Politik

Falsche Daten, statistische Mängel: Deutsche Klimaforscher ziehen Studie zum Klimawandel zurück

Falsche Wirtschaftsdaten zu Usbekistan, statistische Mängel: Nach einiger Kritik ziehen Klimaforscher eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) über die globalen Folgen des Klimawandels zurück.
03.12.2025 20:22
Lesezeit: 2 min
Falsche Daten, statistische Mängel: Deutsche Klimaforscher ziehen Studie zum Klimawandel zurück
Nach Kritik von mehreren Forschern hat ein deutsches Team eine Klimastudie von 2024 aus dem Fachjournal „Nature“ zurückgezogen. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Team deutscher Klimaforscher zieht Studie zurück

Nach Kritik von mehreren Forschern hat ein deutsches Team eine Klimastudie von 2024 aus dem Fachjournal „Nature“ zurückgezogen. Die Kernaussage habe weiter Bestand, schreibt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), wo die Studie entstanden war: „Bis 2050 werden die wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel die Kosten für Klimaschutz deutlich übersteigen.“ Die Studie („The economic commitment of climate change“) war am 17. April 2024 erschienen.

Am 6. August 2025 veröffentlichte „Nature“ eine Kritik von Solomon Hsiang von der Stanford University und zwei weiteren US-Forschern. Wirtschaftsdaten der Studie zu Usbekistan wichen demnach stark von denen der Weltbank zu diesem Land ab. Sie hätten einen erheblichen Einfluss auf die vorhergesagten Auswirkungen des Klimawandels. Das Studienteam führt dies auf eine fehlerhafte Umrechnung der Daten einiger Jahre zum Wirtschaftswachstum von Usbekistan zurück. Die Studie unterschätze auch statistische Unsicherheiten in Prognosen zu Klimaauswirkungen, heißt es in der Kritik.

Falsche Wirtschaftsdaten zu Usbekistan

Am 13. August publizierte das Fachjournal eine Kritik von Christof Schötz (TU München und PIK). Demnach wurden in der Studie statistische Korrelationen zwischen einzelnen Regionen nicht berücksichtigt. Werde dies korrekt getan, führe das zu deutlich größeren statistischen Unsicherheiten als in der Studie angegeben.

Das Team um Leonie Wenz vom PIK hat in Reaktion auf die Kritiken seine Studie überarbeitet und ins Netz gestellt, um einen Austausch darüber zu ermöglichen. Das PIK verweist ausdrücklich darauf, dass diese Fassung noch nicht begutachtet ist. Demnach könnte etwa die weltweite Wirtschaftsleistung Mitte dieses Jahrhunderts um 17 Prozent niedriger sein als ohne weiteren Klimawandel. In der „Nature“-Studie von 2024 waren 19 Prozent prognostiziert worden. Die jährlichen globalen Klimaschäden zur Mitte dieses Jahrhunderts in Dollar sind demnach nicht wie ursprünglich berechnet sechs-, sondern fünfmal so groß wie die Vermeidungskosten zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad.

„Unsere Kernaussagen haben Bestand und werden von einer wachsenden Fachliteratur bestätigt“, sagte Wenz. „Immer mehr Studien zeigen, wie gravierend die Schäden des Klimawandels sind und dass es ein klares ökonomisches Argument für mehr Klimaschutz gibt.“

Das Team wolle auf Grundlage des Feedbacks aus der wissenschaftlichen Community – auf die Studie und die überarbeitete Fassung – eine Neufassung der Studie zur Begutachtung einreichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie Hitzewelle leert die Regale: Klimageräte werden knapp
17.07.2026

Die nächste Hitzewelle trifft viele Verbraucher unvorbereitet: Ventilatoren und Klimageräte sind vielerorts ausverkauft, Nachschub lässt...

DWN
Panorama
Panorama Oasis-Index: Was kosten 5 Bier und 2 Schachteln Zigaretten weltweit?
17.07.2026

Die globale Preisordnung gerät ins Wanken: Während Japan überraschend günstig wird, explodieren anderswo Mieten, Nebenkosten und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk bricht um 12 Prozent ein, während sich der Ausverkauf bei Chip-Aktien verschärft title
16.07.2026

Ein turbulenter Handelstag an der Wall Street sorgt für weitreichende Verschiebungen und überraschende Bewegungen bei Einzelwerten.

DWN
Politik
Politik Führungswechsel in Kiew: Proteste überschatten Wahl der neuen ukrainischen Regierung
16.07.2026

Mitten im Abwehrkampf gegen Russland erlebt die Ukraine eine dramatische Regierungsumbildung. Während das Parlament in Kiew mit Serhij...

DWN
Politik
Politik Konflikt im Nahen Osten: Iran signalisiert Verhandlungsbereitschaft trotz neuer Drohungen
16.07.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erreicht eine neue Rolltreppe der Eskalation. Während Washington den militärischen Druck...

DWN
Politik
Politik EU-Asylreform: Italien blockiert weiter Rücknahmen
16.07.2026

Die neuen EU-Asylregeln sollen eigentlich klären, welcher Mitgliedstaat für Schutzsuchende zuständig ist. Doch ein Bericht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Aktienkäufe: Die Notenbank als letzter Retter der Börse
16.07.2026

Beim nächsten großen Börsencrash könnte die US-Notenbank zu einem Mittel greifen, das bislang als Tabubruch gilt: dem Kauf von...

DWN
Panorama
Panorama Miteinander statt Frust: Wie der Bund das Heimatgefühl vor Ort stärken will
16.07.2026

Geschlossene Läden, fehlende Ärzte und teurer Wohnraum sorgen vielerorts für Frust. Die Bundesregierung will Alltagsproblemen in Stadt...