Trump-Strategie gerät im Taiwan-Konflikt ins Wanken
Auf der einen Seite war es zu erwarten: Donald Trump verwirft alles, was für die Rolle der USA in der Welt am wichtigsten ist. Warum sollte er also nicht auch in der entscheidendsten Frage der Geostrategie so handeln? Auf der anderen Seite löste es dennoch Fassungslosigkeit aus, als vor wenigen Tagen das Interview des Präsidenten mit Fox News nach seiner Reise nach China zu sehen war. In einer Aussage, die als Zugeständnis an Xi Jinping verstanden werden muss, änderte Trump den Kurs der USA in der alles entscheidenden Auseinandersetzung um Taiwan deutlich. Das berichten unsere Kollegen von Børsen.
So sendete Trump das Signal, dass er nicht beabsichtige, die Insel zu verteidigen, falls China sie angreift. Und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem gute Argumente für das Gegenteil sprechen, da die Chinesen den Druck erhöhen und damit den Status quo herausfordern. Zugleich sagte er, seine mögliche Zustimmung zu einem Waffenverkauf an Taiwan hänge ebenfalls "von China" ab.
Trumps Äußerungen sind verheerend für alle, die die Idee vereinter Demokratien im Herzen tragen. Doch wie lautet die Schlussfolgerung, wenn man alle moralischen Erwägungen ignoriert und die Sache ausschließlich durch eine zynische Linse betrachtet? Die Schlussfolgerung lautet, dass die Dinge für einen Präsidenten ins Rutschen geraten, der nun noch mehr Termiten freigelassen hat. Sie können am Fundament der langfristigen Kerninteressen der USA nagen.
Trumps zahlreiche Fehler sind schon für sich genommen schlimm genug. Legt man sie jedoch alle gleichzeitig auf den Tisch, wird ein regelrechter Kollaps sichtbar. Der amerikanische Präsident hat nun so viele kritische Waffen gegen Iran eingesetzt, dass sie bei der Abschreckung Chinas nun fehlen. Dessen wachsende Macht hat die Trump-Regierung selbst als Sicherheitsproblem bezeichnet. Und Trump hat das getan, obwohl nichts darauf hindeutet, dass er in Iran ein Ergebnis erzielt, das die Kosten rechtfertigen könnte. So wird Iran nun, wenn überhaupt, von noch stärker radikalisierten Menschen regiert. Laut durchgesickerten amerikanischen Geheimdienstinformationen verfügt das Regime weiterhin über beträchtliche militärische Fähigkeiten.
Mit anderen Worten: Auf der Suche nach einem taktischen Gewinn, den er nicht einmal erreicht hat, hat Trump seine strategische Stärke in dem geschwächt, was amerikanische Denker seit Langem als eigentlichen Kern der Rivalität mit China betrachten: Taiwan. Erhält China die Kontrolle über die Insel, würde dies die Machtverhältnisse in der Welt grundlegend verändern. Taiwan ist eine technologische Supermacht und liegt geografisch mitten in einer zentralen Handelsader, die aus westlicher Sicht nicht unter chinesische Dominanz geraten darf.
Vertrauen in Ruinen
Neben diesem jüngsten Fehler hat der Präsident, isoliert betrachtet, sogar einem ansonsten bedrängten Wladimir Putin geholfen. Er hat Sanktionen gelockert und den Ölpreis gestützt, der die russische Kriegsmaschine nährt. Die Wirkung davon wird zwar durch die beeindruckenden Angriffe der Ukraine auf die russische Ölindustrie begrenzt. Doch dies geschah in direktem Gegensatz zum Präsidenten, der den Ukrainern nahezu jede Unterstützung entzogen hat. Das hat er zudem getan, ohne auch nur einen kleinen Keil zwischen Putin und Xi treiben zu können.
Und was ist mit der Allianzstruktur, die in der Konfrontation mit all dem die mit Abstand stärkste langfristige Karte der USA ist? Sie befindet sich in einer abgrundtiefen Vertrauenskrise. Das reicht von Kanada und Europa bis in die Golfregion sowie nach Japan und Südkorea, die mehr als desillusioniert sein müssen. Die Tiefe der Krise, die Trump geschaffen hat, wird durch die unglaublichen Äußerungen illustriert, die zuletzt vom deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz kamen.
Zuletzt sagte er, er werde seinen Kindern nicht mehr empfehlen, in die USA zu reisen. Gleichzeitig hat Trump kürzlich Soldaten aus Deutschland zurückgerufen und die Stationierung essenzieller Angriffswaffen abgesagt. Das ist von Merz vermutlich unklug. Entscheidend ist jedoch nicht dieser Punkt. Entscheidend ist, was es offenlegt: Die Würfel sind gefallen. Das Vertrauen ist fort. Das ist ernst für uns Europäer, aber auch für die USA. Trump hat nie überzeugend dargelegt, wie er sich ernsthaft vorstellt, dass die USA China und Russland auf Dauer begegnen können, ohne die eigene Stärke durch jene Kraft zu vervielfachen, die über Verbündete entsteht.
Würgepunkte zeigen die neue Architektur der Macht
Es gibt weiterhin Menschen, auch in Dänemark, die regelmäßig behaupten, in Trumps Kurs einen Sinn erkennen zu können. Man denke nur daran, dass prominente Stimmen in der öffentlichen Debatte vorsichtige oder sogar entschiedene Unterstützung für den Iran-Krieg ausdrückten. Offenbar ohne die gesamten strategischen Folgen zu erfassen. Und ohne größere Reflexion über die totale Veränderung, die derzeit in der Architektur der Macht sichtbar wird, wenn mittelgroße Akteure nun sogar Supermächte ausbremsen können.
Militärisch geschieht dies durch Drohnentechnologie. Wirtschaftlich geschieht es durch Druck auf die sogenannten "Würgepunkte", über die man in einer globalisierten Welt verfügt. Dazu zählt etwa Irans Kontrolle über die Straße von Hormus. Letzteres, die Idee der Würgepunkte, wird den tapferen Taiwanern hoffentlich helfen, selbst wenn Trump nicht versucht, seinen Fehler zu korrigieren.
Taiwan stellt den Großteil der weltweiten Halbleiterproduktion. Die Insel wäre aus militärfachlicher Sicht extrem schwer zu erobern. Das gibt Taiwan asymmetrische Vorteile, die weiterhin abschreckend wirken. Selbst für einen Xi Jinping, der auf eine weltgeschichtliche Mission für sein Nachleben setzt und Nationalismus als Treibstoff nutzt. Trotzdem zeigt uns die Gesamtheit von Trumps Handlungen etwas, das auf einer tiefen Ebene anerkannt werden muss, damit daraus Konsequenzen folgen können: Der Präsident der USA hat keinen rationalen Plan, um amerikanische und damit westliche Macht in der Welt zu maximieren.
Für Deutschland ist diese Trump-Strategie von unmittelbarer Bedeutung. Berlin hängt sicherheitspolitisch weiter stark an den USA, zugleich betreffen Taiwan, Halbleiter, Ukraine-Hilfen, Iran und die Stabilität der Seewege zentrale deutsche Wirtschaftsinteressen. Wenn Washington seine Abschreckung gegenüber China schwächt und zugleich das Vertrauen der Verbündeten verliert, steigt der Druck auf Deutschland, europäische Sicherheit, industrielle Resilienz und technologische Souveränität ernster zu nehmen. Fazit: Trumps Kurs ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Er zwingt Europa und Deutschland dazu, schneller eigene Machtmittel aufzubauen.

