Finanzen

Nvidia-Aktie unter Druck: China zahlt vor und darf trotzdem zittern

Nvidia verschärft die Bedingungen für den Verkauf seiner leistungsstarken H200-Chips an chinesische Abnehmer deutlich. Steht das China-Geschäft der Nvidia-Aktie vor einer strategischen Zäsur?
12.01.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Nvidia-Aktie unter Druck: China zahlt vor und darf trotzdem zittern
Wird das verschärfte Abkommen mit China zur Gefahr für das Wachstum der Nvidia-Aktie? (Foto: dpa) Foto: Antonio Bordunovi

Nvidia-Aktie: Strengere Zahlungsbedingungen für chinesische Kunden

Nvidia verlangt von chinesischen Kunden, die H200-Chips erwerben wollen, künftig die vollständige Vorauszahlung der gesamten Bestellung. Aufträge müssen vollständig bezahlt werden, bevor sie bestätigt werden. Nach der Auftragserteilung sind weder Stornierungen noch Rückerstattungen oder Änderungen am Bestellumfang möglich. In Ausnahmefällen sollen statt Barzahlungen finanzielle Garantien oder bankinterne Sicherheiten akzeptiert werden, berichtet Reuters.

Die Pflicht zur Vorauszahlung für chinesische Kunden ist nicht neu. In der Vergangenheit reichte jedoch in einzelnen Fällen eine Anzahlung aus. Bei den H200-Chips geht Nvidia nun deutlich restriktiver vor. Hintergrund ist die Unsicherheit darüber, ob China die Einfuhr dieser Hochleistungsprozessoren letztlich genehmigen wird.

Hohe Nachfrage trifft auf begrenzte Liefermengen

Das slowenische Wirtschaftsportal Canik Finance berichtet unter Berufung auf Reuters, dass chinesische Technologieunternehmen mehr als zwei Millionen H200-Chips bestellt haben. Der Stückpreis liegt bei rund 27.000 US-Dollar. Das Bestellvolumen übersteigt die verfügbaren Lagerbestände von Nvidia deutlich, die sich auf etwa 700.000 Chips belaufen. Zwar haben chinesische Chip-Hersteller, darunter Huawei, eigene KI-Prozessoren wie den Ascend 910C entwickelt. In puncto Leistungsfähigkeit liegen diese jedoch weiterhin hinter den H200-Chips von Nvidia zurück. Besonders groß ist der Abstand beim Training umfangreicher und komplexer KI-Modelle.

Nach Informationen von Bloomberg könnte China bereits in diesem Quartal eine teilweise Genehmigung für den Import der H200-Chips erteilen. Demnach erwägen chinesische Behörden, den Import in begrenztem Umfang zuzulassen. Gleichzeitig soll der Einsatz der Chips in der Armee, in sensiblen staatlichen Einrichtungen, in der kritischen Infrastruktur sowie in sicherheitsrelevanten Bereichen untersagt werden. Das Portal The Information berichtete zudem, dass China mehrere heimische Technologieunternehmen aufgefordert habe, ihre Bestellungen von H200-Chips vorübergehend auszusetzen.

Neue Hürden für die Nvidia-Aktie

Für Deutschland ist die Entwicklung vor allem im Kontext der industriellen KI-Nutzung und der Halbleiterabhängigkeit relevant. Deutsche Industrieunternehmen und Rechenzentrumsbetreiber setzen bei KI-Anwendungen in großem Umfang auf Nvidia-Technologie. Eine weitere Politisierung der Lieferketten könnte mittelbar auch europäische Märkte betreffen, insbesondere bei steigenden Preisen oder eingeschränkter Verfügbarkeit leistungsfähiger KI-Hardware.

Für Anleger rückt die Nvidia-Aktie erneut in den Spannungsbogen zwischen geopolitischen Risiken und strukturellem Wachstum. Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte auf der Technologiemesse CES, dass die Nachfrage nach H200-Chips in China weiterhin hoch sei. Bereits platzierte Aufträge wertet das Unternehmen als Vertrauensbeweis und rechnet nicht mit einer gesonderten offiziellen Bestätigung durch chinesische Behörden. Dennoch zeigt der Kursrückgang von 2,1 Prozent, dass der Markt sensibel auf politische Unsicherheiten reagiert.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoverkäufe unter Druck: VW und Mercedes verlieren Absatz, BMW wächst leicht
12.01.2026

Die großen deutschen Autobauer starten mit unterschiedlichen Vorzeichen ins Jahr 2025. Während der VW-Konzern und Mercedes-Benz vor allem...

DWN
Finanzen
Finanzen Stepstone-Gehaltsreport 2026: Wie viel verdienen die Deutschen aktuell?
12.01.2026

Noch zählt das Gehalt nach wie vor zu den Tabuthemen in Deutschland. Ab Juni soll das EU-Entgelttransparenzgesetz mehr Klarheit bringen....

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie unter Druck: China zahlt vor und darf trotzdem zittern
12.01.2026

Nvidia verschärft die Bedingungen für den Verkauf seiner leistungsstarken H200-Chips an chinesische Abnehmer deutlich. Steht das...

DWN
Politik
Politik Grönland-Streit belastet Beziehungen – Europa wirbt um Lösung, Trump bleibt hart
12.01.2026

Europäische Staaten bemühen sich um eine diplomatische Lösung im Konflikt um Grönland, stoßen dabei jedoch auf wenig Entgegenkommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Trump plant Obergrenze für Kreditkartenzinsen – Finanzbranche zeigt sich besorgt
12.01.2026

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Zinsen für Kreditkarten zeitlich befristet begrenzen zu wollen, um Verbraucher vor hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU bietet chinesischen E-Auto-Herstellern Alternative zu Zusatz-Zöllen
12.01.2026

Statt die für 2024 geplanten Zusatz-Zölle zu erheben, schlägt die EU Herstellern von in China produzierten Elektroautos eine andere...

DWN
Politik
Politik Großbritannien entwickelt "Nightfall" Raketen für Ukraine
12.01.2026

Großbritannien plant, die Ukraine mit einer neu entwickelten ballistischen Kurzstreckenrakete zu unterstützen. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Powell im Visier der Justiz – Vorwürfe sorgen für Spannungen
12.01.2026

US-Notenbankchef Jerome Powell sieht sich aktuell nicht nur anhaltender Kritik von Präsident Trump ausgesetzt, sondern auch rechtlichen...