Unternehmen

Coca-Cola beklagt Standortbedingungen: Deutschland nicht wettbewerbsfähig

Der Chef des Coca-Cola-Abfüllers bemängelt die Bürokratie und komplizierte Verhältnisse für Unternehmen. Noch steht er zum Standort Deutschland. CCEP beschäftigt etwa 6.100 Menschen in Deutschland.
03.12.2025 14:44
Lesezeit: 2 min

Coca-Cola beklagt Standortbedingungen in Deutschland

Die wirtschaftlichen Standortbedingungen in Deutschland sind aus Sicht des Abfüllunternehmens von Coca-Cola schwierig. John Galvin, Deutschland-Chef von Coca-Cola Europacific Partners (CCEP), sagte bei einer Veranstaltung der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf: Schon kleinere Vorhaben dauerten lange, weil statt einer Behörde oft mehrere Stellen zuständig seien. Das koste viel Zeit.

Als Beispiel nannte Galvin das Versetzen eines Zauns, Baumarbeiten auf dem Werksgelände oder Dachreparaturen. Zu Bauprojekten gebe es von Behörden häufig unterschiedliche Auskünfte. Dabei seien viele Vorschriften zu beachten – vom Immissionsschutz über Statik bis zum Lärm- und Bauschutz.

Galvin zufolge stößt das Unternehmen oft auf eine Behördenmentalität. „Die Haltung ist: Wir halten die Regeln ein, wir wollen diese Wirtschaftstypen einbremsen.“ Dies erschwere Investitionen. Er beklagte, es sei eine deutsche Eigenschaft, Sachen unnötig kompliziert anzugehen. Er wünschte sich, sein Team hätte mehr Zeit für das Kerngeschäft.

Die Getränke der Marke wie Cola, Fanta oder Sprite werden hierzulande von CCEP hergestellt, vertrieben und verkauft. Das Absatzvolumen liegt nach eigenen Angaben bei 4,1 Milliarden Litern im Jahr. Das Unternehmen hat in Deutschland 24 Standorte, darunter 13 Produktionsbetriebe, und beschäftigt etwa 6.100 Menschen. Markeninhaberin ist die Coca-Cola Company.

„Es ist nicht so einfach, in diesem Land Geld zu investieren“

Galvin forderte Bürokratieabbau. „Es ist nicht so einfach, in diesem Land Geld zu investieren. Das dauert deutlich länger als an anderen Standorten.“ Dies sei ein Hindernis für Unternehmen. Zugleich beklagte er hohe Kosten, etwa für Strom und Löhne, sowie hohe Krankenstände.

Dennoch lobte er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Der habe angekündigt, die Regeln für Unternehmen zu vereinfachen. Galvin nahm die Politik in die Pflicht. „Am Ende misst man jemanden, nicht an dem, was sie sagen, sondern an dem, was sie tun.“ Der Standort könne attraktiv sein, man müsse ihn nur anders gestalten. „Die Bundesregierung macht nicht genug, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“ Andere Länder leisteten mehr, um Investoren anzulocken.

Industrieverband warnt vor dramatischer Lage

Der Coca-Cola-Abfüller hat allerdings keine Pläne, die Produktion ins Ausland zu verlagern. „Wir stehen zu Deutschland“, sagte Galvin. Vieles würde bemängelt, aber der Lebensstandard sei unterschätzt. Wer in der Welt schon ein bisschen herumgekommen sei, der wisse, wie besonders Deutschland ist.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sorgt sich ebenfalls um die Lage im Land und schlug in dieser Woche Alarm. „Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug“, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz und der Wirtschaftsstandort befinde sich „im freien Fall“.

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