Investor gründet Krypto-Hedgefonds: „Die größte Blase in unserem Leben“

Der Milliardär Mike Novogratz ist mit Ethereum-Spekulationen reich geworden. Jetzt will er mit einem Hedgefonds vom Krypto-Hype profitieren.

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Das Ethereum-Logo. Ein Milliardär will um den Kryptowährungs-Hype einen Hedgefonds gründen. (Foto: coinfox)

Das Ethereum-Logo. (Foto: coinfox)

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Der Milliardär Mike Novogratz war früher Partner bei Goldman Sachs und später Hedgefonds-Manager bei der Fortress Investment Group. Jetzt startet er seinen eigenen Hedgefonds, in den er selbst 150 Millionen Dollar investieren will.

Weitere 350 Millionen Dollar will er bis kommenden Januar von Investoren einsammeln – vor allem von reichen Familien und Einzelpersonen sowie von früheren Hedgefonds-Kollegen, zitiert Bloomberg einen Insider, der nicht mit Namen genannt werden will.

Die Gelder im Umfang von insgesamt 500 Millionen Dollar will Mike Novogratz in Kryptowährungen, in Initial Coin Offerings (ICOs) und in daran beteiligte Unternehmen investieren.

Der Galaxy Digital Assets Fund wäre der erste Fonds dieser Größe in dem Sektor. Es wäre ein Zeichen, dass Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether zunehmend Akzeptanz als legitime Anlageformen gewinnen. Für den 52-jährigen Fondsmanager wäre es nach zweieinhalb Jahren Abstinenz ein Comeback ins professionelle Anlagegeschäft.

In einem TV-Interview mit Bloomberg wollte sich Novogratz nicht dazu äußern, ob er Geld für einen Fonds einsammelt. Stattdessen sprach er ausführlich über seine Erfahrungen mit den Kryptowährungen in den letzten Jahren und darüber, warum er unbedingt mit ihnen handeln will.

„Das wird die größte Blase in unserem Leben werden“, sagte er. Die Preise würden viel zu hoch steigen. Da könne man auf dem Weg nach oben sehr viel Geld machen. „Und das haben wir vor.“

Novogratz sagte, dass er Anfang September nahe dem Allzeithoch von 5.000 Dollar Bitcoin verkauft habe. Und letzte Woche sei er dann bei einem etwa 30 Prozent niedrigeren Preis wieder eingestiegen. Aktuell liegt der Kurs wieder deutlich über 4.000 Dollar.

„Wenn du gut darin bist und ein Trading-Junkie, dann macht das eine Menge Spaß.“ Wegen der möglichen enormen Verluste und Gewinne vergleicht Novogratz die Kryptowährungen mit dem Wilden Westen. Bei einigen ICOs gebe es zudem auch Betrug.

Bisher investieren nur zwei Hedgefonds größere Summen in Kryptowährungen. Polychain Capital und MetaStable Capital haben jeweils zweistellige Millionenbeträge eingesammelt, die sie in die dezentral organisierten und mathematisch festgelegten Zahlungssysteme stecken wollen.

Doch der Galaxy Digital Assets Fund von Mike Novogratz soll breiter aufgestellt werden. Geplant sind Marketmaking, die Ausnutzung von Preisunterschieden (Arbitrage), Anteile an ICOs sowie Investitionen in die Entwicklung von digitalen Assets.

Als Partner hat Novogratz zwei Trader mit vielen Jahren Erfahrung bei Hedgefonds und mit Regulierungen: Richard Tavoso, der frühere Chef der globalen Arbitrage bei RBC Capital Markets, und David Namdar, der zuvor bei Millennium Partners, Marto Capital und bei UBS gearbeitet, sagte der anonyme Insider zu Bloomberg.

Die meisten großen Institutionen haben sich von den Kryptowährungen ferngehalten. Sie zweifeln an deren Legitimität oder fürchten die extreme Volatilität dieser weitgehend unregulierten Finanzinstrumente.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon etwa sagte kürzlich, Bitcoin sei ein schlimmerer „Betrug“ als die Tulpenzwiebel und dass er jeden seiner Trader feuern würde, der mit Bitcoin handelt. Doch nur wenige Tage später wurde dann die Investmentbank selbst beim Kauf von Bitcoin-Papieren erwischt.

Mike Novogratz sieht in den Kryptowährungen großes Potential. „In vieler Hinsicht ist das ein Markt wie jeder andere, man sieht die Psychologie der Angst und der Gier in den Kursen, so wie man das in den Kursen der indonesischen Rupie oder im Dollar-Yen-Kurs oder bei US-Staatsanleihen sehen würde.“

Allerdings gebe es bei den Kryptowährungen stärkere Preisschwankungen, weil man dort weniger Liquidität habe und weil Investoren nicht auf niedrigere Preise spekulieren könnten.

Novogratz kam zu Bitcoin, als er noch Hedgefonds-Manager bei Fortress war. Bereits im Jahr 2013 empfahl er den Kauf von Bitcoin. Doch seinen ersten massiven finanziellen Erfolg mit Kryptowährungen hatte er erst, nachdem der die Firma vor zwei Jahren verlassen hatte.

Ende 2015 besuchte er das Start-up eines Freundes in New York. Er hatte keine großen Erwartungen. Doch vor Ort sah er „30 dynamische junge Leute in einem überfüllten Lagerhaus, die telefonierten und diese Revolution planten“, sagt Novogratz. Sein Instinkt sei gewesen: „Ich will einen Batzen Geld in diese Firma investieren.“

Doch statt in die Firma selbst investierte er in Ether, die vom Ethereum-Netzwerk genutzte Kryptowährung. Novogratz investierte etwa eine halbe Million Dollar, als der Ether-Kurs noch unter einem Dollar lag, und fuhr nach Indien in den Urlaub. Als er ein paar Wochen später zurückkehrte, hatte sich der Preis verfünffacht, und er kaufte mehr.

Im Juni 2017 stieg der Ether-Kurs vorübergehend über 400 Dollar und Bitcoin auf rund 2.500 Dollar. Novogratz verkaufte zu diesem Zeitpunkt so viel, dass er einen Gewinn von 250 Millionen Dollar hatte. Das war der beste Trade seiner Karriere. Er zahlte die Gewinnsteuern, kaufte sich einen Jet und spendete für ein wohltätiges Projekt.

Doch Novogratz’ Begeisterung für Bitcoin, Ethereum und Co. ist ungebrochen. Er organisiert ein wöchentliches Treffen zum Thema Kryptowährungen in Manhattan und schwärmt weiterhin für den Sektor.

„Blasen entstehen bei Dingen, die unsere Lebensweise grundlegend verändern“, sagt er und nennt einige Beispiele. „Die Eisenbahn veränderte unsere Lebensweise von Grund auf. Die Internet-Blase veränderte unsere Lebensweise. Wenn ich fünf oder zehn Jahre in die Zukunft blicke, dann wecken die Möglichkeiten meine Lebensgeister.“

Der Milliardär schätzt, dass er etwa 20 Prozent seines Vermögens in Kryptowährungen angelegt hat. Außerdem hat seine Family-Office in Bitcoin-Mining, Handelsplattformen, Initial Coin Offerings und die Blockchain-Technologie investiert.

Novogratz empfiehlt den Gemini-Handelsplatz der Zwillinge Cameron und Tyler Winkelvoss, unter anderem weil dieser im US-Bundesstaat New York eine Lizenz zum Handel mit Bitcoin und Ether hat.

Mit seinem Hedgefonds im Umfang von 500 Millionen Dollar wird Novogratz nicht nur Handelschancen nutzen können, die ein großes Volumen erfordern. Er wird auch einen stärkeren Einfluss ausüben können auf Entwickler, Unternehmer und Regulierungsbehörden.

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