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03.11.2016 02:55
Investoren flüchten aus italienischen Staatsanleihen. Inzwischen halten die Anleger einen Austritt Italiens aus dem Euro sogar für wahrscheinlicher als einen Abschied Griechenlands.
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Investoren haben sich am Dienstag aus italienischen Staatsanleihen zurückgezogen. Der Schritt spiegelt Sorgen bezüglich der politischen und wirtschaftlichen Risiken in dem hochverschuldeten Land wieder. Anleger trennten sich von italienischen Papieren, was die Preise unter Druck setzte – im Gegenzug zogen die Renditen der Papiere deutlich an. Die zehnjährigen Staatsanleihen rentierten mit 1,73 Prozent so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr, berichtet pigbonds.info. Zweijährige Papiere rentierten mit 0,06 Prozent, was einen Aufschlag von mehr als 26 Prozent bedeutete. Die Renditen von Schuldtitel mit fünfjähriger Laufzeit stiegen um fast 3 Prozent auf 0,56 Prozent. Die Höhe der Renditen spiegelt die Erwartung eines Zahlungsausfalls des betreffenden Landes wider.

„Seit Portugal den Rating-Test von DBRS bestanden hat und Spanien nun eine Minderheitsregierung hat, liegt das Risiko in Italien“, sagte DZ-Bank-Anleihespezialist Daniel Lenz. Zudem steige die Nervosität der Anleger vor dem Referendum über eine Verfassungsreform am 4. Dezember. Von dieser erhofft sich Ministerpräsident Matteo Renzi mehr politische Stabilität. Umfragen zufolge könnten seine Pläne aber durchfallen, ein politisches Chaos wäre wahrscheinlich die Folge. Unklar ist auch, ob die Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena gelingt.

Zweifel an einer Rettung der Monte Paschi sowie anderer Banken des Landes hatte vor einigen Tagen der Chef des italienischen Sparkassenverbandes ACRI, Giuseppe Guzzetti, genährt. Guzzetti geht davon aus, dass der Stabilisierungsfonds Atlante II deutlich unterfinanziert sei, berichtet wolfstreet.com. Der Fonds sei „nun außer Atmen“, sagte Guzzetti. Atlante II soll mit Geldern ausgestattet werden, um in Schieflage geratene Banken zu stützen und diesen ausfallgefährdete Kredite abzukaufen.

Die Äußerungen sind auch deshalb bemerkenswert, weil Guzzetti auch Vorsitzender der Bankiersstiftung Fondazione Cariplo ist – dem größten Anteilseigner des Vorgängerfonds Atlante I. „Die geringe Zahl an Beiträgen bedroht den Zweck, zu welchem Atlante gegründet wurde; nicht nur, um Bankenschieflagen zu vermeiden, sondern auch als ein Interventionsmechanismus um einen Markt für ausfallgefährdete Kredite zu schaffen“, sagte Guzzetti.

Scharfe Kritik übte Guzzetti an den französischen Großbanken BNP Paribas und Crédit Agricole. Diese seien offenbar nicht gewillt, sich an dem Fonds zu beteiligen, obwohl sie viele Kredite in Italien vergeben haben. „Ich musste mehrere Milliarden an den Fonds geben aber es gibt zwei große ausländische Banken – Crédit Agricole und BNP Paribas – die ihren Beitrag nicht erfüllt haben“, sagte Guzzetti.

Investoren halten inzwischen einen Euro-Austritt Italiens für wahrscheinlicher als einen griechischen Abschied. Wie die Investmentberatung Sentix am Dienstag zu einer Umfrage unter rund 1000 Anlegern mitteilte, steht damit erstmals die drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums stärker im Fokus der Finanzmärkte als das seit Jahren kriselnde Griechenland. Etwa jeder zehnte Investor gehe davon aus, dass Italien in den nächsten zwölf Monaten aus dem Euro-Raum ausscheide. Grund dafür sei „die prekäre Lage der italienischen Banken, die politischen Fragezeichen rund um das Verfassungsreferendum Anfang Dezember sowie das jahrelange konjunkturelle Siechtum“, sagte Sentix-Experte Manfred Hübner.

Zum Vergleich: Der sogenannte Euro Break-up Index von Sentix für Griechenland liegt nur noch bei rund 8,5 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit 2014. Das Land hängt bereits seit Jahren am Finanztropf seiner Euro-Partner. Das laufende dritte Rettungspaket hat insgesamt ein Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro.


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