Deutschland

IfW sieht Blasen-Bildung im deutschen Immobilien-Markt

Lesezeit: 1 min
13.03.2017 00:48
Das Institut für Weltwirtschaft sieht eine Blasen-Bildung im deutschen Immobilienmarkt. Einen Crash wie 2008 in den USA erwarten die Ökonomen allerdings in Deutschland nicht.
IfW sieht Blasen-Bildung im deutschen Immobilien-Markt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++WERBUNG+++

[vzaar id="2845103" width="600" height="338"]

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) setzt sich in seiner aktuellen Prognose kritisch mit der Geldpolitik der EZB auseinander und schreibt: „Die Europäische Zentralbank sollte heute ein klares Signal für ein baldiges Ende der ultraexpansiven Geldpolitik geben. Liquidität ist bereits überreichlich vorhanden, stattdessen trocknen die QE-Käufe die Wertpapiermärkte aus“, sagte Kooths. „Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen, etwa am Immobilien- oder Anleihemarkt, und desto schmerzhafter wird eine spätere Korrektur.“

Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter Prognosezentrum IfW, erklärt den Deutschen Wirtschafts Nachrichten die Hintergründe:

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Der Konsum steigt weniger stark an als zuletzt – warum?

Stefan Kooths: Maßgeblich ist der Kaufkraftentzug durch höhere Ölpreise.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie warnen vor „schmerzhaften Korrekturen“ zum Ende der aktuellen Geldpolitik – welche werden das sein?

Stefan Kooths: Mehr und mehr Finanzaktiva (auch im Bankensystem: Anleihen, Kreditforderungen) werden zu historisch niedrigen Zinsen abgeschlossen, zugleich steigt die Fristentransformation; mit der Zinswende wird es hier zu erheblichen Wertberichtigungen kommen, zugleich steigen die Refinanzierungskosten, beides kann erhebliche Spannungen im Finanzsystem erzeugen; zudem wird auch realwirtschaftlich Kapital aufgrund verzerrter Preissignale in falsche Verwendungen gelenkt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Sie schreiben, das QE trocknet die Wertpapiermärkte aus – was sind die Folgen?

Stefan Kooths: Am Repo-Markt kann man immer heftigere Kursauschläge vor Bilanzstichtagen beobachten; dies deutet darauf hin, dass gutes Kollateral immer knapper wird; insgesamt drängt die Geldpolitik damit die Anleger in risikoreichere Anlageformen („Anlagenotstand“); weil bestimmte institutionelle Anleger zum Teil auf sichere Anlageformen angewiesen sind (auch regulatorisch), kommen auch dort die Renditen (z. B. für Lebensversicherungen oder private Krankenversicherungen) immer mehr unter Druck.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Sehen Sie im deutschen Immobilienmarkt eine Blasen-Bildung?

Stefan Kooths: Ja. Weil Hypothekenkredite zu historisch niedrigen Zinsen erhältlich sind, steigt die Zahlungsbereitschaft für Immobilienwerte; nach einer Zinswende kann es auch hier bei der Refinanzierung zu Problemen kommen; allerdings schützt der vergleichsweise hohe Eigenanteil bei der Immobilienfinanzierung in Deutschland vor Exzessen, wie sie in anderen Ländern zu beobachten waren.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen 150-Euro-Freigrenze: Bund will Zoll-Schlupfllöcher für Shein, Temu und Co. stopfen helfen
24.05.2024

Der Einzelhandel ächzt unter der zunehmenden Konkurrenz von Billig-Importeuren wie Shein und Temu. Nun scheint es so, als wolle der Bund...

DWN
Politik
Politik Kritik am Hartz-IV-Nachfolger: Bestraft das Bürgergeld aufrichtige Arbeitnehmer?
24.05.2024

Nach Zeiten-, Energie- und Wirtschaftswende fordert jetzt auch die CDU eine Wende bei der Sozialpolitik. Arbeit soll sich wieder lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Was bei „Workation“ beachten? Umfassender Ratgeber zu Steuer- und Sozialversicherungsfragen
24.05.2024

Entdecken Sie die Welt der Workation - eine aufregende Mischung aus Arbeit und Urlaub! Arbeiten Sie von den schönsten Orten der Welt aus,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen „Workation“: Arbeiten am Strand und weit weg - das liegt voll im Trend
24.05.2024

„Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ wird immer beliebter neben Home-Office und Viertagewoche. „Workation“, wie der neue Trend...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warenhaus-Drama: Handelsexperte erwartet Zustimmung zum Galeria-Rettungsplan
24.05.2024

Die Gläubiger haben gegenüber der Warenhauskette Galeria Forderungen in Höhe von mehr als 880 Millionen Euro angemeldet. Sollten sie dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gallup-Studie: Viele Jugendliche ohne Berufsvorstellung in Deutschland und Großbritannien
24.05.2024

Eine neue Gallup-Studie zeigt, dass viele Jugendliche in Deutschland und Großbritannien keine klaren Berufsvorstellungen haben. Dies...

DWN
Panorama
Panorama Bundesgerichtshof bestätigt: Inflationsausgleichsprämie ist pfändbar
24.05.2024

Um Mitarbeitende bei stark gestiegenen Preisen zu entlasten, können Arbeitgeber ihnen eine Inflationsprämie zahlen. Aber darf die Prämie...

DWN
Politik
Politik Staatsakt: Steinmeier erwartet "härtere Jahre" - werden Bewährung bestehen
23.05.2024

Mehr politische Prominenz geht kaum: Zur Feier des Grundgesetzes versammelt sich die Spitze des Staates. Der Bundespräsident beschwört...