Finanzen

Munich Re-Aktie fällt: Rückversicherer spürt Preisdruck trotz Rekordgewinn

Die Munich Re-Aktie erlebt nach einem Rekordgewinn überraschend Gegenwind. Trotz starker Halbjahreszahlen dämpfen sinkende Preise und eine gekürzte Umsatzprognose die Euphorie.
08.08.2025 14:55
Lesezeit: 3 min

Munich Re-Aktie fällt: Rekordgewinn reicht nicht, Preisdruck dominiert

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re (ISIN: DE0008430026) kam im zweiten Quartal bei Naturkatastrophen außergewöhnlich glimpflich davon. Nach dem bereits im Juli vermeldeten Rekordgewinn sieht der scheidende Vorstandschef Joachim Wenning den Konzern für 2025 weiterhin "voll auf Kurs". Im Kerngeschäft muss die Munich Re jedoch erneut einen Preisrückgang hinnehmen und senkt zudem ihre Umsatzprognose für 2025. Die Nachricht kam am Finanzmarkt nicht gut an.

Nach einem soliden Kursanstieg seit Jahresbeginn verlor die Munich Re-Aktie am Vormittag bis zu knapp acht Prozent und rutschte auf annähernd 560 Euro ab. Damit war das Papier der Münchener Rückversicherung damit größter Verlierer im DAX. In den Tagen vor der Quartalszahlen-Veröffentlichung hatte das Papier kräftig zugelegt und sich wieder dem Rekordhoch von 615,80 Euro aus dem April angenähert. Mit dem Kursverlust sank das Plus im laufenden Jahr auf gut 15 Prozent.

Sektorweite Verluste bei Versicherungswerten

Die Schwäche zog den gesamten europäischen Versicherungssektor nach unten. In Deutschland fielen Hannover Rück (ISIN: DE0008402215), Allianz (ISIN: DE0008404005) und Talanx (ISIN: DE000TLX1005) um bis zu dreieinhalb Prozent. In Zürich büßte die Swiss Re-Aktie (ISIN: CH0126881561) zwei Prozent ein, in Paris hielten sich Scor (ISIN: FR0010411983) mit minus 0,6 Prozent vergleichsweise stabil.

Im zweiten Quartal verursachten Naturkatastrophen im Schaden- und Unfallbereich der Munich Re lediglich 20 Millionen Euro Kosten. Ein Jahr zuvor lag dieser Betrag bei über einer halben Milliarde Euro. Der Überschuss kletterte infolgedessen um rund 30 Prozent auf nahezu 2,1 Milliarden Euro, wie der Rückversicherer bereits im Juli berichtet hatte. In der Schaden- und Unfall-Rückversicherung und der neuen Industriesparte GSI blieb deutlich mehr vom Versicherungsumsatz übrig als im Vorjahr: Die kombinierten Schaden-Kosten-Quoten lagen mit 61,0 und 77,9 Prozent klar unter der 100-Prozent-Marke und verbesserten sich stark.

Munich Re: Unterschiedliche Entwicklung in den Sparten

Die Lebensrückversicherung und die Düsseldorfer Ergo verzeichneten hingegen sinkende Gewinne. Die Kapitalanlagen warfen mit 2,2 Milliarden Euro fast das Anderthalbfache des Vorjahres ein. "So konnten wir auch die Belastung durch Währungsverluste infolge der Schwäche des US-Dollars abfedern", erklärte Wenning. Mit einem Überschuss von 3,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr sieht Wenning die Munich Re gut unterwegs zum angepeilten Jahresgewinn von 6 Milliarden Euro.

Für Wenning war es die vorletzte Quartalsbilanz der Munich Re unter seiner Leitung. Er verlängert seinen Vertrag nicht und übergibt den Chefposten am 1. Januar 2026 an Finanzvorstand Christoph Jurecka. Einen größeren Strategiewechsel erwartet der designierte Vorstandschef nicht, wie er in einer Videokonferenz erklärte.

Preise im Kerngeschäft der Münchener Rück erneut gesunken

Im Kerngeschäft muss die Munich Re nach Jahren steigender Prämien erneut niedrigere Preise akzeptieren. Bei der Vertragserneuerung mit Erstversicherern wie Allianz und Generali (ISIN: IT0000062072) zum 1. Juli gingen die Preise risikobereinigt um 2,5 Prozent zurück. Das Niveau sei dennoch attraktiv, sagte Wenning. Von einem "Schmerzpunkt" sei man weit entfernt. Die Marge sei nur "in sehr überschaubarem Maße" gesunken. Auch künftig sieht er keine Gefahr eines ruinösen Preiskampfs: "Jedes Jahr ist voller Großschäden, und das hat seinen Preis."

Die Munich Re verzichtete auf unrentables Geschäft, das Volumen sank um 3,2 Prozent. Über alle Erneuerungsrunden seit Januar ergibt sich ein bereinigter Preisrückgang von 1,2 Prozent. Die Entwicklung im Rückversicherungsgeschäft und der schwache US-Dollar belasten auch den Umsatz. Für 2025 rechnet der Vorstand nun mit 62 Milliarden Euro, zwei Milliarden weniger als bisher. Der Rückgang betrifft ausschließlich die Rückversicherung, für Ergo bleibt die Prognose unverändert.

Munich Re-Aktie: Analysten sehen Disziplin

Analyst Philip Kett von Jefferies wertete den Verzicht auf weniger profitables Geschäft als Zeichen von "Disziplin". Thorsten Wenzel von der DZ Bank hält das Preisniveau wie Wenning weiterhin für attraktiv. Insgesamt zeigen die Analystenmeinungen vom 8. August zur Münchener Rück-Aktie aber ein gemischtes Bild:

Die Schweizer Großbank UBS ihre Einstufung für die Münchener Rück-Aktie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 590 Euro belassen. Analyst Will Hardcastle lobte zwar die starken Zahlen, warnte jedoch vor Anzeichen einer geschäftlichen Abschwächung. Aussagen zu Erlösen und Vertragserneuerungen deuteten laut ihm auf stärkeren Gegenwind im Rückversicherungsbereich hin als erwartet. Die DZ Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem fairen Wert von 640 Euro. Thorsten Wenzel sprach von einem exzellenten Quartalsergebnis, zeigte sich jedoch unzufrieden mit dem unter Druck stehenden Preisniveau bei Vertragserneuerungen. Angesichts hoher Kapazitäten überrasche dies jedoch nicht. Den Kursrutsch am Berichtstag deutete er als Gewinnmitnahmen.

Die kanadische Bank RBC beließ die Münchener Rück-Aktie auf "Sector Perform" mit einem Kursziel von 572 Euro. Mandeep Jagpal hob hervor, dass das Quartal den zuvor positiv ausgefallenen Eckdaten entsprach. Er verwies zudem auf eine starke Performance vor den Zahlen, teils durch Sektorrotation bedingt. JPMorgan bestätigte ihre "Overweight"-Einstufung mit einem Kursziel von 650 Euro für die Munich-Re-Aktie. Kamran M Hossain hob die Details und zukünftigen Gewinntreiber hervor, sah jedoch das reduzierte Umsatzziel kritisch. Gewinnmitnahmen nach der Rally seien möglich, der Investorentag im Dezember könne Impulse setzen. Das Analysehaus Jefferies bewertet die Münchener Rück-Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 485 Euro. Philip Kett lobt das deutliche Übertreffen des Konsenses und die disziplinierte Vorgehensweise bei risiko- und inflationsbereinigten Preissenkungen in den Vertragserneuerungen.

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