Finanzen

Goldpreis bleibt stabil: USA verhängen Zölle auf Goldimporte – Schweiz im Fokus

US-Zölle auf Goldimporte versetzen den Markt in Aufruhr. Besonders die Schweiz könnte hart getroffen werden. Während der Goldpreis in London kaum schwankt und in New York auf den höchsten Stand seit Monaten klettert, rätseln Anleger: Bleibt Gold ein sicherer Hafen?
08.08.2025 16:06
Aktualisiert: 08.08.2025 16:06
Lesezeit: 3 min
Goldpreis bleibt stabil: USA verhängen Zölle auf Goldimporte – Schweiz im Fokus
Der Goldhandel verändert sich durch die Zölle, auch der Handel von Goldbarren - doch der Goldpreis reagiert auf die US-Zölle zunächst nicht (Foto: iStockphoto/Sashkinw). Foto: Sashkinw

Goldpreis aktuell: Zölle verändern das internationale Marktgefüge im Goldhandel

Die USA haben laut einem Bericht der "Financial Times" Zölle auf die Einfuhr von Gold angekündigt. Besonders betroffen sind Goldlieferungen aus der Schweiz. Die Zollbehörde Customs Border Protection Agency (CBS) teilte in einem sogenannten "Ruling Letter" vom 31. Juli mit, dass Goldbarren mit einem Gewicht von einem Kilo und 100 Unzen künftig mit Abgaben belegt werden sollen. In den USA dienen solche Schreiben der Klarstellung der Handelspolitik.

Ein-Kilo-Barren sind das am häufigsten gehandelte Format an der New Yorker Terminbörse Comex. Diese Größenordnung macht einen Großteil der Schweizer Goldexporte in die USA aus. In der Schweiz werden Goldbarren häufig aus den in London üblichen Größen in das in New York gängige Format umgeschmolzen. Damit gerät das gelbe Edelmetall in den Fokus des Zollstreits zwischen beiden Ländern. Bisher galt, dass Edelmetalle aus Schweizer Raffinerien zollfrei in die USA eingeführt werden können.

Schweiz im Fokus: Milliardenwerte im Goldhandel

Die Schweiz lieferte in den zwölf Monaten bis Juni Gold im Wert von 61,5 Milliarden US-Dollar in die USA. Auf diese Menge würden Zölle von rund 24 Milliarden Dollar anfallen, da die US-Regierung kürzlich Abgaben von 39 Prozent auf Waren aus der Schweiz verhängt hat. Laut "Tagesanzeiger" wurden allein im ersten Halbjahr 476 Tonnen Gold im Wert von 39 Milliarden Franken in die USA exportiert. Dieser Handel hat den Schweizer Überschuss in der Handelsbilanz mit den USA deutlich vergrößert – ein Punkt, den US-Präsident Donald Trump immer wieder kritisiert.

Analyst Stephen Innes von SPI Asset Management warnt, dass die neuen Zölle "das Herz des globalen Goldhandels" treffen würden. Er spricht von einer "tektonischen Verschiebung" am Goldmarkt. Derartige Veränderungen könnten erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Goldpreis-Entwicklung haben.

Goldpreis: In London kaum bewegt, in New York auf höchstem Stand seit Monaten

Am Freitagmorgen wurde der Goldpreis in London bei 3.392 US-Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm) gehandelt, rund drei Dollar weniger als am Vortag. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um fast 30 Prozent gestiegen und erreichte im April ein Rekordhoch von 3.500 Dollar. Während sich der Goldpreis in London wenig bewegte, gab es bei den Preisen für Termingeschäfte in New York einen deutlichen Anstieg. Hier kletterten die Notierungen zwischenzeitlich auf über 3.530 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Monaten.

Termingeschäfte mit Gold beziehen sich auf den Handel zu einem festen Zeitpunkt in der Zukunft. Sie spiegeln damit die Erwartungen der Investoren wider, wie sich der Wert des Edelmetalls entwickeln wird. Rohstoffstratege David Wilson von BNP Paribas betont, dass in der Branche derzeit große Unsicherheit herrsche, ob die neuen Bestimmungen tatsächlich für Ein-Kilo-Barren gelten. Diese Unsicherheit beeinflusst die kurzfristige Goldpreis-Entwicklung zusätzlich.

US-Konsumenten zahlen mehr

Besonders in den USA zeigt sich ein deutlicher Preiseffekt. Trump hat den Import von Gold mit Zöllen belegt – und der in New York gehandelte Goldpreis ist daraufhin auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Am Spot-Markt in London blieb dieser Anstieg hingegen aus. Das verdeutlicht: Amerikaner zahlen für Waren, einschließlich des gelben Edelmetalls, inzwischen mehr als der Rest der Welt. Damit trifft der Zoll faktisch US-Firmen und Verbraucher, auch wenn er politisch als Erfolg verkauft wird.

Trump hat zudem Stephen Miran, Mitgestalter des Mar-a-Lago-Abkommens, für einen Posten in der US-Notenbank nominiert. Beobachter sehen darin ein Signal, dass die US-Regierung keine Probleme mit einer weiteren Abwertung des Dollars hat – was den Goldkurs in den USA tendenziell stützen könnte.

Wie geht es weiter mit dem Goldpreis?

Kurzfristig dürfte die Verunsicherung über die tatsächliche Anwendung der Zölle für Schwankungen sorgen. Sollte die Regelung wie angekündigt greifen, könnten sich Handelsströme verschieben, da vor allem Schweizer Raffinerien ihre Lieferketten anpassen müssten. Dies hätte möglicherweise Einfluss auf die weltweite Goldpreis-Entwicklung und könnte zu einem Auseinanderdriften der Preise in New York und London führen.

Langfristig hängt die weitere Entwicklung stark davon ab, wie sich die Handelspolitik der USA gegenüber der Schweiz gestaltet. Sollte es zu einer Einigung oder Ausnahme für bestimmte Barrenformate kommen, könnte sich der Goldpreis wieder stabilisieren.

Goldpreis: So sollten Anleger reagieren

Für Anleger bedeutet die aktuelle Lage, dass eine genaue Beobachtung des Marktes unerlässlich ist. Wer in das gelbe Edelmetall investiert, sollte beachten, dass politische Entscheidungen und Handelskonflikte den Goldkurs kurzfristig stark beeinflussen können. Bei Investitionen in physisches Gold ist außerdem wichtig, wo und in welchem Format gekauft wird, da regionale Preisunterschiede zunehmen könnten.

Langfristig bleibt Gold – trotz zwischenzeitlicher Schwankungen – ein beliebtes Mittel zur Absicherung gegen Währungsabwertung und wirtschaftliche Unsicherheiten. Ein gestaffelter Einstieg, bei dem zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft wird, kann helfen, Risiken zu minimieren. Anleger sollten zudem stets einen Blick auf den internationalen Goldmarkt werfen, um Preisunterschiede zwischen Handelsplätzen wie London und New York zu erkennen und gegebenenfalls zu nutzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs steigt über 25.000 Punkte: Iran-Abkommen und SpaceX-Erfolg treiben die Börsen an
15.06.2026

An den Börsen kehrt plötzlich Optimismus zurück: Sinkende Ölpreise, Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten und ein spektakulärer...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall legt zum Wochenstart deutlich zu
15.06.2026

Der Goldpreis startet dank der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran fester in die neue Woche. Niedrigere US-Renditen und ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Chef Marcel Fratzscher: Hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand
15.06.2026

Deutschlands Arbeitsmarkt leidet unter Fachkräftemangel, gleichzeitig bleibt ein enormes Potenzial weitgehend ungenutzt. Nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs steigt nach Iran-Abkommen: Erholung oder nur technische Gegenbewegung?
15.06.2026

Der Bitcoin-Kurs hat nach der überraschenden Einigung zwischen den USA und dem Iran kräftig zugelegt und wichtige Marken zurückerobert....

DWN
Politik
Politik Rahmenabkommen im Iran-Krieg erzielt: Hoffnung auf Frieden – viele Fragen bleiben
15.06.2026

Ein Durchbruch im Iran-Krieg scheint greifbar: Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen verständigt. Die Straße von...

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Teurere Fischstäbchen im Supermarkt drohen
15.06.2026

Das geplante neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland könnte spürbare Auswirkungen auf den deutschen Lebensmittelmarkt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Baumaschinen-Markt im Wandel: Asiens Griff nach der Premiumklasse
15.06.2026

Die Ära der großen Übernahmen in Europas Baumaschinenindustrie flaut ab. Doch das asiatische Kapital zieht sich nicht zurück:...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
14.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...