Private Equity im freien Fall: Trumps Billionen-Schock
Donald Trumps Zollpolitik sowie die anhaltenden Kriege in Europa und dem Nahen Osten haben der Private-Equity-Branche massiv zugesetzt. Neue Zahlen zeigen, dass die Kapitalzuflüsse von Investoren in diesem Jahr um mehr als 79 Milliarden US-Dollar zurückgegangen sind.
In der ersten Jahreshälfte konnten Private-Equity-Fonds weltweit knapp 384 Milliarden US-Dollar einsammeln. Das entspricht einem Rückgang um 17 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus Daten des Branchenportals Private Equity International (PEI) hervorgeht. Prozentual bedeutet das ein Minus von 79 Milliarden Dollar. Ein derart schwaches Halbjahr gab es zuletzt im pandemiegeprägten Jahr 2020, als nur 307 Milliarden Dollar eingesammelt wurden.
Nordamerika dominiert, Europa mit leichtem Plus
Private-Equity-Fonds mit Fokus auf Nordamerika waren im ersten Halbjahr am aktivsten und zeichneten für 193 Milliarden Dollar der Kapitalzuflüsse verantwortlich – das entspricht etwa der Hälfte des gesamten Investitionsvolumens. Fonds mit Europa-Fokus verzeichneten ein wachsendes Interesse und sicherten sich 15 Prozent der Zuflüsse – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als der Anteil noch bei neun Prozent lag.
Laut PEI ist die protektionistische Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump einer der Hauptgründe für die abnehmende Investitionsbereitschaft. Die abrupte und unberechenbare Rhetorik des Präsidenten habe viele Investoren dazu veranlasst, ihre geografische Risikoverteilung neu zu bewerten – manche hätten geplante Investitionen ganz auf Eis gelegt.
Zusätzlich schürt der Krieg in der Ukraine sowie die Eskalation im Nahen Osten Angst und Unsicherheit an den Märkten – was die Kapitalströme weiter bremst.
Aussichten trüb und was Deutschland wissen muss
Die PEI-Daten zeigen zudem, dass es heute im Schnitt länger dauert, Fonds mit Investorenkapital zu füllen, als in früheren Jahren. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, wird die Branche im Gesamtjahr 2025 voraussichtlich rund 770 Milliarden Dollar einsammeln – deutlich unter den Erwartungen. „Die Daten verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen, denen sich die Private-Equity-Branche bei der Kapitalbeschaffung stellen muss – die erwarteten Erholungstendenzen für 2025 sind bislang ausgeblieben“, sagt James Sladden, Partner der internationalen Beratungsgesellschaft Campbell Lutyens.
Kapitalrückgang durch Zollpolitik und globale Krisen
Für deutsche institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Family Offices und Versicherungen ist die Unsicherheit in den USA ein zentraler Risikofaktor. Gleichzeitig eröffnet der Rückzug mancher Wettbewerber Chancen für gezielte Beteiligungen an europäischen Wachstumsunternehmen. Private Equity bleibt somit ein strategisches Thema – auch für Deutschland.
Die Kombination aus geopolitischer Instabilität und Trumps wirtschaftspolitischem Kurs hat die Private-Equity-Welt tief erschüttert. Für Investoren bietet sich ein schwieriges, aber auch chancenreiches Umfeld – vorausgesetzt, sie setzen auf Diversifikation und geografische Umsicht.

