Wirtschaft

Europas Industrie im Umbruch: Produktion wächst, Aufträge und Beschäftigung sinken

Die Industrie in Europa zeigt ein uneinheitliches Bild. Einige Länder steigern ihre Produktion, während andernorts Aufträge und Beschäftigung sinken. Wie entwickeln sich Produktion, Nachfrage und Personal in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich genau?
05.11.2025 18:08
Lesezeit: 2 min
Europas Industrie im Umbruch: Produktion wächst, Aufträge und Beschäftigung sinken
Europas Industrie zeigt unterschiedliche Entwicklungen: In einigen Ländern steigt die Produktion, neue Aufträge und Beschäftigung sinken (Foto: iStockphoto.com/cozyta). Foto: cozyta

Industriezustand in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich

Die Analyse der Industrie im Oktober 2025 zeigt ein differenziertes Bild. Während das Eurozonen-Mittel auf eine steigende Produktion hindeutet, sinken die neuen Aufträge, und die Unternehmen passen ihre Preise unterschiedlich an.

Für Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich wurden Entwicklungen bei Aufträgen, Lagerbeständen, Kosten, Preisen und Beschäftigung untersucht. Das Durchschnittsniveau verdeckt regionale Unterschiede.

Eurozonen-Durchschnitt: PMI an der Schwelle

Monatlich werden rund 3000 Unternehmen in der Eurozone von S & P Global befragt, um den Einkaufsmanagerindex (PMI) für die verarbeitende Industrie zu ermitteln. Im Oktober lag der PMI bei 50 Punkten. Werte über 50 signalisieren Wachstum, darunter Rückgang. Die Eurozone befindet sich damit im Grenzbereich zwischen Expansion und Schrumpfung.

Produktionsvolumen: Moderate Zunahme

In der Eurozone stieg das Produktionsvolumen im achten Monat in Folge, jedoch nur in gedämpftem Tempo. In Deutschland wuchs die Produktion ebenfalls zum achten Mal in Folge, vor allem im Investitionsgüterbereich. Die Steigerung blieb unter dem langfristigen Durchschnitt. Im ersten Halbjahr hatten Lageraufbau und Produktionssteigerungen zur Vermeidung möglicher US-Zölle die Aktivitäten unterstützt.

Frankreich meldete einen Rückgang des Produktionsvolumens, während Italien leicht zulegte. In Österreich erhöhte sich die Produktion leicht, bereits zum dritten Mal in vier Monaten. Optimistische Erwartungen an die künftige Nachfrage spielten hierbei eine Rolle.

Neue Aufträge unter Druck

In der Eurozone stagnieren die neuen Aufträge im Durchschnitt. In Deutschland verzeichnete die Industrie eine leichte Zunahme nach einem Rückgang im September. Gleichzeitig sanken die Bestände offener Aufträge, was Besorgnis auslöst. Seit Mitte 2022 zeigt sich ein kontinuierlicher Abwärtstrend.

Französische Unternehmen meldeten weiterhin einen deutlichen Rückgang der Aufträge, bedingt durch politische Unsicherheiten und die damit verbundene Kaufzurückhaltung. In Italien nahmen die neuen Aufträge ebenfalls ab, jedoch weniger stark als in den Vormonaten. In Österreich fiel der Rückgang der Aufträge am geringsten seit drei Jahren aus.

Lagerbestände schrumpfen

Die Lagerbestände in der Eurozone verringerten sich im Oktober. Rohstoff- und Zwischenproduktkäufe sanken bereits den 40. Monat in Folge. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten, sodass die Lieferverzögerungen den höchsten Stand seit drei Jahren erreichten.

Deutsche Unternehmen reduzierten sowohl Rohstoff- als auch Fertigwarenbestände. In Frankreich sanken die Lager durch geringere Produktion und schwache Nachfrageprognosen. Italienische Firmen verringerten ihre Einkaufsaktivitäten, verfügten jedoch über ausreichend Lager. In Österreich sanken die Einkäufe am stärksten seit vier Monaten, während Fertigwarenbestände leicht stiegen.

Kosten und Preise: unterschiedliche Strategien

In der Eurozone blieben die Inputkosten im Oktober stabil, nach einem leichten Rückgang im September. Die Verkaufspreise stiegen erstmals seit April, die Margen bleiben begrenzt. In Deutschland erhöhten sich die Verkaufspreise leicht, nach mehr als zwei Jahren.

Französische Unternehmen senkten die Preise erneut, unter Wettbewerbsdruck. Italienische Firmen sahen steigende Rohstoff- und Transportkosten, senkten jedoch die Preise, um Nachfrage zu stimulieren. In Österreich stiegen die Inputkosten den vierten Monat in Folge, während Verkaufspreise bereits den sechsten Monat in Folge sanken.

Beschäftigung: Rückgang setzt sich fort

In der Eurozone nahm die Beschäftigung weiter ab, der Rückgang dauert etwa zweieinhalb Jahre an. Im Oktober beschleunigte sich die Schrumpfung leicht. In Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten weiterhin. Frankreich meldete einen leichten Anstieg, überwiegend durch befristete Stellen.

Italien verzeichnete ein Netto-Minus an Arbeitsplätzen, bedingt durch ausgelaufene Verträge und Kündigungen. Österreich baute trotz positiver Aussichten weiter Personal ab, der Rückgang war der stärkste seit März.

Strategische Herausforderungen für die deutsche Industrie

Die Industrie zeigt ein gemischtes Bild: Produktion wächst moderat, neue Aufträge sinken, und Preisanpassungen erfolgen unterschiedlich. Für Deutschland bedeutet dies, dass die Industrie trotz Wachstum vor Herausforderungen steht. Lieferkettenprobleme, moderates Auftragswachstum und die Notwendigkeit, Kosten und Personal anzupassen, erfordern strategische Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...