Politik

IWF rät Regierungen zu unauffälliger Abschaffung von Bargeld

Dieser Artikel ist nur für DWN-Abonnenten zugänglich. Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich unter „Gratismonat beginnen“.
09.04.2017 02:54
Lesezeit: 2 min

+++Werbung+++

[vzaar id="2845103" width="600" height="338"]

In einem Arbeitspapier zeigt der Internationale Währungsfonds Regierungen Strategien auf, wie der Widerstand der Bürger gegen eine Abschaffung des Bargeldes gebrochen werden kann. Der IWF empfiehlt, mit kleinen, unverdächtigen Maßnahmen zu beginnen.

In seinem aktuellen Arbeitspapier „The Macroeconomics of De-Cashing“ hat der IWF Strategien im Auge, wie der Widerstand der Bürger gegen eine Einschränkung oder Abschaffung von Bargeld gebrochen werden kann.

Der Ökonom Norbert Häring, der das Papier in Deutschland als erster entdeckt hat, hält das Papier für einen durchaus konkreten Arbeitsplan: Zwar sei die Abhandlung in neutralem Ton verfasst und es würden auch Vorteile von Bargeld aufgezeigt – insgesamt deute jedoch alles darauf hin, dass es sich quasi um einen Ratgeber für Regierungen handelt, welche die Nutzung von Bargeld einschränken möchten, schreibt Häring: „In den Schlussfolgerungen stehen Ratschläge, wie Regierungen den Widerstand der Bevölkerung unterlaufen und sie über ihre wahren Absichten täuschen können (...). Das Arbeitspapier kommt zu seinen Empfehlungen, wie man dem widerstrebenden Volk die Abschaffung des Bargelds unterjubeln kann, ohne zuvor überhaupt den Versuch zu unternehmen, ein Überwiegen der Nachteile über die Vorteile von Bargeld herzuleiten oder auch nur explizit zu behaupten.“

IWF-Analyst Alexei Kireyev vertritt in seinem Papier natürlich nur seine private Meinung. Allerdings ist es durchaus schon vorgekommen, dass sich die Meinung eines Analysten mit der Meinung der Institution deckt, die ihn für seine Analyse bezahlt. Kireyev schreibt:

„Obwohl sich einige Länder in wenigen Jahren des Bargelds entledigen werden, sollte eine komplette Abschaffung des Bargeldes in verschiedenen Schritten erfolgen. Der Prozess der Bargeld-Abschaffung könnte auf Basis von ursprünglichen und weitgehend akzeptierten Maßnahmen wie der Abschaffung großer Scheine, der Festsetzung von Transaktionsobergrenzen und der Pflicht zur Kennzeichnung von Bargeld beim Grenzübertritt fortgeführt werden. Weitere Schritte könnten wirtschaftliche Anreize zur Reduzierung von Bargeld bei Transaktionen, eine weitergehende Digitalisierung des Finanzsystems oder Erleichterungen bei mobilem Bezahlen sein.“

Wichtig sei zudem, dass eine Bargeld-Abschaffung als Folge der Innovationen privater Unternehmen und nicht als Maßnahme des Staates zu erkennen sei:

„Eine vom Privatsektor angeführte Bargeld-Abschaffung scheint einer vom öffentlichen Sektor angeführten Bargeld-Abschaffung vorzuziehen zu sein. Die erste scheint fast gänzlich gutartig zu sein (beispielsweise, indem mehr Smartphones zum Bezahlen verwendet werden), braucht aber noch eine politische Adaption. Die zweite erscheint zweifelhafter und viele Menschen haben berechtigte Einwände dagegen. (…) In jedem Fall sollte eine durch Anordnung erzwungene Bargeld-Abschaffung vermieden werden, weil sich Bargeld großer Beliebtheit erfreut.“

Laut IWF muss der Eindruck verhindert werden, dass mit einer Bargeld-Abschaffung eine Ausweitung der Kontrolle über die Bürger einhergehe:

„Ein zielgerichtetes, weitreichendes Programm ist nötig, um das mit einer Bargeld-Abschaffung verbundene Misstrauen zu lindern, insbesondere, dass die Behörden durch eine Bargeld-Abschaffung alle Aspekte des Lebens der Bürger kontrollieren wollen, inklusive deren Geldverwendung und um deren Ersparnisse auf die Banken zu drängen. Der Prozess der Bargeld-Abschaffung erhält mehr Kraft, wenn er auf der individuellen Wahl des Konsumenten oder auf Kosten-Nutzen-Überlegungen basiert.“

Unumwunden gibt der IWF zu, dass eine Bargeld-Abschaffung im Interesse der Banken liege:

„Weil eine Bargeld-Abschaffung dazu führt, dass Marktteilnehmer ihr Geld auf die Konten übertragen, erhöhen sich die Einlagen des Bankensystems, was zu tieferen Kreditzinsen und mehr Kreditvergabe führen kann.“

Der IWF ist mit seiner Idee einer Zurückdrängung des Bargeld-Gebrauchs nicht allein. Vorstöße, die auf eine Einschränkung oder Abschaffung des Bargeld-Gebrauchs abzielen, haben sich in den vergangenen Jahren gehäuft. Meist werden diese mit dem Kampf gegen Schwarzarbeit, Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung begründet. Dies erscheint zwar plausibel. Wahrscheinlich ist aber, dass die Forderungen nach einer Digitalisierung des Geldes weit weniger altruistische Gründe haben. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass Bargeld die einzige Möglichkeit der Bürger darstellt, ihre Ersparnisse vor dem Zugriff der Staaten und Banken und etwaiger Sonderabgaben oder Vermögenssteuern zu schützen. Eine solche Sondersteuer auf Vermögen hatte der IWF vor gar nicht allzu langer Zeit gefordert.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

DWN
Panorama
Panorama Marode Infrastruktur: Deutschlands bröckelnde Brücken - Geld allein reicht nicht
03.04.2025

500 Milliarden aus dem Schuldenpaket von Union und SPD sollen in die marode Infrastruktur fließen: Brücken, Schienen und Straßen – oft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trump-Zölle könnten Preiskarussell, Zinserhöhungen und Insolvenzen anheizen - die EU bereitet sich vor
02.04.2025

Die Regierungen weltweit bereiten sich auf die massive Einführung von Zöllen durch US-Präsident Donald Trump vor, die, so sein Plan,...

DWN
Finanzen
Finanzen Tesla-Aktie stürzt ab: Miese Tesla-Auslieferungen belasten - was das für Anleger bedeutet
02.04.2025

Die weltweiten Auslieferungen des US-Autobauers Tesla sind im vergangenen Quartal um 13 Prozent auf 336.681 Fahrzeuge zurückgegangen....

DWN
Panorama
Panorama Polizei: Kriminalstatistik 2024 zeigt Ausländeranteil bei Gewaltdelikten in Deutschland steigt deutlich
02.04.2025

Die Kriminalstatistik der Polizei offenbart ein besorgniserregendes Bild: Die Zahl der erfassten Gewalttaten ist 2024 um 1,5 Prozent...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz erwägt Ausstieg aus dem Billigsegment in den USA aufgrund von Trump-Zöllen
02.04.2025

Die Mercedes-Benz Group prüft derzeit, ob sie ihre günstigsten Fahrzeugmodelle in den USA aus dem Sortiment nimmt. Hintergrund sind die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Volatile Märkte vor Trumps Zollerklärung
02.04.2025

Die US-Börsen dürften überwiegend mit Verlusten in den Mittwochshandel starten, vorbörslich stecken die Technologieindizes an der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DWS-Aktie unter Druck: Deutsche-Bank-Tochter muss Millionenstrafe wegen Greenwashing zahlen
02.04.2025

Die DWS, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, wurde in Deutschland zu einer Millionenstrafe wegen "Greenwashing"-Vorwürfen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kurzarbeit statt Massenarbeitslosigkeit? Verlängerung des Kurzarbeitergeldes steht in der Kritik
02.04.2025

Die Wirtschaft steckt fest in einer Strukturkrise: seit 5 Jahren kein Wachstum. Die Folge: Immer mehr Unternehmen bauen Stellen ganz ab...