelegt, weil Anleger auf ein sinkendes Pfund und damit ertragreichere Auslandsgeschäfte britischer Unternehmen setzten. Die Reynolds-Papiere waren dagegen noch am Mittwoch auf ein Zwölf-Monats-Tief von 43,38 Dollar gefallen, nachdem das Unternehmen die Gewinnerwartungen der Analysten im dritten Quartal um sechs Prozent verfehlt hatte.

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