Wirtschaft

Kreditprogramme für den Mittelstand: Neue KfW-Digitalförderung für KMU, Kritik an „Made for Germany“

Zwei neue KfW-Kreditprogramme unterstützen KMU seit Juli gezielt bei Digitalisierung und Innovation. Unterdessen sorgt die fehlende Einbindung des Mittelstands in Großinitiativen wie „Made for Germany“ für wachsenden Frust.
08.08.2025 18:00
Lesezeit: 3 min
Kreditprogramme für den Mittelstand: Neue KfW-Digitalförderung für KMU, Kritik an „Made for Germany“
Die Kritik des Mittelstandes an „Made for Germany“ wächst (Foto: dpa). Foto: Stefan Puchner

KfW-Digitalförderung 2025 für KMU: Zwei Programme, drei Förderstufen, kein Mindestbetrag

Für viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Digitalisierung ein Kraftakt, nicht nur technologisch, sondern vor allem finanziell. Ob neue Software, automatisierte Prozesse oder der Einstieg von Mittelständlern in Künstliche Intelligenz (KI): Die Anfangsinvestitionen sind in der Regel hoch, die vorhandenen Mittel jedoch begrenzt. Mit zwei neuen Förderprogrammen will die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) genau dort ansetzen. Seit dem 1. Juli 2025 können Unternehmen in Deutschland auf speziell zugeschnittene Kredite und Zuschüsse zugreifen, um den digitalen Wandel voranzutreiben. Auch Kleinstunternehmen erhalten erstmals systematischen Zugang.

Die Programme heißen ERP-Förderkredit Digitalisierung und ERP-Förderkredit Innovation. Beide sind modular aufgebaut und orientieren sich am jeweiligen Digitalisierungs- oder Innovationsgrad des Vorhabens. Der Einstieg erfolgt über die sogenannte Basisförderung, die gezielt kleinere Unternehmen anspricht. Eine zentrale Neuerung: Es gibt keinen Mindestkreditbetrag mehr. Das heißt, selbst Kleinprojekte, wie zum Beispiel die Einführung eines Warenwirtschaftssystems, sind nun förderfähig.

Insgesamt lassen sich bis zu 7,5 Millionen Euro pro Vorhaben in der Basisförderung beantragen. Für ambitioniertere Projekte hat die KfW sogenannte LevelUp- und HighEnd-Förderungen bereitgestellt. Hier sind Kredite von bis zu 25 Millionen Euro möglich, ergänzt um einen ERP-Förderzuschuss von bis zu fünf Prozent der Kreditsumme.

Digitalisierungs-Check als Pflicht und Chance

Vor Beantragung der Basisförderung müssen Unternehmen einen Digitalisierungs-Check durchführen. “Das ist Voraussetzung für die Basisförderung und hilft dabei, den eigenen Digitalisierungsstand realistisch einzuschätzen“, sagt Daniel Rode, Experte für Unternehmensfinanzierung bei der KfW. Im Anschluss erhalten Betriebe konkrete Vorschläge, wie sie ihre Digitalisierung weiterentwickeln können. „Wir wollen mit diesem Angebot den Zugang zur Finanzierung vereinfachen, vom Handwerksbetrieb bis zum großen Mittelständler“, so KfW-Experte Rode.

Antrag nur über die Hausbank

Wie bei anderen KfW-Programmen auch, erfolgt die Antragstellung ausschließlich über die Hausbank und vor Beginn des Vorhabens. Voraussetzung ist ein Firmensitz oder eine Betriebsstätte in Deutschland sowie ein Jahresumsatz von höchstens 500 Millionen Euro. Auch Freiberuflerinnen und Freiberufler können einen Antrag stellen. Gerade für kleinere Betriebe empfiehlt sich eine gezielte Vorbereitung.

Unter der Website www.kfw.de/digitalisierung stellt die KfW umfangreiche Informationen zur Antragstellung zur Verfügung, darunter Infografiken, Checklisten und Rechenhilfen. Zusätzlich können sich Betriebe über die kostenfreie Rufnummer 0800 539 9001 kostenfrei beraten lassen.

Impuls zur rechten Zeit?

Die neuen Programme kommen in einer Phase, in der sich das Geschäftsklima im Mittelstand langsam aufhellt. Laut dem aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer für Juni 2025 stieg der Index im dritten Monat in Folge, um 2,5 Punkte auf minus 14,7. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Geschäftserwartungen entwickelten sich laut KfW positiv. Besonders auffällig: Die Erwartungen legten um 3,7 Punkte auf minus 13,2 zu und lagen damit über dem Wert der Lageeinschätzung. Eine solche Konstellation gilt als Frühindikator für eine wirtschaftliche Erholung.

Förderung auch für KI-Projekte geöffnet

Digitalisierung gilt dabei als strategisches Schlüsselthema. Eine bessere digitale Infrastruktur könne nicht nur Effizienzgewinne bringen, sondern auch neue Märkte erschließen, betont auch Melanie Kehr, Vorständin für die inländische Förderung der KfW. „Die Einführung der neuen Förderkredite ist ein bedeutender Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im digitalen Zeitalter“, so Kehr. Digitalisierung sei der Schlüssel für nachhaltiges Wachstum und Produktivitätssteigerung, die alle Bereiche der Wirtschaft durchdringt, von der Bäckerei bis zum großen Industrieunternehmen. „Mithilfe der Dreistufigkeit der zinsverbilligten Kredite stellen wir ein zielgerichtetes Angebot bereit und fördern die Vielfalt des Mittelstands.“

Auch Investitionen in KI sind förderfähig, etwa für automatisierte Prozesse, intelligente Datenanalysen oder digitale Assistenzsysteme. In der HighEnd-Förderstufe sind solche Projekte ausdrücklich vorgesehen. Die Zuschüsse können hier bis zu 200.000 Euro zusätzlich zur Kreditsumme betragen.

“Wenn die Großen versprechen, was die Kleinen halten müssen”

Mit einem Fördervolumen von rund 3,5 Milliarden Euro richten sich die beiden KfW-Programme gezielt an kleine und mittlere Unternehmen. Sie sollen Betrieben helfen, digitale Projekte umzusetzen – unabhängig davon, ob bereits eine Digitalstrategie vorliegt oder der Einstieg erst vorbereitet wird.

Parallel dazu verfolgt die von 61 Großunternehmen gegründete Initiative „Made for Germany“ von Bundeskanzler Merz (CDU) ein ganz anderes Ziel: Bis 2028 wollen ihre Mitglieder rund 631 Milliarden Euro in den Standort Deutschland investieren, vor allem in Infrastruktur, Energie und industrielle Transformation. Kleinst- und Familienbetriebe spielen darin bislang keine erkennbare Rolle. Beim Investitionsgipfel im Juli 2025 waren sie auch nicht vertreten. Die Kritik folgte prompt.

Thorsten Giersch, Chefredakteur von Markt und Mittelstand, des viertgrößten Wirtschaftsmediums für den Mittelstand, kommentierte: „Dass keiner der 3,6 Millionen Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer eingeladen wurde, ist an Absurdität kaum zu überbieten.“ Und weiter: „Ob die Großen die Probleme der Kleinen kennen und korrekt adressieren, sei dahingestellt – aber es fühlt sich nicht gut an, dass sie das nicht selbst tun konnten.“ Der Mittelstand habe ein größeres Interesse an Binnenkonjunktur und Infrastruktur als international tätige Konzerne, leide jedoch überproportional unter Bürokratie und Fachkräftemangel.

Die KfW-Programme können nun zeigen, ob sie dort greifen, wo große Investitionsbündnisse wie „Made for Germany“ bislang Lücken lassen, bei den kleineren Betrieben, die selten eine Einladung ins Kanzleramt erhalten.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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