Chaos im Weißen Haus führt zu Kursrutsch des Dollar

Der Dollar verliert zum Euro weiter deutlich an Wert. Das politische Chaos in den USA wird zu einem wirtschaftlichen Problem.

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Eine Euro-Münze und ein Dollar-Schein. (Foto: dpa)

Eine Euro-Münze und ein Dollar-Schein. (Foto: dpa)

Der Kurs des Dollar zum Euro in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Der Kurs des Dollar zum Euro in der Jahressicht. (Grafik: ariva.de)

Der Euro hat am Dienstag die am Vorabend genommene Hürde von 1,18 Dollar verteidigt, berichtet Reuters. Mit 1,1845 Dollar notierte er zeitweise so hoch wie zuletzt am 14. Januar 2015, gab dann aber leicht auf 1,1815 Dollar nach. Die Kursbewegung hatte schon am späten Montagnachmittag eingesetzt, kurz nachdem die EZB den Referenzkurs mit 1,1727 Dollar deutlich niedriger festgelegt hatte. Am Dienstag-Abend stand der Kurs bei rund 1,18 Dollar für den Euro.

Anleger führten den Kursanstieg auch auf die innenpolitische Entwicklung in Washington zurück. Viele Investoren zweifelten an der Einigkeit der Republikaner von US-Präsident Donald Trump, die aber für die Durchsetzung beispielsweise seiner steuerpolitischen Vorstellungen oder die Reform des Gesundheitswesens nötig wäre. So hält der Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Senat, der Republikaner Orrin Hatch, Trumps Pläne für eine Senkung der Unternehmenssteuer für wenig realistisch. Zudem gab es erneut eine überraschende Personalie im Weißen Haus: Trump feuerte am Montagabend seinen Kommunikationschef Anthony Scaramucci, der erst zehn Tage im Amt war.

Der Dollar habe dem Euro-Anstieg nichts entgegenzusetzen, stellte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt fest. „Ich bin sicher, nicht nur mich erinnert das ganze Drama und die Verwicklungen in Washington an das Drehbuch einer Seifenoper“, sagte Reichelt. Andere Analysten zeigten sich etwas skeptischer. „Wenngleich der Euro reif für eine Korrektur ist, könnte die Reise bis in den Kursbereich bei 1,1870 Dollar fortgesetzt werden“, sagte Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets.

Ein anderer wichtiger Grund für sie Dollarschwäche sind enttäuschende Konjunkturdaten, welche die Landeswährung auf breiter Front belasten. Am Montag war ein Indikator zur Stimmung von Einkaufsmanagern in der Region Chicago unerwartet stark gefallen. Die US-amerikanische Wirtschaft steht und fällt mit der Konsumfreude der Amerikaner. Rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung sind davon abhängig. Die Tatsache, dass rund ein Drittel aller Amerikaner über keinerlei Ersparnisse verfügt, ist deshalb eine schwere Bürde. Zudem steigt die Verschuldung der Privathaushalte, was ebenso auf den Konsum drückt.

Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe sieht die Aussichten skeptisch. Am Arbeitsmarkt würden zwar beständig neue Jobs geschaffen, kräftigere Lohnsteigerungen blieben jedoch aus. „Die verfügbaren Einkommen steigen somit nur verhalten.“ Zudem sei die Unsicherheit groß, ob die Privathaushalte im nächsten Jahr mit Steuerentlastungen rechnen könnten. Trump will das Wachstum mit einer „phänomenalen“ Steuerreform und Investitionen auf drei Prozent hochtreiben. Doch selbst die Fed bezweifelt, dass er die Konjunktur so stark auf Touren bringen kann. Nach den nun vorliegenden BIP-Daten für das laufende Jahr scheint ein Wachstum jenseits der 2,5-Prozent-Marke für 2017 unrealistisch. Das Bruttoinlandsprodukt hatte im ersten Quartal auf das ganze Jahr hochgerechnet nur um 1,2 Prozent zugelegt.

Im weiteren Handelsverlauf könnten positive Konjunkturdaten aus der Eurozone die Gemeinschaftswährung weiter stützen. Auf dem Programm stehen Daten zum Wirtschaftswachstum in der Eurozone und Daten vom deutschen Arbeitsmarkt.

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