Finanzen

Spanien ermittelt gegen chinesische Großbank ICBC

Lesezeit: 2 min
16.09.2017 18:27
Die spanische Justiz wirft der chinesischen Großbank ICBC vor, jahrelang Geld für Kriminelle gewaschen zu haben.

Mehr zum Thema:  
China >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
China  

Spanien hat Ermittlungen gegen die europäische Sparte der chinesischen Großbank ICBC wegen des Verdachts auf Geldwäsche aufgenommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wird der Tochter mit Sitz in Luxemburg vorgeworfen, über die Niederlassung in Madrid Hunderte Millionen Euro nach China geschleust zu haben. Das oberste Gericht Spaniens gab am Montag den Ermittlern grünes Licht, um die Geschäfte am Europa-Hauptsitz in Luxemburg unter die Lupe zu nehmen.

Richter Ismael Moreno wies ICBC Luxemburg an, einen Verantwortlichen und einen Anwalt zu benennen. ICBC Luxemburg sei über die Geschäfte in Spanien informiert gewesen. Dem Geldhaus droht eine Geldstrafe, die Beschlagnahmung von Vermögen oder die Schließung.

Die Industrial and Commercial Bank of China ist die größte Bank Chinas. Ein Sprecher von ICBC in Luxemburg war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die spanische Polizei hatte vor anderthalb Jahren die Büroräume von ICBC in Madrid durchsucht, sieben Manager wurden festgenommen. Aus spanischen Justizkreisen hieß es zuletzt, dass zwischen 2011 und 2013 etwa 225 Millionen Euro von der Filiale in Madrid aus nach China transferiert wurden. Der größte Teil des Geldes sei für kriminelle Vereinigungen bestimmt gewesen. Die Verantwortung für diese Geldwäscheaktivitäten erstrecke sich auch auf die Niederlassung in Luxemburg, erklärten die Richter nun. Zwischen 2011 und 2014 habe ICBC in Madrid keine Kredite oder Hypotheken ausgegeben. Die Aktivitäten der Bank in dieser Zeit hätten sich darauf beschränkt, Geld von kriminellen Gruppen einzunehmen und nach China zu bringen.

Reuters spezifizierte nicht, wer genau unter „spanischen Justizkreisen“ als Quelle zu verstehen ist. Zudem ist offenbar unklar, um welche kriminellen Vereinigungen es sich handeln soll.

Die dpa berichtet, dass es sich bei den Vereinigungen um chinesische Gruppen der organisierten Kriminalität handeln soll: „Auf Anweisung des ICBC-Vorstandes in Luxemburg sei Ende 2010 in Madrid eine Filiale der Bank gegründet worden, um von kriminellen Organisationen wie ‚Emperador‘ (Kaiser) oder ‚Snake‘ (Schlange) illegal erzielte Gewinne ‚bewusst‘ der Geldwäsche zu unterziehen, hieß es. Dabei habe die Bank weder die Herkunft der Gelder überprüft noch Maßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche oder Finanzierung von Terrorismus getroffen. Die Kunden seien mehrheitlich mutmaßliche chinesische Bandenmitglieder gewesen. Gelder der chinesischen Mafia sollen jahrelang illegal außer Landes geschafft worden sein. Es ist laut Medienberichten von ‚mindestens 40 Millionen Euro‘ die Rede. Die Justiz ist den mutmaßlich illegalen Geschäften der Bank in Spanien seit Mitte 2015 auf der Spur. Die Ermittler waren damals bei der Zerschlagung eines chinesischen Geldwäscherings auf ICBC aufmerksam geworden.“

Vor wenigen Tagen hatte die chinesische Legend Holdings die luxemburgische Banque Internationale a Luxembourg gekauft. Der Kaufpreis soll etwa 1,48 Milliarden Euro betragen haben. Die Übernahme ist laut China Daily die bisher größte Transaktion eines chinesischen Unternehmens zum Erwerb einer europäischen Privatbank.


Mehr zum Thema:  
China >

DWN
Politik
Politik Stunde der Wahrheit für Ursula von der Leyen: Wiederwahl auf Messers Schneide
17.07.2024

Ursula von der Leyen hofft auf Wiederwahl als Präsidentin der EU-Kommission. Am Donnerstag schlägt in Brüssel ihre Stunde der Wahrheit....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Seltene Erden aus Monazit: Hoffnungsträger für die Versorgung mit Schlüsselmetallen
17.07.2024

Die deutsche Rohstoffbehörde BGR weist in einer neuen Studie auf das Potenzial von Monazit für die Versorgung mit den chronisch knappen...

DWN
Politik
Politik Covid-Impfstoff: EU-Kommission hielt wichtige Informationen zurück
17.07.2024

Die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen hat laut einem Urteil des EU-Gerichts gegen das EU-Recht verstoßen, indem sie Informationen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundeshaushalt 2025: Wofür die Ampel im nächsten Jahr Geld ausgeben will
17.07.2024

Lange wurde verhandelt, jetzt ist der Bundestag am Zug. Die meisten Ministerien bekommen mehr Geld, als der Finanzminister geben wollte....

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien: Warum Investoren abwarten
17.07.2024

Niedrige Zinsen haben die Investoren in den vergangenen Jahren vermehrt dazu bewegt, in Wohnimmobilien zu investieren statt in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand sieht erhebliche Kostensteigerungen
17.07.2024

KfW-Befragung: Deutschlands Mittelstand erwartet höhere Kosten: 80 Prozent der mittelständischen Unternehmen rechnen mit Mehrbelastungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hackerangriffe nehmen zu: Deutsche unterschätzen Cyberkriminalität!
17.07.2024

Trotz alarmierender Bedrohungslage im Cyberraum und einer Zunahme von Hackerangriffen steigt die Unbesorgtheit der Deutschen – laut...

DWN
Politik
Politik Landwirtschaftssubventionen unter der Lupe: Wohin fließen die Milliarden?
17.07.2024

Ende 2023 und Anfang 2024 waren die Bauerproteste ein Topthema in Deutschland. Der Grund, wie so oft, war Geld, genauer gesagt...