39 Tote und 70 Verletzte bei Anschlag auf Nachtclub in Istanbul

Die Türkei ist in der Neujahrsnacht erneut von einem schweren Anschlag erschüttert worden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Türkei ist in der Neujahrsnacht erneut von einem schweren Anschlag erschüttert worden. Bei einem bewaffneten Angriff auf einen Nachtclub in Istanbul wurden mindestens 39 Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt, wie Innenminister Süleyman Soylu mitteilte. Unter den Toten bei der Silvesterparty im berühmten Nachtclub Reina direkt am Ufer des Bosporus waren demnach auch mindestens 16 Ausländer.

Mit dem Anschlag habe der Attentäter nach den Worten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „Chaos“ verbreiten wollen. „Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren“, erklärte Erdogan am Sonntag. Die Türkei sei aber entschlossen, „den Kampf gegen den Terror“ fortzusetzen und alles Notwendige für die Sicherheit der Bürger zu unternehmen.

Nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Vasip Sahin erschoss mindestens ein Angreifer in einem Weihnachtsmannkostüm am frühen Sonntagmorgen gegen 01.15 Uhr einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang des Nachtclubs, bevor er im Innern wahllos um sich schoss. Der Attentäter habe „auf die brutalste und gnadenloseste Weise auf unschuldige Menschen gezielt, die nur hergekommen waren, um Silvester zu feiern und Spaß zu haben“, sagte Sahin.

Der Angreifer war zunächst flüchtig. Nach dem Täter werde in einer großangelegten Suchaktion gefahndet, sagte Innenminister Soylu. Er werde hoffentlich „bald gefasst“. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete von zwei Angreifern in Weihnachtsmannkostümen, dafür gab es zunächst jedoch keine Bestätigung.

Dogan zufolge feierten und tanzten zum Zeitpunkt des Angriffs rund 700 Menschen in dem berühmten Nachtclub am Ufer des Bosporus. Augenzeugen berichteten demnach, die Angreifer hätten Arabisch gesprochen. Gouverneur Sahin sprach am Anschlagsort von einem „Terroranschlag“. Zunächst bekannte sich jedoch niemand dazu.

Polizisten riegelten den Tatort ab. Zu sehen waren Partygäste, Männer in Anzügen und Frauen in Cocktailkleidern, die im Schockzustand den Nachtclub verließen. Dem Nachrichtensender NTV zufolge sprangen während des Angriffs mehrere Menschen in Panik in den Bosporus, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Maßnahmen zu ihrer Rettung dauerten an.

Der Nachtclub Reina im Viertel Ortaköy ist eine der vornehmsten Adressen in der Metropole und bei der Istanbuler Oberschicht sehr beliebt. Er liegt direkt am Ufer des Bosporus im Norden der Istanbuler Innenstadt, auf der europäischen Seite der Metropole. Nur wenige hundert Meter weiter hatten die offiziellen Silvesterfeierlichkeiten der Stadt stattgefunden.

Die deutsche Botschaft, die US-Botschaft und andere ausländische Vertretungen hatten vor Silvester zu besonderer Wachsamkeit während der Neujahrsfeiern aufgerufen. Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl Reisenden in Istanbul nach dem Anschlag, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und die weitere Entwicklung in den Medien und den eigenen Sicherheitshinweisen zu verfolgen.

Die Türkei wird seit mehr als einem Jahr immer wieder von Anschlägen erschüttert, für die militante Kurden und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich gemacht werden.

Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, von einem türkischen Polizisten erschossen. Zwei Tage vorher wurden bei einem Anschlag 14 Soldaten getötet und 56 weitere Menschen verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine radikale Splittergruppe der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Am 10. Dezember wurden bei einem Doppelanschlag auf Polizisten nach einem Spiel des Fußballvereins Besiktas Istanbul 44 Menschen getötet. Auch zu dieser Tat bekannten sich die Freiheitsfalken.

Im Juni wurden bei einem Selbstmordattentat im Istanbuler Atatürk-Flughafen 47 Menschen getötet, im August riss ein Selbstmordattentäter bei einer kurdischen Hochzeitsfeier in Gaziantep fast 60 Menschen mit in den Tod.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick