Sorge vor Inflation: Anleger flüchten aus Staats-Anleihen

Investoren ziehen sich aus Anleihen zurück. Davon profitieren insbesondere Aktien. Es könnte das Ende eines Trends sein, der Jahrzehnte Bestand hatte.

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Viele Anleger ziehen sich derzeit aus dem Markt für Anleihen zurück. Der Hauptgrund für diese Absatzbewegung dürfte in den wirtschaftspolitischen Ankündigungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump zu finden sein. Denn ein in Aussicht gestelltes milliardenschweres Investitionsprogramm in die Infrastruktur und deutliche Steuernachlässe könnten zu einer verstärkten Inflationierung der Anleihezinsen und -rückzahlungen führen.

Der Bloomberg Barclays Global Aggregate Total Return Index – ein Index für weltweit gehandelte festverzinsliche Wertpapiere – sank im November um 4 Prozent und damit so deutlich wie zuletzt 1990, berichtet Bloomberg. Investoren haben in den zwei Wochen nach dem Wahlsieg Trumps etwa 10,7 Milliarden Dollar aus US-amerikanischen Anleihefonds gezogen – so viel wie zuletzt im Jahr 2013. Aktien scheinen einen Teil dieser freiwerdenden Gelder aufgenommen zu haben. Die Kurse der amerikanischen Indizes sind seit der Wahlnacht deutlich gestiegen.

„Die steigenden Inflationserwartungen und der daraus resultierende Druck auf die Renditen der Anleihen ist bemerkenswert“, wird ein Analyst der niederländischen Rabobank von Bloomberg zitiert. „Der Markt hat erstaunlich schnell auf den erwarteten reflationären Druck der Trump-Administration reagiert. Dies hat zu einer Rotation raus aus Anleihen, rein in Aktien geführt. Dies ist bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass die Machbarkeit der Pläne Trumps noch sehr ungewiss ist.“

Im November verlor der globale Anleiheindex etwa 1,7 Billionen Dollar an Wert. Die weltweiten Aktienmärkte verzeichneten hingegen Zuflüsse von etwa 635 Milliarden Dollar. Die Renditen zehnjähriger US-amerikanischer Anleihen stiegen um 56 Basispunkte. Die Renditen der deutschen Pendants stiegen auf aktuell 0,32 Prozent. Wenn Renditen von Anleihen steigen, sinken ihre Preise.

Der Chefanlagestrategen des Vermögensverwalter BlackRock, Richard Turnill, weißt auf die Implikationen dieser Entwicklung für das Management der Portfolios hin. „Amerikanische Staatsanleihen bleiben wichtige Diversifizierer, wenn riskante Anlagen einen Dämpfer erleiden, aber unsere Analysen zufolge gibt es andere Methoden der Diversifizierung im Umfeld steigender Renditen. Wir bevorzugen kürzer laufendende Bonds, deren Renditen teilweisen von den höheren Renditen abgeschirmt sind. Wir bevorzugen Wertaktien, deren Kurse bei steigenden Renditen der Anleihen oft mitsteigen. Wir setzen bei Aktien insbesondere auf die Bereiche Banken, Rohstoffkonzerne und Industriebetriebe.“

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