Donald Trump siegt, Aktienmärkte bleiben entspannt

Nach anfänglichen Verlusten hat sich die Lage an den Aktienmärkten überraschend schnell beruhigt.

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Donald Trumps Wahlsieg hat die globalen Finanzmärkte nur kurz durcheinandergebracht. Anleger verkauften am Mittwoch zunächst Aktien und andere risikoreiche Anlagen, berichtet Reuters. Einige Börsen brachen zu Handelsbeginn so stark ein wie zuletzt nach dem Brexit-Referendum. Der Dollar gab nach, am Ölmarkt ging es ebenfalls bergab. Gold war hingegen als „sicherer Hafen“ gefragt. An den asiatischen Börsen hatte es am frühen Morgen herbe Kurseinbrüche gegeben.

Doch allzu lange waren die auf einen Clinton-Sieg programmierten Algos nicht irritiert.

Dax und EuroStoxx50 halbierten ihre Anfangsverluste innerhalb der ersten Handelsstunde und notierten jeweils nur noch etwas mehr als ein Prozent im Minus bei 10.400 und 2980 Punkten. Auch an anderen europäischen Börsen wie in London und Paris hielten sich die Verluste nach anfänglicher Panik in Grenzen. Gleiches galt für Terminkontrakte auf die US-Aktienindizes, die zwischen 1,4 und 2,4 Prozent nachgaben.

Die wie meist immer erst NACH einem Ereignis kenntnisreichen Experten ruderten folglich auch dezent zurück.

„Solange Trumps Politik noch nicht klar ist, stellen seine Rhetorik in Bezug auf Handel, Einwanderung und internationale Zusammenarbeit eine Bedrohung für das Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit dar“, urteilten die Experten der Allianz -Fondstocher AllianzGI. „Europäische Aktien könnten nun ironischerweise im Vergleich zu den USA zu einem Bollwerk der Stabilität werden.“

Anlagestratege Richard Dunbar vom Vermögensverwalter Aberdeen rief dazu auf, kühlen Kopf zu bewahren. Aus den USA seien fast alle umwälzenden Technologien der vergangenen Jahre gekommen. Außerdem gebe es dort reichlich Kapital. „Nichts davon hat sich durch die Ereignisse dieser Nacht geändert.“

„Der Grund hierfür ist der versöhnliche Tenor von Trumps Siegesrede“, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Wahlsieger rief dazu auf, die Spaltung der Gesellschaft in seinem Land zu überwinden. Außerdem wolle er „fair“ mit der Weltgemeinschaft umgehen.

„Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen“, sagte Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Deutsche Asset Management. „Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen.“

„Aber auch ein Präsident Trump wird sich der Wahrheit stellen müssen“, betonten die Experten des Vermögensverwalters EuroSwitch. Die USA bestünden nicht nur aus Stahl- und Baufirmen. „Unternehmen wie Apple & Co. sind global vernetzt und auf den Freihandel angewiesen.“ Der Index für die europäische Automobil-Branche verlor dennoch 2,4 Prozent, weil Anleger fürchten, dass die Hersteller nun in den USA im Vergleich zu den heimischen Autokonzernen ins Hintertreffen geraten könnten.

Pharmawerte legten vier Prozent zu. Wahlverliererin Hillary Clinton hatte sich in den vergangenen Monaten für Zwangsrabatte auf Medikamente stark gemacht. Rüstungsfirmen wie Rheinmetall gehörten mit Kursgewinnen von 4,6 Prozent ebenfalls zu den Favoriten. Trump will die Verbündeten der USA an den Kosten für die Präsenz von US-Truppen zur Kasse bitten will, setzten Anleger Börsianern zufolge auf steigende Militärausgaben europäischer Staaten.

Der US-DOllar verlor zeitweise 3,7 Prozent auf 101,20 Yen und 2,3 Prozent auf 0,9951 Franken. Der Euro verteuerte sich um einen guten halben US-Cent auf 1,1080 Dollar. Der Goldpreis stieg um 1,7 Prozent auf 1297,19 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der Franken, der bei Investoren als Fluchtwährung in unsicheren Zeiten gilt, hielt sich jedoch relativ stabil und verlor zum Euro sogar leicht an Wert: Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Mittwoch gut 1,08 Franken und damit etwas mehr als am Dienstagabend. Auch der Dollar, der am Morgen gegenüber den meisten Währungen an Wert verloren hatte, grenzte nach einer versöhnlichen Siegesrede von Trump seine Verluste ein. Die US-Devise kostete zuletzt mit 0,9780 Franken soviel wie am Vortag.

Verschiedene Experten führten die weitgehend stabile Entwicklung auf Interventionen der SNB zurück. „Die Bewegung in den Schweizer-Franken-Wechselkursen legt nahe, dass die Schweizerische Nationalbank kräftig am Devisenmarkt interveniert hat“, erklärten die Analysten der Commerzbank. Die Notenbank hatte im Vorfeld bereits angekündigt, wenn nötig am Devisenmarkt einzugreifen, um den Franken zu schwächen und damit die heimische Exportwirtschaft zu stützen. Ein SNB-Sprecher wollte sich am Mittwoch nicht dazu äußern.

Härter traf es den mexikanischen Peso. Er reagiert besonders sensibel auf die Nachrichten rund um die Wahl im nördlichen Nachbarland USA, da Trump unter anderem Strafzölle auf mexikanische Waren plant und an der Grenze eine Mauer bauen will. Der Dollar stieg um bis zu 13,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 20,77 Peso und steuerte damit auf den größten Tagesgewinn seit 22 Jahren zu.

Die Furcht vor einem Einbruch des Mexiko-Geschäfts drückte die spanische Bank BBVA in Madrid bis zu neun Prozent ins Minus. Das Geldhaus macht mehr als 40 Prozent seiner Gewinne in dem Land. Am deutschen Aktienmarkt gehörte die Deutsche Bank mit einem Kursminus von 3,6 Prozent zu den größten Verlierern. Dem Geldhaus drohen in den USA milliardenschwere Strafen wegen Tricksereien am Immobilienmarkt.

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