Wirtschaft

Widerstand gegen Trumps Handelspolitik wächst: US-Wirtschaftseliten warnen vor „nuklearem Wirtschaftskrieg“

Die Geduld der amerikanischen Wirtschaftsführer ist am Ende: Immer mehr Topmanager und Großinvestoren kritisieren die erratische Handelspolitik von Donald Trump – und denken offen über juristische Schritte nach. Der Handelskrieg mit China könnte zum größten wirtschaftspolitischen Debakel der US-Geschichte werden.
11.04.2025 11:03
Lesezeit: 3 min

US-Topmanager formieren Widerstand gegen Trump

Der wirtschaftspolitische Kurs des früheren US-Präsidenten Donald Trump steht zunehmend unter Beschuss – nicht von politischen Gegnern, sondern von jenen, die einst zu seinen Unterstützern zählten: den Spitzen der amerikanischen Wirtschaft. Was sich derzeit hinter verschlossenen Türen abspielt, deutet auf eine mögliche Zeitenwende hin.

Ein wachsender Kreis prominenter Wirtschaftsführer warnt davor, dass Trumps Eskalationsstrategie in Sachen Handelskrieg nicht nur Arbeitsplätze koste, sondern die gesamte ökonomische Basis der Vereinigten Staaten gefährde. Einige Unternehmer erwägen sogar, juristische Schritte gegen den Ex-Präsidenten einzuleiten.

Ken Griffin: Zollpolitik als Angriff auf die Mittelschicht

Ken Griffin, milliardenschwerer Hedgefonds-Manager und langjähriger Unterstützer der Republikaner, spricht aus, was viele denken – aber bislang nicht öffentlich zu sagen wagten. Trumps neue Zölle, so Griffin, seien nichts anderes als eine gigantische Steuererhöhung für die amerikanische Mittelschicht.

„Man kann nicht ernsthaft Familien mit einem Jahreseinkommen von 50.000 Dollar erklären, dass sie künftig 30 bis 40 Prozent mehr für Alltagsprodukte bezahlen müssen“, sagte Griffin auf einer Veranstaltung an der University of Miami. Der Zollkrieg sei „ein politischer Fehler historischen Ausmaßes“.

Ackman warnt vor wirtschaftlichem Flächenbrand

Auch Hedgefonds-Star Bill Ackman meldete sich auf dem Netzwerk X (ehemals Twitter) zu Wort. Er forderte eine sofortige 90-tägige Waffenruhe im Zollkrieg, um das „wirtschaftliche Inferno“ zu stoppen. Sollte dies nicht geschehen, drohe ein globaler Wirtschaftskrieg mit massiven Investitionsstopps und Konsumverweigerung in den USA.

Ackman warnt: „Die Vereinigten Staaten sind dabei, ihren wirtschaftlichen Ruf irreparabel zu beschädigen – und die Wiederherstellung wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.“

Musk gegen Navarro – ein öffentlicher Schlagabtausch

Besonders öffentlichkeitswirksam ist der Konflikt zwischen Elon Musk und Trumps ehemaligen Handelsberater Peter Navarro eskaliert. Musk, der eine Freihandelszone mit Europa fordert, beschimpfte Navarro als „dümmer als ein Sack Ziegelsteine“ – und entschuldigte sich später ironisch „bei den Ziegelsteinen“. Navarro wiederum nannte Musk einen „Autosammler“, der nur vorgefertigte Teile zusammenbaue.

Der öffentliche Disput zeigt exemplarisch, wie sehr sich die wirtschaftliche Elite von Trumps protektionistischer Agenda entfernt hat.

Klagewelle in Vorbereitung – aber Angst vor Repression

Wie das Wall Street Journal berichtet, prüfen mehrere Wirtschaftsverbände – darunter die US-Handelskammer und die Consumer Technology Association – konkrete juristische Schritte gegen Trump. Der Grund: Die Anwendung des International Emergency Economic Powers Act als rechtliche Grundlage für die Zollerhöhungen gilt unter Experten als nicht haltbar.

„Unsere Anwälte sind sich einig: Die Maßnahmen sind illegal“, so Gary Shapiro, Chef der Consumer Technology Association. Doch gleichzeitig ist die Sorge groß, dass Trump im Falle einer Klage erneut zur Eskalation greift – wirtschaftlich wie politisch.

Finanzmärkte reagieren – der Vertrauensverlust ist spürbar

An den Börsen zeichnete sich in den vergangenen Tagen eine klare Reaktion ab: massive Kursverluste bei Tech-Werten, Kapitalflucht aus US-Staatsanleihen, Unsicherheit bei Investoren. Selbst Unternehmen wie Microsoft und Alphabet – bislang als stabile Giganten gefeiert – verloren deutlich an Wert.

Die Unsicherheit hat auch die wohlhabenden Unterstützer Trumps erfasst. Ryan Cohen, CEO von Gamestop und bisheriger Trump-Sympathisant, schrieb auf X sarkastisch: „Zölle machen mich zum Demokraten. Ich kann mein 10.000-Dollar-iPhone kaum erwarten.“

Hinter verschlossenen Türen: Das Schweigen der CEOs

Laut Jeffrey Sonnenfeld, Professor an der Yale School of Management, herrscht unter US-Managern „allgemeine Abscheu“ gegenüber Trumps Wirtschaftspolitik. In einer nicht-öffentlichen Umfrage unter mehreren Dutzend CEOs wurde deutlich: Viele wollen sich gegen Trump stellen – wagen aber nicht den ersten Schritt.

„Sie haben Angst, dass Trump direkt gegen sie oder ihre Unternehmen vorgeht“, so Sonnenfeld. „Doch der Druck wächst, etwas zu unternehmen.“

Fazit: Die Uhr tickt – Trump gegen die eigene Elite

Die Konfrontation zwischen Donald Trump und der US-Wirtschaft hat eine neue Stufe erreicht. Noch ist die Widerstandsbewegung jung und von Zurückhaltung geprägt. Doch das Klima kippt. Wenn Trumps Politik weiter in Richtung eines umfassenden Protektionismus steuert, könnten aus leisen Stimmen schon bald juristische Klagen und massive wirtschaftliche Gegenreaktionen werden.

Trumps Alleingänge haben die globale Ordnung bereits ins Wanken gebracht. Nun könnte sich das Pendel in die andere Richtung bewegen – getrieben von jenen, die am meisten zu verlieren haben: den Architekten der amerikanischen Wirtschaft.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Künstliche Intelligenz hält Wall Street auf Rekordkurs
07.01.2026

Die US-Aktienmärkte stiegen am Dienstag, gestützt durch künstliche Intelligenz, auf neue Rekordhochs, während Investoren auf die...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation 2025: Preise steigen weiter in Deutschland
06.01.2026

Die Inflation in Deutschland hat 2025 im Jahresschnitt 2,2 Prozent erreicht. Nach der hohen Teuerungswelle der vergangenen Jahre entspannt...

DWN
Politik
Politik Trump droht Kolumbien und Mexiko
06.01.2026

Die Aussagen aus Washington signalisieren eine neue Eskalationsstufe in der US-Politik gegenüber Lateinamerika. Droht daraus eine...

DWN
Politik
Politik Lobbyregister: Finanzbranche lobbyiert mit Hunderten Vertretern im Bundestag
06.01.2026

Das Lobbyregister zeigt, wer im Bundestag versucht, Politik zu beeinflussen. Eine Auswertung zeigt: Die Finanzbranche setzt viel Geld ein.

DWN
Technologie
Technologie KI-Kompetenz im Maschinenbau: Warum Firmen Nachwuchsprobleme sehen
06.01.2026

Künstliche Intelligenz verändert den Maschinenbau rasant – doch beim Nachwuchs klafft eine Lücke. Während Unternehmen KI-Kompetenz...

DWN
Politik
Politik Kampf um Grönland
06.01.2026

Trump will Grönland für die USA sichern – doch Europas Spitzenpolitiker setzen klare Grenzen. Dänemark und Grönland entscheiden...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategien für 2026: Anleger zwischen Risiko und Neuausrichtung
06.01.2026

Die Finanzmärkte gehen mit erhöhten Risiken und politischen Unsicherheiten in das Jahr 2026. Wie lassen sich Vermögen und persönliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Recruiting: Chancen und Risiken bei der digitalen Personalauswahl
06.01.2026

Algorithmen führen Bewerbungsgespräche, analysieren Lebensläufe und treffen Vorauswahlen. Doch die KI-Rekrutierung birgt Risiken. Der...