Finanzen

USA liefern erstmals Kohle in die Ukraine

Lesezeit: 2 min
06.08.2017 18:36
Die Ukraine wird erstmals Kohle aus den USA importieren, um sich auf den Winter vorzubereiten. Der kohlereiche Osten des Landes steht unter Kontrolle pro-russischer Kräfte.
USA liefern erstmals Kohle in die Ukraine

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der US-Kohlekonzern Xcoal Energy and Resources hat von der staatlichen ukrainischen Strom-Gesellschaft Centrenergo einen Auftrag zur Lieferung von Kohle erhalten. Die Kohlelieferungen sollen der Vorbereitung des Landes auf den Winter dienen, berichtet die Washington Post. Der Auftrag ist das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump, der eine „Goldene Ära“ in der Energiewirtschaft zwischen den USA und der Ukraine verkündet hatte, so der englischsprachige Dienst von Reuters.

Im Detail geht es um eine Lieferung von Kohle im Umfang von 700.000 Tonnen und einem Wert von 79 Millionen Dollar. Der Preis liegt derzeit bei etwa 113 Dollar pro Tonne. Die erste Sendung wird den Hafen von Baltimore im September in Richtung der Ukraine verlassen.

Energieminister Rick Perry sagte in diesem Zusammenhang, dass US-Kohle „eine sichere und zuverlässige Energiequelle“ für die Ukraine werde. Die Ukraine stand bisher in einer Abhängigkeit zu russischen Kohlelieferungen. „Das ändert sich jetzt“, zitiert die Washington Post Perry. Dem US-Energieminister zufolge sei dies ein wichtiger Schritt, um die Dominanz der USA im Energiesektor voranzutreiben. US-Handelsminister Wilbur Ross sagte, dass die Ukraine nun die Möglichkeit habe, ihre Energiequellen vor Einbruch des Winters zu diversifizieren. Zuvor hatte US-Präsident Trump versprochen, die US-Kohleindustrie zu beleben, die Exporte zu steigern und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen.

Für die Regierung in der Ukraine ist die Kohle-Frage besonders kritisch, weil sich nahezu alle Kohlevorkommen im Osten der Ukraine (Region Donezk) befinden, der von den ukrainischen Rebellen kontrolliert wird. Die Regierung in Kiew hat hier keinen ungehinderten Zugang.

Eurocoal führt dazu aus: „Die Ukraine hat bedeutende Kohle-Vorkommen. Das Land ist die sechstgrößte Nation nach China, den USA, Indien, Russland und Australien (…). Die Hauptvorkommen befinden sich im Donezk-Kohlebecken (101,9 Milliarden Tonnen), dem Kohlebecken Dnipropetrovsk (4,1 Milliarden Tonnen) und dem Kohlebecken Lviv-Volyn (2,3 Milliarden Tonnen) sowie in der Dniprovsko-Donetska-Kohle-Baisse (8,7 Milliarden Tonnen) und der Zakarpattya- oder Transkarpathen-Kohle-Baisse (0,2 Milliarden Tonnen).“

Erschwerend kommt hinzu, dass rechte ukrainische Freiwilligen-Bataillone die Kohle-Lieferungen aus dem Osten der Ukraine in den Westen des Landes sabotieren. Ende Januar 2017 hatten ehemalige Mitglieder der paramilitärischen ukrainischen Freiwilligen-Bataillone und Mitglieder des Rechten Sektors damit begonnen, eine von sechs Eisenbahnlinien, die das Rebellen-Gebiet Donezk mit der West-Ukraine verbindet, zu blockieren. Zwei Wochen lang wurden zwei weitere Eisenbahnlinien besetzt.

Die Aktion führte im Westen der Ukraine zu einem massiven Energieausfall, da über die Eisenbahnnetze Kohle in den Westen aus dem Osten der Ukraine transportiert wird, der unersetzlich ist für die Energieversorgung der West-Ukraine. Das Ziel der Blockade bestand eigentlich darin, die Einnahmen der Rebellen im Osten des Landes, die sie durch die Lieferungen von Stahl und Kohle in den Westen der Ukraine erzielen, zu mindern, berichtet The Daily Mail.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Dringend: Deutschlands Wirtschaft fordert Steuerreform
24.02.2024

Führende Industrieverbände fordern steuerpolitische Reformen: Sie präsentieren ein Spektrum an Maßnahmen, von der Senkung der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Regeln für den Onlinehandel in der EU - was jetzt zu beachten ist!
24.02.2024

Wer Onlinehandel betreibt, läuft Gefahr, in eine Abmahnfalle zu geraten. Dies kann aus Unwissenheit passieren oder wenn Fehler...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Vermögensregister und Bargeldbeschränkungen: Risiko für Anleger
23.02.2024

Das EU-Vermögensregister gehört derzeit zu den größten Risiken für Anleger. Daher ist es wichtig, sich jetzt zu überlegen, wie man...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Können Kasachstan und Aserbaidschan russische Energie ersetzen?
23.02.2024

Aserbaidschan und Kasachstan sollen als Folge des Ukrainekrieges zu wichtigen Energieversorgern Deutschlands und der EU werden. Doch wie...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Wunderwaffen gibt es nicht
23.02.2024

Im Ukraine-Krieg treffen russische auf westliche Waffensysteme. Inwieweit lässt sich deren Effektivität vergleichen, sind ausgebrannte...

DWN
Finanzen
Finanzen Bund geht wieder leer aus: Erneut kein Bundesbank-Gewinn
23.02.2024

In der Bundesbank-Bilanz steht zum vierten Mal in Folge unter dem Strich eine Null, dabei könnte der Bundesfinanzminister einen Geldsegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Solarhersteller unter Druck: Meyer Burger plant Werksschließung in Sachsen
23.02.2024

Die Solarindustrie hierzulande steht unter Druck: Annähernd 90 Prozent der nach Deutschland importierten Photovoltaikanlagen stammen laut...

DWN
Finanzen
Finanzen Allzeithochs bei DAX, MSCI World und Co.: Jetzt besser nicht investieren?
23.02.2024

Zahlreiche Aktienindizes sind kürzlich auf Rekordhochs gestiegen, der deutsche DAX beispielsweise kletterte im gestrigen Donnerstagshandel...