Anleger verkaufen europaweit Bank-Aktien

Die Aktien europäischer Banken standen am Montag unter Verkaufsdruck. Besonders die Aussicht auf eine Regierungskrise in Italien machte Anleger skeptisch.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aus Sorge vor einer Regierungskrise in Italien sind Anleger am Montag auf Nummer sicher gegangen und haben sich mehrheitlich von Aktien getrennt, berichtet Reuters. Vor allem Finanzwerte gerieten unter Druck, da Investoren Rückschläge bei der Sanierung italienischer Institute befürchteten. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund ein Prozent auf 10.628 und 3030 Punkte. Der italienische Bankenindex rutschte sogar um bis zu 3,7 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief ab. „Die Investoren blicken mit Angst nach Italien“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Die Auswirkungen eines Nein-Votums könnten immens sein.“

Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass die Italiener die Verfassungsreform am 4. Dezember ablehnen. „Ob die Regierung dem innenpolitischen Druck nach einem Scheitern standhalten wird, ist zu bezweifeln“, erklärten die Analysten der National-Bank. „Neuwahlen mit ungewissen Ausgang wären die Folge.“

Aktionäre befürchten, dass ein Sturz der Regierung um Ministerpräsident Matteo Renzi die Sanierung der italienischen Banken erschwert. So benötigt die krisengebeutelte Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) weitere fünf Milliarden Euro. Eckpfeiler des Deals ist der Tausch von Schulden in Eigenkapital, für den die italienische Finanzaufsicht grünes Licht gab. BMPS-Titel brachen dennoch um rund elf Prozent ein. Unicredit verloren drei Prozent. Die HVB-Mutter benötigt bis zu 13 Milliarden Euro.

Auch US-Händler, die nach dem langen Wochenende wegen des Thanksgiving-Festes wieder an ihre Schreibtische zurückkehrten, stellten sich auf sinkende Kurse ein. Die Futures lagen kurz vor Handelsstart an der Wall Street im Minus.

Aktien von Banken aus anderen Ländern warfen Investoren ebenfalls aus ihren Depots. Deutsche Bank und Commerzbank rutschten um jeweils gut zwei Prozent ab. Der europäische Banken-Index büßte 1,5 Prozent ein. Die Anlagestrategen der DZ Bank verkauften ihre Positionen in europäischen Bankaktien. „Sollte Renzi tatsächlich die Abstimmung verlieren, droht eine erneute Phase der Unsicherheit am Markt, welche den Kursen europäischer Banken vermutlich überdurchschnittlich zusetzen könnte“, betonten sie.

Zu den größten Verlierern im Dax zählte auch die Lufthansa mit einem Kursminus von 1,9 Prozent. Die Piloten wollen am Dienstag und Mittwoch erneut die Arbeit ruhen lassen. Die Lufthansa will das gerichtlich angehen.

Im SDax verloren Stabilus 2,2 Prozent. Der Auto- und Industriezulieferer steigerte dank eines Zukaufs seinen Umsatz, enttäuschte Aktionäre aber mit einem zu konservativen Ausblick.

An den Rohstoffmärkten kamen Zweifen an den Plänen der Opec zur Förderbegrenzung von Öl auf, weil Top-Exporteur Saudi-Arabien eine Förderkürzung in Frage stellte. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent schwankte stark und lag zuletzt 0,7 Prozent im Plus bei 47,58 Dollar je Fass. Die Opec-Staaten treffen sich diese Woche in Wien, um konkrete Pläne zur Produktionsdrosselung zu vereinbaren. Experten zweifeln aber daran, ob ein Deal überhaupt gelingt.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick