Industriezustand in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich
Die Analyse der Industrie im Oktober 2025 zeigt ein differenziertes Bild. Während das Eurozonen-Mittel auf eine steigende Produktion hindeutet, sinken die neuen Aufträge, und die Unternehmen passen ihre Preise unterschiedlich an.
Für Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich wurden Entwicklungen bei Aufträgen, Lagerbeständen, Kosten, Preisen und Beschäftigung untersucht. Das Durchschnittsniveau verdeckt regionale Unterschiede.
Eurozonen-Durchschnitt: PMI an der Schwelle
Monatlich werden rund 3000 Unternehmen in der Eurozone von S & P Global befragt, um den Einkaufsmanagerindex (PMI) für die verarbeitende Industrie zu ermitteln. Im Oktober lag der PMI bei 50 Punkten. Werte über 50 signalisieren Wachstum, darunter Rückgang. Die Eurozone befindet sich damit im Grenzbereich zwischen Expansion und Schrumpfung.
Produktionsvolumen: Moderate Zunahme
In der Eurozone stieg das Produktionsvolumen im achten Monat in Folge, jedoch nur in gedämpftem Tempo. In Deutschland wuchs die Produktion ebenfalls zum achten Mal in Folge, vor allem im Investitionsgüterbereich. Die Steigerung blieb unter dem langfristigen Durchschnitt. Im ersten Halbjahr hatten Lageraufbau und Produktionssteigerungen zur Vermeidung möglicher US-Zölle die Aktivitäten unterstützt.
Frankreich meldete einen Rückgang des Produktionsvolumens, während Italien leicht zulegte. In Österreich erhöhte sich die Produktion leicht, bereits zum dritten Mal in vier Monaten. Optimistische Erwartungen an die künftige Nachfrage spielten hierbei eine Rolle.
Neue Aufträge unter Druck
In der Eurozone stagnieren die neuen Aufträge im Durchschnitt. In Deutschland verzeichnete die Industrie eine leichte Zunahme nach einem Rückgang im September. Gleichzeitig sanken die Bestände offener Aufträge, was Besorgnis auslöst. Seit Mitte 2022 zeigt sich ein kontinuierlicher Abwärtstrend.
Französische Unternehmen meldeten weiterhin einen deutlichen Rückgang der Aufträge, bedingt durch politische Unsicherheiten und die damit verbundene Kaufzurückhaltung. In Italien nahmen die neuen Aufträge ebenfalls ab, jedoch weniger stark als in den Vormonaten. In Österreich fiel der Rückgang der Aufträge am geringsten seit drei Jahren aus.
Lagerbestände schrumpfen
Die Lagerbestände in der Eurozone verringerten sich im Oktober. Rohstoff- und Zwischenproduktkäufe sanken bereits den 40. Monat in Folge. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten, sodass die Lieferverzögerungen den höchsten Stand seit drei Jahren erreichten.
Deutsche Unternehmen reduzierten sowohl Rohstoff- als auch Fertigwarenbestände. In Frankreich sanken die Lager durch geringere Produktion und schwache Nachfrageprognosen. Italienische Firmen verringerten ihre Einkaufsaktivitäten, verfügten jedoch über ausreichend Lager. In Österreich sanken die Einkäufe am stärksten seit vier Monaten, während Fertigwarenbestände leicht stiegen.
Kosten und Preise: unterschiedliche Strategien
In der Eurozone blieben die Inputkosten im Oktober stabil, nach einem leichten Rückgang im September. Die Verkaufspreise stiegen erstmals seit April, die Margen bleiben begrenzt. In Deutschland erhöhten sich die Verkaufspreise leicht, nach mehr als zwei Jahren.
Französische Unternehmen senkten die Preise erneut, unter Wettbewerbsdruck. Italienische Firmen sahen steigende Rohstoff- und Transportkosten, senkten jedoch die Preise, um Nachfrage zu stimulieren. In Österreich stiegen die Inputkosten den vierten Monat in Folge, während Verkaufspreise bereits den sechsten Monat in Folge sanken.
Beschäftigung: Rückgang setzt sich fort
In der Eurozone nahm die Beschäftigung weiter ab, der Rückgang dauert etwa zweieinhalb Jahre an. Im Oktober beschleunigte sich die Schrumpfung leicht. In Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten weiterhin. Frankreich meldete einen leichten Anstieg, überwiegend durch befristete Stellen.
Italien verzeichnete ein Netto-Minus an Arbeitsplätzen, bedingt durch ausgelaufene Verträge und Kündigungen. Österreich baute trotz positiver Aussichten weiter Personal ab, der Rückgang war der stärkste seit März.
Strategische Herausforderungen für die deutsche Industrie
Die Industrie zeigt ein gemischtes Bild: Produktion wächst moderat, neue Aufträge sinken, und Preisanpassungen erfolgen unterschiedlich. Für Deutschland bedeutet dies, dass die Industrie trotz Wachstum vor Herausforderungen steht. Lieferkettenprobleme, moderates Auftragswachstum und die Notwendigkeit, Kosten und Personal anzupassen, erfordern strategische Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.



