Deutsche Wirtschaft wächst wegen Staats-Ausgaben für Flüchtlinge

Die staatlichen Ausgaben für Flüchtlinge sind nach Ansicht von Ökonomen der Grund für das überraschend gute Wachstum des deutschen BIP.

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Trotz vieler internationaler Krisenherde ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr wieder kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 1,9 Prozent und damit so stark wie seit 2011 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mitteilte. 2015 hatte es ein Plus von 1,7 Prozent gegeben.

Schwung kommt vor allem vom privaten Konsum. Denn Rekordbeschäftigung, steigende Löhne sowie billiges Tanken und Heizen beflügelten die Kaufkraft der Verbraucher. Vor allem der Staatskonsum legte zu, da die öffentliche Hand erneut Milliarden ausgab, um Flüchtlinge unterzubringen und zu integrieren.

Von Reuters befragte Experten hatten mit 1,8 Prozent gerechnet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:

„2016 war das dritte Jahr in Folge, in dem das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts über dem Potenzialwachstum lag, und das trotz Schwellenländerkrise und politischer Unsicherheit. Einmal mehr war der private Konsum dank Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität der Wachstumstreiber Nummer eins. Unterstützung bekam er in besonderem Maße vom Staatskonsum, der in Folge des Flüchtlingsstroms so schnell wie zuletzt 1992 im Zuge der Wiedervereinigung wuchs. Aufgrund einer nur verhaltenen Ausfuhraktivität und politischer Unwägbarkeiten nahmen die Investitionen in Ausrüstungen nur vergleichsweise verhalten zu.“

CARSTEN BRZESKI, ING-DIBA:

„Die deutsche Wirtschaft ist eine Insel der Glückseligen. In der Tat haben sich die oft kontrovers diskutierte Flüchtlingskrise und die ultra-laxe Geldpolitik der EZB als Segen für die Konjunktur erwiesen. Dadurch wurde der Wirtschaftsaufschwung künstlich verlängert. 2017 wird er sich fortsetzen, wenn auch weniger stark.“

OLIVER RAKAU, DEUTSCHE BANK:

„Die Zahl ist minimal höher als von vielen Experten erwartet. Allerdings ist das Wachstumstempo überzeichnet. Das liegt daran, dass die Kosten für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge den staatlichen und auch privaten Konsum nach oben getrieben haben. 2017 wird dies wohl nicht mehr in gleichem Maße der Fall sein. Wir erwarten daher nur noch ein Wachstum von 1,1 Prozent.“

JÖRG ZEUNER, KFW BANKENGRUPPE:

„Deutschland überzeugte 2016 bereits das dritte Jahr infolge mit einem ordentlichen Realwachstumsergebnis und geht dank des guten Schlussquartals mit einigem Schwung in das neue Jahr. Die Binnennachfrage dürfte weiter solide zulegen, während die Exportmärkte in der Breite vor einer leichten Erholung stehen.“

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