USA: Tausende Texaner fliehen vor schweren Regenfällen

Die Millionenstadt Houston wird von schweren Regenfällen heimgesucht.

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Wegen der katastrophalen Überschwemmungen in Texas durch den Wirbelsturm „Harvey“ haben die Behörden Evakuierungen angeordnet, berichtet Reuters. Im Landkreis Fort Bend sollten sich am Montag 50.000 Menschen in Sicherheit bringen, nachdem der höchste Wasserstand des Flusses Brazos seit mindestens 800 Jahren vorhergesagt worden war. Der Kreis liegt 50 Kilometer südwestlich der schwer getroffenen Millionenmetropole Houston, wo Schulen, See- und Flughäfen geschlossen waren. „Wir sehen noch nie dagewesene Niederschlagsmengen“, sagte Chefmeteorologe Steve Bowen vom Rückversicherer Aon Benfield. Zum Versicherungsschaden lagen unterschiedliche Schätzungen vor.

Präsident Donald Trump will sich am Dienstag an Ort des Geschehens ein Bild von der Lage machen.

Die Behörden sprachen von mindestens zwei Todesopfern. Die genaue Zahl der Obdachlosen war zunächst unklar, allein im Großraum Houston waren am Montagmorgen mehr als 220.000 Haushalte ohne Strom. In der viertgrößten Stadt der USA flohen Zehntausende Menschen aus ihren Häusern. Allein das Rote Kreuz bereitete sich in der Nacht zum Montag auf die Versorgung von bis zu 28.000 Texanern vor, die durch die Fluten obdachlos geworden sind. Die Stadt Dallas – mehr als 350 Kilometer von Houston entfernt – kündigte die Einrichtungen einer Notunterkunft für 5000 Notleidende in einem Messezentrum an. Rettungskräfte setzten Motorboote und Hubschrauber ein, andere Menschen wurden auf Lastwagen in Sicherheit gebracht.

Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, verteidigte seine Entscheidung, die 2,3 Millionen Einwohner nicht zum Verlassen der Stadt aufgerufen zu haben. Er verwies auf die Folgen der Evakuierung vor dem Hurrikan „Rita“ im Jahr 2005, bei dem mehr als 100 Menschen gestorben seien. „Wenn Sie glauben, die Situation jetzt sei schlimm – wenn Sie eine Evakuierung anordnen, beschwören Sie einen Alptraum herauf“, sagte er. Laut Vorhersagen soll Houston auch in den kommenden Tagen von schweren Regenfällen heimgesucht werden. „Der Sturm bewegt sich kaum“, sagte der Meteorologe Steve Wistar. Damit falle der Regen auf dieselben Gebiete. Das Zentrum des Sturms lag am Montagmorgen etwa 150 Kilometer von Houston entfernt und sollte sich bis Mittwoch in einem Bogen langsam auf die Stadt zubewegen.

Zudem bahnte sich über die Flüsse neues Ungemach an. Etwa 240 Kilometer von Houston entfernt gingen heftige Schauer auf die stromaufwärts gelegenen Abschnitte nieder. Auch diese Wassermassen bewegen sich auf die Stadt zu. Insgesamt gab der Nationale Wetterdienst der USA (NWS) Flutwarnungen für ein Gebiet von New Orleans bis nahe San Antonio heraus. Betroffen wären damit etwa 13 Millionen Menschen, was grob der Bevölkerung Bayerns entspricht.

Der Branchendienst Insurance Information erklärte, die Versicherungsschäden durch „Harvey“ könnten ähnlich hoch liegen wie bei „Katrina“ 2005. Dem widersprach die Hannover Rück: Die Kosten seien „weit entfernt“ von den Größenordnungen von „Katrina“ oder „Sandy“ im Jahr 2012, sagte eine Sprecherin des Rückversicherers. „Katrina“ hatte die Branche knapp 80 Milliarden Dollar gekostet, „Sandy“ 36 Milliarden Dollar.

In Asien und Europa gehörten Versicherer am Montag zu den größten Verlierern an den Aktienmärkten. „Harvey“ hat auch die US-Raffinerie- und Förderanlagen an der Küste und im Golf von Mexiko in Mitleidenschaft gezogen. Unter anderem wurde die zweitgrößte Raffinerie der USA, Baytown von Exxon, geschlossen. Am Rohstoffmarkt nährte der Ausfall an der US-Golfküste Spekulationen über Nachschub-Probleme bei Benzin, was den Preis trieb.

„Harvey“ war in der Nacht zu Samstag als Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern in der Stunde über die Küste von Texas hinweggefegt. Damit war er der stärkste Sturm in dem US-Bundesstaat seit 1961.