Finanzen

Bechtle-Aktie hebt ab: Starker Quartalsverlauf beflügelt Anleger

Die Bechtle-Aktie überrascht Anleger im Börsenhandel am Freitag mit einem kräftigen Kurssprung. Nach Monaten der Flaute deutet vieles auf eine Trendwende hin. Doch kann der IT-Dienstleister den Schwung halten – oder lauern im Marktumfeld noch Risiken, die den Aufstieg bremsen?
08.08.2025 12:20
Aktualisiert: 08.08.2025 12:20
Lesezeit: 3 min

Bechtle-Aktie springt nach oben – MDAX-Spitzenreiter: Nachfrage zieht wieder an

Der IT-Dienstleister Bechtle meldet nach einer längeren Flaute wieder positive Geschäftszahlen. Im zweiten Quartal stieg das Geschäftsvolumen deutlich, auch der Umsatz legte leicht zu. Besonders das Auslandsgeschäft trug zu diesem Aufschwung bei. Gleichzeitig verbessert sich auch in Deutschland die Nachfrage öffentlicher Kunden – ein Trend, der sich laut Unternehmensprognose im zweiten Halbjahr verstärken dürfte. Die Bechtle-Aktie reagierte am Freitag mit einem deutlichen Kurssprung.

Am späten Freitagvormittag legte die Bechtle-Aktie zeitweise um über 13 Prozent auf 42,08 Euro zu und führte damit den MDAX an. Es war der höchste Stand seit Juli 2024. Erst in der Vorwoche hatte der Bechtle-Aktienkurs noch unter den schwachen Aussichten des Konkurrenten Cancom gelitten. Im laufenden Jahr liegt der Kurs dennoch fast ein Drittel im Plus – nachdem er im wirtschaftlich schwierigen Umfeld des vergangenen Herbstes stark gefallen war.

Laut Analyst Martin Comtesse von Jefferies hat sich die Tonlage des Managements spürbar aufgehellt. Erstmals seit Langem sei wieder von einer Erholung im öffentlichen Sektor in Deutschland die Rede. Auch Baader-Bank-Experte Knut Woller lobte die unerwartet gute Profitabilität im Quartal. Für viele Marktbeobachter markiert die Bechtle-Aktie damit einen möglichen Wendepunkt.

Bechtle wächst in Kerngeschäften

Das Geschäftsvolumen stieg im zweiten Quartal um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte der Konzern in Neckarsulm mit. Besonders stark entwickelten sich die Märkte in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Großbritannien. In Deutschland zog die Nachfrage öffentlicher Auftraggeber wieder an, und dieser Trend setzte sich auch im Juli fort.

"Wir sind zwar noch von den Wachstumswerten entfernt, die wir uns selbst zum Ziel setzen, befinden uns mit der Entwicklung im zweiten Quartal aber wieder zurück auf dem Wachstumspfad", erklärte Vorstandschef Thomas Olemotz. Mit öffentlichen Kunden konnte Bechtle im Inland das Geschäftsvolumen um fünf Prozent steigern. Ab Spätsommer soll das Wachstum in diesem Segment weiter an Fahrt gewinnen.

Herausforderungen im Mittelstand für den IT-Dienstleister

Trotz dieser positiven Signale bleibt die Stimmung im deutschen Mittelstand verhalten. Von hier kamen bislang kaum Wachstumsimpulse, so Olemotz. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten bremsten Investitionen. Immerhin begännen mittelständische Unternehmen wieder, mit Bechtle über Projekte zu sprechen, die zuvor auf Eis lagen. In Frankreich bleibt die Lage dagegen schwierig. Der Umsatz kletterte zwischen April und Juni um 0,8 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro. Der Unterschied zwischen Umsatz und Geschäftsvolumen erklärt sich durch Softwareverkäufe, die nicht mit dem vollen Verkaufspreis als Erlös verbucht werden können.

Der Vorsteuergewinn ging im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 66,8 Millionen Euro zurück. Im Vorjahr hatte ein Einmaleffekt das Ergebnis gestützt. Dennoch lag das Ergebnis leicht über den Erwartungen der Experten. Gegenüber dem Vorquartal verbesserte sich die Lage. Der Nettogewinn fiel ebenfalls um ein Fünftel auf 47,7 Millionen Euro. Die Jahresprognose bleibt unverändert: Für 2025 erwartet Olemotz beim Geschäftsvolumen ein leichtes Wachstum, der Umsatz dürfte wegen des starken Softwaregeschäfts etwas schwächer ausfallen. Das Vorsteuerergebnis soll zwischen minus und plus fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 345 Millionen Euro liegen. Die Lücke aus dem schwachen ersten Halbjahr will der Konzern schließen – ein ambitioniertes, aber laut Olemotz mögliches Ziel.

Bechtle-Aktie: Ausblick und Führungswechsel

Der positive Verlauf im zweiten Quartal und die anziehende Nachfrage bei öffentlichen Kunden in Deutschland geben der Bechtle-Aktie derzeit Rückenwind. Für Anleger bedeutet das: Der Bechtle-Aktienkurs könnte auch in den kommenden Monaten von verbesserten Aussichten profitieren, sofern sich die Nachfrage weiter stabilisiert.

Ein bedeutender Einschnitt steht jedoch bevor: Vorstandschef Thomas Olemotz wird Ende des kommenden Jahres ausscheiden. Er habe sich entschieden, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Mit dann 64 Jahren wolle er Platz machen "für die nachfolgende Generation". Olemotz gehört seit 2007 dem Vorstand an und hat den IT-Dienstleister in dieser Zeit zu einem der führenden Unternehmen der Branche gemacht.

Für den Kapitalmarkt bleibt nun spannend, wie sich die Bechtle-Aktie im weiteren Jahresverlauf entwickelt – insbesondere vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten im Mittelstand und der anstehenden Führungsübergabe. Anleger und Analysten blicken vor allem darauf, ob Bechtle den eingeschlagenen Wachstumspfad halten kann und ob der IT-Dienstleister trotz der Herausforderungen weiterhin stabile Margen erzielt.

Das sagen die Analysten zur Bechtle-Aktie

Die aktuellen Analysteneinschätzungen zur Bechtle-Aktie zeigen ein einheitlich positives Bild, gestützt auf solide Quartalsergebnisse, optimistische Ausblicke und eine verbesserte operative Entwicklung im Jahresverlauf. Bleich drei namhafte Analysehäuser haben direkt nach Zahlenvorlage ihre positive Einschätzung zur Bechtle-Aktie bekräftigt:

Jefferies beließ das Rating auf „Buy“ mit einem Kursziel von 48 Euro. Analyst Martin Comtesse hob in seiner ersten Reaktion hervor, dass der Ausblick des IT-Dienstleisters deutlich optimistischer ausfalle als die Gewinnwarnung des Konkurrenten Cancom in der Vorwoche. Mit einem Geschäftsvolumenwachstum von fünf Prozent und verbesserten Margen im Vergleich zum Vorquartal sehe er das Unternehmen an einem Wendepunkt zum Positiven. Auch die Baader Bank bestätigte am selben Tag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 51 Euro. Knut Woller verwies darauf, dass die Profitabilität die Konsensschätzungen übertroffen habe. Zudem habe Bechtle eine verbesserte operative Dynamik im Vergleich zum ersten Quartal verzeichnet und die Jahresziele bestätigt. Warburg Research schloss sich dieser Einschätzung an und beließ die Einstufung auf „Buy“ mit einem Kursziel von 44 Euro. Analyst Andreas Wolf stellte fest, dass es im zweiten Quartal erste Anzeichen einer Verbesserung gegeben habe. Der Rückgang des Vorsteuergewinns sei geringer ausgefallen als im Auftaktquartal.

Insgesamt ergibt sich ein klar positives Stimmungsbild zur Bechtle-Aktie. Alle drei Institute sehen den IT-Dienstleister operativ auf einem guten Weg, untermauert durch solide Zahlen und eine zuversichtliche Prognose. Die unterschiedlichen Kursziele spiegeln dabei eher verschiedene Bewertungsmodelle als abweichende Grundhaltungen wider. Analysten betrachten die aktuellen Entwicklungen als Zeichen einer Stabilisierung und möglicher Beschleunigung des Wachstumskurses.

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