Audi: Manipulationen könnten auch in Deutschland teuer werden

Audi gerät vollends in den Strudel der Abgas-Affäre. Es sind nicht nur die USA, die Audi Schwierigkeiten bereiten.

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Audi wird im Zuge der Abgasaffäre bei Volkswagen vom Bundesverkehrsministerium laut Reuters überprüft. Das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt sei angewiesen worden, dem Sachverhalt nachzugehen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Dem Ministerium selbst lägen keine Informationen über den Fall vor. Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hat die kalifornische Umweltbehörde Carb im Sommer dieses Jahres eine weitere Schummel-Software bei Audi entdeckt, die auch bei Fahrzeugen in Europa eingesetzt werde und CO2-Werte manipuliere. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte derweil Ermittlungen wegen Marktmanipulation gegen VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Dem Zeitungsbericht zufolge können Audi-Modelle mit einem bestimmten Automatik-Getriebe erkennen, ob sie auf einem Rollenprüfstand sind oder auf der Straße fahren. Werde das Lenkrad nach dem Start nicht bewegt, aktiviere sich ein Schaltprogramm für das Getriebe, das besonders wenig CO2 produziere. Andernfalls laufe das Fahrzeug mit einem anderen Programm, das mehr Kraftstoff verbrauche und mehr CO2 ausstoße.

Das betroffene Getriebe verwende Audi bei Autos mit leistungsstarken Motoren und sei in mehreren 100.000 Fahrzeuge eingebaut worden, berichtete das Blatt weiter. Audi habe den Einsatz der Software in den Getrieben im Mai 2016 gestoppt, kurz bevor Carb die Manipulation in einem älteren Modell entdeckte. Die VW-Tochter habe in dem Fall bereits mehrere verantwortliche Techniker suspendiert.

Der Verdacht ist brisant, denn die Kraftfahrzeugsteuer bemisst sich in Deutschland auch nach dem Kohlendioxidausstoß eines Fahrzeugs. Sollte hier geschummelt worden sein, könnten neue Verfahren auf Audi zukommen. Das Ingolstädter Unternehmen wollte sich nicht äußern.

Für Audi kommen die Untersuchungen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die VW-Tochter hatte vergangenes Jahr zugegeben, eine nach US-Recht als illegal geltende Software bei Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum eingebaut zu haben. Noch vor wenigen Tagen hatte Bezirksrichter Charles Breyer erklärt, Audi habe bei den Verhandlungen mit den US-Behörden über eine Lösung für die 85.000 betroffenen Fahrzeuge wesentliche Fortschritte gemacht. Er sei optimistisch, dass bis Anfang Dezember eine Einigung erzielt werden könne. Audi hat in diesem Jahr schon 752 Millionen Euro zurückgelegt für die Reparaturen und den noch ausstehenden Vergleich.

Der oberste Konzern-Aufseher Pötsch steht schon seit längerem in der Kritik von Investoren, weil er Finanzvorstand war, als der Dieselskandal im September 2015 bekanntwurde. Im Oktober 2015 wechselte er dann an die Spitze des Aufsichtsrats. Das Verfahren bezieht sich auf die Zeit, als Pötsch Finanzvorstand war.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig begründete ihre Ermittlungen gegen ihn mit Erkenntnissen aus den laufenden Untersuchungen. „Das hat sich erst aktuell ergeben“, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Worauf sich der Verdacht genau gründet, sagte er nicht. Auch sagte Ziehe nicht, seit wann Pötsch von den Abgasmanipulationen hätte wissen können. „Zur Zeitschiene sagen wir nichts.“ Die Braunschweiger Ermittler gehen bereits seit Sommer dem Verdacht nach, dass Volkswagen möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte. Nach einer Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin ermitteln die Strafverfolger seitdem bereits gegen VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren VW-Chef Martin Winterkorn. Damals hatte die Behörde noch ausdrücklich betont, dass Pötsch nicht im Visier sei.

Volkswagen hatte die Ermittlungen gegen Pötsch am Sonntag selbst bekannt gemacht. Dabei erklärte der Autobauer, gestützt durch interne und externe Rechtsexperten sehe man sich weiter in der Rechtsposition bestätigt, dass der Vorstand seine kapitalmarktrechtlichen Publizitätspflichten ordnungsgemäß erfüllt habe. Die Staatsanwaltschaft sieht das offenbar anders: „Zumindest halten wir das für überprüfungswürdig“, sagte Ziehe.

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