China strebt Dominanz bei Saatgut und Lebensmitteln an

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
26.05.2017 01:13
China will die weltweiten Lieferketten bei Nahrungsmitteln dominieren. (Dieser Artikel ist nur für Abonnenten zugänglich)
China strebt Dominanz bei Saatgut und Lebensmitteln an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

China ist auf dem Weg zu einer dominierenden Position im weltweiten Geschäft mit Nahrungsmitteln. Offenbar strebt die Regierung in Peking eine eigene, global aufgestellte Lieferkette bei Nahrungsmitteln an. Diese umfasst sowohl den Aufbau eines weltweit aufgestellten Getreide-Anbaus als auch den Handel und die Verarbeitung von Nahrungsmitteln. Abgerundet wird die Strategie mit einem verstärkten Engagement des Landes im Bereich der Agrarchemie und beim Saatgut.

In den vergangenen Jahren war Peking seinem Ziel – dem Aufbau einer global verorteten und sicheren Versorgung mit Nahrungsmitteln – deutlich nähergekommen. Dazu gehört der Ankauf von Agrarflächen auf anderen Kontinenten, vornehmlich in Afrika, um dort mithilfe von chinesischen Arbeitern für den heimischen Markt produzieren zu lassen. China besitzt allein in Afrika inzwischen in Mali, Sierra Leone, Uganda, Angola, Mosambik, Benin, Nigeria, Kamerun, Kongo, Sambia, Namibia und Madagaskar ausgedehnte Ländereien. Außerdem wurden in den letzten Jahren Landkäufe in Brasilien, Argentinien, Kuba, Venezuela, Bolivien, Russland, Bulgarien, Kirgisien, Myanmar, Laos, Kambodscha, Australien, Neuseeland, den Philippinen und Indonesien getätigt.

Parallel dazu übernehmen chinesische Unternehmen verstärkt ausländische Konkurrenten, um Schlüsselbereiche in der Verarbeitung von Nahrungsmitteln zu besetzen. Seit dem Jahr 2005 sollen sie dafür umgerechnet rund 46 Milliarden Euro ausgegeben haben, berichtet Bloomberg. In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Umfang der Übernahmen vervierfacht, berichtet das American Enterprise Institute und die Heritage Foundation. Zu den wichtigsten Akquisitionen gehörte der 2013 abgeschlossene Kauf des weltweit größten Produzenten von Schweinefleisch – die US-Firma Smithfield Foods durch den chinesischen Mitbewerber WH Group.

Die Strategie, in der Lebensmittelindustrie vorgelagerte Bereich zu expandieren, führte zur 38 Milliarden Euro schweren Übernahme des Schweizer Agrarchemie- und Saatgutspezialisten Syngenta durch ChemChina. Die Regierung kündigte im Februar an, den Unternehmen des Landes bei Übernahmen im Lebensmittelbereich zu helfen und erwähnte dabei dezidiert den Anbau von Getreiden, die Aufzucht von Nutztieren sowie die Verarbeitung, Lagerung und Logistik von Nahrungsmitteln. „Sie wollen nicht nur Produktionsanlagen und Firmen kaufen, sondern achten dabei auch auf den Ruf der Firma und der jeweiligen Marken“, sagt der Vorsitzende der Unternehmensberatung KPMG für den Agrarmarkt, Ian Proudfoot.

China ist allerdings bei weitem nicht der einzige Staat, der weltweit gezielt nach Ackerland sucht. Wie aus einem Bericht des Leibniz-Instituts für Globale und Regionale Studien hervorgeht, führen andere Länder die Rangliste der erworbenen Flächen an. An der Spitze liegen demnach Käufer aus Malaysia. Seit dem Jahr 2000 haben diese insgesamt 3,7 Millionen Hektar Land im Ausland erworben. Käufer den USA liegen an zweiter Stelle mit weltweit 3,3 Millionen Hektar erworbenen Landes. Danach folgen Großbritannien (1,8 Millionen Hektar), Singapur (1,7 Millionen Hektar), Saudi-Arabien (1,4 Millionen Hektar), die Niederlande und Indien (jeweils 1,3 Millionen Hektar), Hongkong (1,1 Millionen Hektar), China (1 Million Hektar) und Argentinien (0,7 Millionen Hektar). „Wir beobachten, dass immer mehr Agrarflächen nicht nur den Besitzer gewechselt haben, sondern zunehmend aktiv bewirtschaftet und genutzt werden – zum Beispiel für den Anbau von Getreide, Ölpalmen und Zuckerrohr“, sagte Kerstin Nolte, eine der Autorinnen des Berichts.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Politik
Politik Wenn im Mittelmeer ein Krieg ausbricht, ist Chinas Neue Seidenstraße tot - Teil 1

Chinas Neue Seidenstraße kann nur gelingen, wenn die Anrainer-Staaten im östlichen Mittelmeer sich vertragen. Doch im Moment stehen die...

DWN
Deutschland
Deutschland Skandalös: Bundestags-Abgeordnete verdienen 11,2 Millionen Euro aus „anonymen“ Quellen

In der aktuellen Wahlperiode haben die Bundestagsabgeordneten bisher 25,1 Millionen Euro aus Nebeneinkünften eingenommen. Doch bei...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Türkei will bis zum Jahresende 44 Tonnen Gold produzieren

Die Türkei hängt an ihrem Produktionsziel, bis zum Jahresende 44 Tonnen an Gold zu produzieren, fest. Zuvor hatte es Schwierigkeiten bei...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB versorgt Banken mit neuem Geldregen - zu negativen Zinsen

Bei den Krediten im Umfang von 174,5 Milliarden Euro wird ein Negativzins zugrunde gelegt. Mit anderen Worten, die Banken erhalten eine...

DWN
Deutschland
Deutschland Heckler & Koch wehrt sich gegen Sturmgewehr-Entscheidung des Verteidigungsministeriums

Im Kampf um einen 250 Millionen Euro schweren Sturmgewehr-Großauftrag der Bundeswehr will sich der unterlegene Waffenhersteller Heckler &...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aktie keine sechs Cent mehr wert: Größter Bohranlagen-Betreiber der Welt steht vor dem Aus

Die sinkende Nachfrage nach Öl und der daraus resultierende Niedrigpreis fordern die ersten Opfer.

DWN
Politik
Politik Türkisch-griechischer Konflikt im Mittelmeer: Nato-Staaten schweigen beredt - keiner will sich positionieren

Wird es im Gas-Streit zwischen den Nato-Mitgliedern Türkei und Griechenland zum Krieg kommen? Während die beiden Kontrahenten das Feuer...

DWN
Politik
Politik Visegrad-Staaten lehnen EU-Vorschlag zur Migration ab

Der Plan zur Regelung der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten über ein verpflichtendes Quotensystem sei inakzeptabel, erklärten die...

DWN
Technologie
Technologie Samsung tritt mit eigenem Bezahldienst gegen Google Pay an

Das Bezahlen mit dem Smartphone wird in Deutschland populärer. Nun startet nach Google und Apple auch Samsung eine eigenen Bezahldienst -...

DWN
Panorama
Panorama Corona-Spürhunde suchen am Flughafen von Helsinki infizierte Passagiere

Am finnischen Hauptstadt-Flughafen Helsinki-Vantaa sollen Spürhunde mit dem neuartigen Coronavirus infizierte Passagiere ausfindig machen....

DWN
Deutschland
Deutschland Ifo-Index steigt, Stimmung bei deutschen Firmen hellt sich weiter auf

"Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich trotz steigender Infektionszahlen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Stimmung der...

DWN
Deutschland
Deutschland Stellenabbau wegen E-Autos sorgt bei Daimler für Unruhe

Der absehbare Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Umstellung auf Elektromobilität stößt beim Autobauer Daimler auf Widerstand.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona: Millionen vom Hungertod bedroht, Armut nimmt dramatisch zu

Armut und Hunger werden aller Voraussicht nach durch Corona dramatisch zunehmen. Vor allem Kinder sind betroffen.

DWN
Deutschland
Deutschland Preise für Wohnimmobilien steigen trotz Corona-Rezession spürbar

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland lagen im zweiten Quartal durchschnittlich 6,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Doch es gibt...

celtra_fin_Interscroller