Experten warnen: Pleitewelle rollt bis 2027 weiter
Bei den Firmenpleiten in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten voraussichtlich bis Mitte 2027 keine Entspannung in Sicht. "Wir prognostizieren, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bis zum Jahresende weiter konstant ansteigen wird", sagte der Leiter der Wirtschaftsforschung der Auskunftei Creditreform, Patrik-Ludwig Hantzsch, der "Bild"-Zeitung (Donnerstag).
Eine Trendumkehr sei "ziemlich sicher", wenn überhaupt, erst im Jahr 2027 realistisch – "und dann wahrscheinlich auch erst im späteren Jahresverlauf", bekräftigte Hantzsch auf Nachfrage. Amtliche Zahlen bis einschließlich Mai veröffentlicht das Statistische Bundesamt an diesem Freitag.
Für das erste Halbjahr hatte Creditreform Ende Juni mit rund 12.900 Fällen den höchsten Stand für die ersten sechs Monate seit 2013 vermeldet. Schon damals hatte Hantzsch gewarnt: "Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht." Die Entwicklung werde sich erst stabilisieren, wenn die Wirtschaft wieder wachse.
Dauerkrise zehrt Reserven auf
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das monatlich die Entwicklung der Insolvenzen analysiert, berichtete jüngst für Juli von einem "außergewöhnlich hohen Niveau" bei den Firmenpleiten in Deutschland. "Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht", stellte IWH-Forscher Steffen Müller fest. "Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen."
Aufschwung bleibt ausgebremst
Zwar machen die jüngsten Konjunkturdaten wieder etwas mehr Hoffnung für das laufende Jahr. Einen spürbaren Wirtschaftsaufschwung erwarten viele Ökonomen aber erst ab 2027. Dann sollen die Milliarden, die der Staat in Straßen, Schienen und Verteidigung steckt, ihre volle Wirkung entfalten.
Aktuell stecken Unternehmen in einer "Krisenzange, die die deutsche Wirtschaft von zwei Seiten packt und schädigt", wie Creditreform-Experte Hantzsch es formuliert: Einerseits belasten geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Krieg oder die US-Zölle, andererseits setzen hohe Energiepreise und viel Bürokratie im Inland die Unternehmen unter Druck.

