Die Grundlagen des amerikanischen Erfolgs geraten unter Druck
Die Wirtschaftspolitik der USA ist in den vergangenen Jahren deutlich weniger sinnvoll geworden, schreiben unsere Kollegen von Børsen in einem Kommentar. Von Obamas teurer Reform des Gesundheitswesens, die mit einer Mischung aus Zahlungen an Sonderinteressen und Lügen über die Kosten durchgestimmt wurde, über die erste Trump-Amtszeit mit einer Mischung aus vernünftigen Steuerreformen und inkompetenten Versuchen, bestimmte Industrien vor internationaler Konkurrenz zu schützen, hat sich die Politik weiter zugespitzt. Sie reichte von Präsident Bidens Inkompetenz und seinen Zugeständnissen an den äußersten Flügel seiner Partei bis zu Präsident Trumps direkt bizarren wirtschaftlichen Ideen.
Wie ein amerikanischer Kollege kürzlich fragte. Ist die US-Wirtschaft dabei, wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen? Der Hintergrund seiner Verwunderung war, dass die USA über den größten Teil eines Jahrhunderts hinweg die vielleicht dynamischste Volkswirtschaft der Welt waren. Eine lange Reihe der größten Unternehmen der Welt ist amerikanisch, von Öl- und Autokonzernen, die vor mehr als 120 Jahren gegründet wurden, bis zu Giganten wie Amazon, Nvidia und SpaceX aus den vergangenen 30 Jahren.
Die US-Wirtschaft hat es mit einer Kombination aus weitverbreiteter wirtschaftlicher Freiheit, einer unternehmerischen Kultur und der Fähigkeit, qualifizierte Einwanderung aus dem Rest der Welt anzuziehen, geschafft, Innovation und Produktivität in einem Ausmaß zu fördern, das sich auch positiv auf den Rest der Welt auswirkt.
Das hat auch dazu geführt, dass sich eine lange Reihe ausländischer Unternehmen im Land niedergelassen hat, um an der Spitze der Entwicklung dabei zu sein. Das gilt nicht nur für das dänische Unternehmen Novo Nordisk. Selbst der europäische Luftfahrtgigant Airbus hat Standorte unter anderem in Virginia und Alabama.
Trump stellt die Offenheit der US-Wirtschaft infrage
Die Frage, die sich derzeit viele stellen, lautet, ob sich diese Lage grundlegend verändert. Zugespitzt fragen sie, ob die USA langsam wirtschaftlichen Selbstmord begehen oder sich zumindest selbst als Wirtschaftsmacht irrelevant machen.
Der Grund für diese Frage liegt darin, dass Präsident Trump genau jene Elemente zu untergraben beginnt, die die US-Wirtschaft groß gemacht haben. Das betrifft nicht nur sein Beharren darauf, die Märkte der USA gegen internationale Konkurrenz abzuschotten. Es handelt sich um eine Politik, die 250 Jahren wirtschaftlicher Forschung und Erfahrung direkt widerspricht. Hinzu kommt sein faktischer Stopp der Einwanderung hochqualifizierter Forscher und Mitarbeiter für die Industrie.
Kapitalistische Kommandowirtschaft
Es betrifft auch Trumps große Schritte hin zu einem Gesellschaftsmodell, das der britische Ökonom Christopher Snowdon kürzlich als "kapitalistische Kommandowirtschaft" bezeichnete. Der Staat und die Trump-Familie selbst haben strategisch Eigentumsanteile an einer langen Reihe privater Unternehmen erworben und nutzen diese Beteiligungen, um sie zu politischem Handeln zu zwingen. Im Gegenzug erhalten Unternehmen, an denen die Regierung Anteile hält, besondere Ausnahmen, Unterstützung und Zollschutz.
Nicht zuletzt die Geschichte Lateinamerikas zeigt klar, dass diese Art der Vermischung von Politik und halbprivater Unternehmensführung auf längere Sicht das Bedürfnis der Wirtschaft nach Innovation zerstört. Wenn die Wirtschaft politisch gesteuert wird und Politik stets als "Lösung" für mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dient, kommt die Dynamik zum Stillstand. Dennoch ist genau dies die Richtung, die die USA unter Trump eingeschlagen haben.
Für Deutschland ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Die deutsche Exportwirtschaft, die Industrie und zahlreiche Mittelständler hängen an offenen Märkten, stabilen Investitionsbedingungen und berechenbaren Regeln in den USA. Wenn die US-Wirtschaft stärker protektionistisch, politisch gelenkt und weniger innovationsfreundlich wird, geraten auch deutsche Unternehmen unter Druck, die in Amerika produzieren, investieren oder von amerikanischer Technologie abhängen. Zugleich könnte Europa profitieren, falls hochqualifizierte Fachkräfte, Forschungskapital und innovative Unternehmen Alternativen zum Standort USA suchen.
Das Fazit fällt entsprechend ernst aus. Die US-Wirtschaft bleibt ein globales Kraftzentrum, doch ihre eigene Politik beginnt, die Grundlagen dieses Erfolgs auszuhöhlen. Wenn Offenheit, Wettbewerb, qualifizierte Zuwanderung und unternehmerische Freiheit durch politische Steuerung und Sonderinteressen ersetzt werden, verliert Amerika nicht nur an Dynamik. Es schwächt auch jene Weltwirtschaft, von der Deutschland in besonderem Maße abhängt.

